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Döbelner Gesundheitsamt hilft Krebspatienten

Döbelner Gesundheitsamt hilft Krebspatienten

Morgen ist Weltkrebstag. Das Gesundheitsamt Döbeln bietet unter anderem über die Psychosoziale Tumorberatungsstelle Hilfe für Krebspatienten und deren Angehörige an.

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Ilka Scharf

Döbeln. Frage: An wen richten sich die Angebote der Psychosozialen Tumorberatungsstelle?

Ilka Scharf: An Krebs-Patienten und deren Angehörige. Personen, die Hilfestellung im Umgang mit krebskranken Menschen wünschen, können sich ebenfalls gern bei mir melden.

Wie helfen Sie?

Es gibt verschiedene Ansatzpunkte. Jeder Mensch benötigt individuelle Hilfen. Diese werden in einem ausführlichen Gespräch mit ihm besprochen. Da kann es zum Beispiel um Fragen zum Schwerbehindertenausweis, Rentenantrag oder Parkerleichterung gehen sowie um Unterstützung bei Problemen mit Krankenkassen. Dabei nutze ich die gute Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Selbsthilfegruppen und verweise auch an diese. Auch bei Problemen hinsichtlich der Genehmigung von Rehabilitationsmaßnahmen helfe ich.

Schwer vorstellbar: Einem Krebs-Patienten wird eine Reha-Maßnahme verwehrt?

Das passiert durchaus. Nach der Behandlung einer Krebserkrankung zum Beispiel Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung wird durch den Rententräger eine Anschlussheilbehandlung gewährt, die die Therapieeinrichtung beantragt. Danach kann innerhalb eines Jahres nach der letzten Behandlung eine onkologische Rehabilitation beantragt werden. Diese wird in einigen Fällen aus medizinischer Sicht abgelehnt. Hier werde ich beratend und unterstützend tätig.

Welche Hilfen geben Sie neben der sozialrechtlichen Unterstützung?

Häufig werden Ängste angesprochen, die auf Grund der Erkrankung entstanden sind. Noch immer bringt die Diagnose Krebs für viele Menschen Ängste mit sich - wegen der unbekannten Folgen, die heute aber durch die vielfältigeren diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten besser beherrschbar sind. Vor allem, wenn die Krankheit frühzeitig erkannt wird.

Kommen eher Patienten mit besseren oder schlechteren Prognosen zu Ihnen?

Das kann man so nicht sagen. Der Patient macht den Besuch der Psychosozialen Tumorberatung nicht von der Prognose sondern von der Hilfsbedürftigkeit abhängig. Bei einer schlechteren Prognose der Erkrankung stehen andere Dinge im Mittelpunkt, die zu klären sind: Wie kann ich meine mir noch verbleibende Lebenszeit möglichst lebenswert gestalten? Wir besprechen dann in der Folge auch, wo der Erkrankte sein Lebensende erwarten möchte. Hier ergeben sich zudem Fragen zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

Machen Sie Hausbesuche?

Ja, vor allem, wenn die körperliche Verfassung eines Patienten es nicht zulässt, in unsere Sprechstunde zu kommen oder zum Beispiel ältere Patienten nicht selbst fahren können.

Was bewegt Angehörige von Krebspatienten, die sich bei Ihnen melden?

Beide Seiten haben Angst und gewisse Hemmschwellen im Umgang miteinander. Der Patient davor, wie es weitergeht, der Angehörige hat Verlustängste. Es ist wichtig, dass Gespräche über die Krankheit in der Familie, im familiären Umfeld stattfinden. Es gibt Angehörige, die mit dem Erkrankten nicht ins Gespräch kommen und deshalb Rat im Umgang mit diesen suchen.

Gibt es finanzielle Hilfen für Krebspatienten?

Ja, es gibt den Härtefonds der Deutschen Krebshilfe. Dabei handelt es sich um eine Einmalzahlung der Deutschen Krebshilfe, finanziert aus Stiftungsgeldern. Es werden Summen zwischen 300 und 700 Euro ausgezahlt, um die aus der Krankheit entstehende zusätzliche Kosten abzumildern.

In besonderen Notsituationen kann man zudem Hilfe beim Bundespräsidialamt beantragen. Dieser "Fonds für Menschen in einer finanziellen Notlage" unterstützt nicht nur Krebspatienten. Die Höhe der Unterstützung ist etwa so hoch wie beim Härtefonds der Deutschen Krebshilfe.

