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Döbelner Ex-Stadtratskandidat Jan Häntzschel muss Geldstrafe bezahlen

Faust gegen Polizisten erhoben Döbelner Ex-Stadtratskandidat Jan Häntzschel muss Geldstrafe bezahlen

Um vermeintliches Heldentum und den Sichtbereich aus den Augenwinkeln ging es am Montag in einem Strafprozess am Döbelner Amtsgericht. Dort saß der ehemalige Döbelner Stadtratskandidat Jan Häntzschel auf der Anklagebank. Gewalt auf einer Nazidemo am 13. Februar in Döbeln war das Thema.

Die Staatsanwaltschaft legte dem 27-Jährigen zur Last, auf einer Nazi-Demo einen Polizisten und eine junge Frau aus den Reihen der Gegendemonstranten angegriffen zu haben.

Quelle: dpa

Döbeln. Das Amtsgericht Döbeln hat am Montag das Strafverfahren gegen den ehemaligen Döbelner NPD-Stadtratskandidaten Jan Häntzschel mit einem Schuldspruch abgeschlossen. Richter René Stitterich verurteilte den 27-Jährigen wegen zweifacher versuchter Körperverletzung zu einer Gesamtgeldstrafe von 100 Tagessätzen á 33 Euro, also insgesamt 3300 Euro. Nach Richter Stitterichs Überzeugung hat Häntzschel auf der Demonstration der Jungen Nationaldemokraten am 13. Februar versucht, eine junge Frau aus den Reihen der Gegendemonstranten zu schlagen. Außerdem hat der 27-Jährige nach Ansicht des Gerichts einen Polizisten mit der Faust angegriffen, als dieser gerade mit dem Döbelner NPD-Stadtrat Stefan Trautmann beschäftigt war. Ein Kollege des Beamten konnte den Schlag verhindern, indem er Häntzschel zu Boden warf. Staatsanwalt Christian Kuka hatte eine siebenmonatige bedingte Haftstrafe für den Angeklagten beantragt, Häntschels Verteidiger, der Auer Rechtsanwalt Alexander Lindner, hatte auf Freispruch plädiert. Das Urteil des Amtsgerichtes ist noch nicht rechtskräftig.

„Es ist wieder klipp und klar, dass hier gegen Leute gehetzt wird und uns unsere Lebensgrundlage entzogen wird. Die Presse hat schon Gift und Galle gespeit [sic]. Meine Familie hat mich angerufen und gefragt, was ich denn schon wieder angestellt habe“, sagte Jan Häntzschel im letzten Wort vor der Urteilsverkündung. Er stritt weiter ab, auf den Polizisten und die junge Frau losgegangen zu sein. Er habe zudem mit seinem Optiker gesprochen, sagte Jan Häntzschel. Es könne gar nicht sein, dass jemand aus den Augenwinkeln sieht, wie ihn jemand angreift. So hatte es der Polizist ausgesagt. Jan Häntzschel sei mit erhobener Faust auf ihn losgegangen, das habe er aus den Augenwinkeln beobachtet und sich dabei Häntzschels Gesichtsausdruck voller Wut und Hass eingeprägt. „Wenn Ihr Optiker Probleme hat, aus den Augenwinkeln zu beobachten, sollte er vielleicht mal zum Optiker gehen. Normale Menschen können sehr wohl aus den Augenwinkeln wahrnehmen, was um sie herum geschieht“, sagte Richter Stitterich später dazu, als er sein Urteil begründete.

In seinem letzten Wort bezichtigte Jan Häntzschel außerdem die linken Gegendemonstranten, mit Stangen auf Polizisten losgegangen zu sein. „Dass bewaffnete Leute auf eine angemeldete Demonstration losgehen wollten, wird hier überhaupt nicht beachtet“, sagte er. Nur: Angeklagt waren am Montag nicht irgendwelche linksautotomen Gewalttäter, sondern Jan Häntzschel, ehemaliger NPD-Stadtratskandidat in Döbeln. Und der wies erneut daraufhin, dass die Polizei bei ihm ja schließlich keine Eisenstangen oder ähnliche Schlagwerkzeuge gefunden hatte. Denn Staatsanwalt Kuka ging davon aus, dass Häntzschel die linke Gegendemonstrantin mit einer Holz- oder Eisenstange angegriffen hatte, was als versuchte gefährliche Körperverletzung strafbar wäre. Die junge Frau hatte davon nichts beobachtet, wohl aber bemerkt, wie etwa streifte. Ein anderer Zeuge hatte beim Angeklagten eine etwa einen bis 1,20 Meter lange Stange gesehen, aber nicht beobachtet, wie Häntzschel damit schlug. Richter Stitterich reichte das nicht. Deshalb lautete sein Urteil nur auf den zweimaligen Versuch der einfachen Körperverletzung mit niedrigerem Strafrahmen. „Wenn man schon in der Gruppe der Held sein will, sollte man den Arsch in der Hose haben und sagen: „Ja, das war so. Ich habe das allerdings noch nie bei Straftaten auf Demonstrationen erlebt. Soviel Heldentum gibts dann doch nicht“, sagte Richter Stitterich.

 

Von Dirk Wurzel

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