Welche Voraussetzungen müssen für die Hilfegewährung vorliegen?

Eine Zahlung erfolgt bei sehr niedrigen Einkommen wie Hartz-IV, Grundsicherung oder bei niedrigen Renten. Die Einmalzahlung sollte für Medikamente oder für Fahrten zum Arzt verwendet werden. Ich helfe bei der Beantragung.

Sie arbeiten mit schwer kranken Menschen zusammen, erleben viele Schicksale mit. Wie verarbeiten Sie selbst die Erfahrungen aus Ihrer Arbeit?

Es gibt natürlich immer Patienten, zu denen man eine engere Bindung hat. Zum Beispiel Menschen, die allein stehend sind, keine Familie haben und die man intensiver begleitet. In meiner beruflichen Tätigkeit habe ich jedoch nicht den ganzen Tag mit Krankheit oder mit dem Tod zu tun. Ich bin zehn Wochenstunden in der Psychosozialen Tumorberatung beschäftigt, daneben aber zudem 20 Wochenstunden im Jugendzahnärztlichen Dienst. Auch der fachliche Austausch unter Kollegen ist sehr hilfreich bei der Verarbeitung schwieriger Einzelschicksale. Außerdem habe ich einen starken Rückhalt in meiner Familie

Was könnte sich für Sie bei Ihrer Arbeit noch verbessern?

Wünschenswert wäre, im Interesse unserer Patienten, eine intensivere Zusammenarbeit mit allen Institutionen, die mit Krebspatienten arbeiten. Erwähnen möchte ich hier zum Beispiel das Brustkrebszentrum Leisnig, das seine Patientinnen umfangreich über Hilfsmöglichkeiten aufklärt.

Einen großen Beitrag kann jeder selbst leisten, in dem er die vielfältigen, von den Krankenkassen finanzierten Krebsfrüherkennungsuntersuchungen wahrnimmt und natürlich durch eine gesunde Lebensweise.

Interview: Björn Meine

Die Psychosozialen Beratungsstellen im Gesundheitsamt Mittelsachsen - Ansprechpartnerin in der Region Döbeln: Ilka Scharf. Mastener Straße 15, 04720 Döbeln. Telefon: 03431/74-2102. Feste Sprechzeit: mittwochs, 8 bis 15 Uhr. Ansprechpartnerin in der Region Mittweida: Birgit Thalheim. Am Landratsamt 3/Haus F, 09648 Mittweida.Telefon: 03727/950-6252. Ansprechpartnerin in der Region Freiberg: Cornelia Richter. Am Landratsamt 3, 09648 Mittweida. Telefon: 03727/950-6344.

q Die psychosozialen Beratungsstellen für Tumorpatienten und deren Angehörigen informieren Ratsuchende unter anderem über Rehabilitationsmaßnahmen, ambulante Betreuungsmöglichkeiten und Pflegedienste, Pflegegeld und Hilfsmittel sowie über den Schwerbehindertenausweis und finanzielle Beihilfe. Die Beraterinnen unterstützen Betroffene und Angehörige beim Erlernen des Umgangs mit der Erkrankung und den damit verbundenen Ängsten und Belastungen und geben Hilfe zur psychischen und sozialen Stabilisierung. Des Weiteren ist eine Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen und eine Beratung zur Lebensführung möglich. Die kostenfreien Beratungen können über Einzelgespräche mit Angehörigen, über Telefonkontakte, Hausbesuche und Klinikbesuche erfolgen. Zu den Ratsuchenden zählten im vergangenen Jahr 457 Betroffene und 204 Angehörige. Zusammengefasst mit den Anfragen von Ärzten, Pflegeeinrichtungen und Therapeuten wurden insgesamt 1783 Beratungen durchgeführt. Die Beratungen der Betroffenen und Angehörigen erfolgten 137 Mal im Amt. Zudem wurden 394 Hausbesuche durchgeführt, 899 Beratungen erfolgten über Telefonkontakte und 200 über Schriftverkehr.

q Am Standort in Döbeln wurden im vergangenen Jahr 94 Patienten beraten sowie 55 Angehörige und 43 Außenstehende (Kliniken, Sozialdienste, Ämter). Es gab 312 sozialrechtliche Beratungen sowie 158 Beratungen zu psychosozialen Problemen.bm

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