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Döbelner Glocke: Geburt aus Glut und Feuer

Döbelner Glocke: Geburt aus Glut und Feuer

Ein Regen aus leuchtenden Funken, glühende Hitze erfüllt den Raum, und dann, endlich, ein Schwall aus rot leuchtendem Metall: So wird eine Glocke geboren.

Döbeln/Passau.

 

 

 

 

Als die Reisegruppe bei der Glockengießerei Perner eintraf, herrschte dort bereits dichtes Gedränge. Ein Gewirr aus Tschechisch, Bayerisch und noch manch anderen Sprachen erfüllte den schneebedeckten Hof - viele wollten bei dem Großereignis am gestrigen Freitag dabei sein, denn es wurden insgesamt zwölf Glocken gegossen. Nach dem Auskühlen gehen sie nach Rumänien, Slowenien, Tschechien, Polen und natürlich auch nach Döbeln.

"Selbst für uns ist es nicht selbstverständlich, dass wir so viele Glocken an einem Tag gießen", begrüßte Glockengießer Rudolf Perner die Gäste. "Und ganz besonders freuen wir uns darüber, dass heute so viele teils von weit her angereist sind, um bei der Entstehung ihrer Glocke dabei zu sein."

Was die Besucher zu sehen bekamen, war der Höhepunkt eines langen Prozesses. Schon beim Bau der Glockenschablone, der sogenannten Rippe, muss absolut exakt feststehen, welches Gewicht, welche Größe und welchen Klang die Glocke einmal haben wird - Korrekturen im Nachhinein sind praktisch unmöglich. Nach einer Führung vorbei an Ziegelformen, Lehmglocken und Wachsbeschriftungen, die den Döbelnern einen kleinen Einblick verschafften, wie so eine Glocke überhaupt entsteht, ging es dann ins Allerheiligste der Gießerei, die Gießhalle. Brütend heiß war es dort, aus den Öfen loderten die Flammen. Männer, die in ihren Silberanzügen und mit ihren großvisierigen Helmen wirkten, als wären sie einem Science-Fiction-Film entsprungen, setzten ihre ganze Körperkraft ein, um die Metallblöcke in die Glut zu wuchten und zu verrühren. Arbeiter und Besucher kamen ganz schön ins Schwitzen. Erst eine Stunde später konnte es dann wirklich losgehen, denn erst, wenn das Metall die optimale Temperatur erreicht hat, kann der Gussvorgang beginnen. Knisternde Spannung herrschte im ganzen Raum. Und dann floss das Metall: Es brodelte und dampfte, glühte und spritzte - ein wahrlich beeindruckendes Erlebnis.

"Ich hätte nie gedacht, dass es so heiß ist", gestand die zehnjährige Franka Hoyer, die Jüngste aus der Döbelner Reisegruppe. "Mir ist sogar das Handy ausgefallen, weil es die Temperatur nicht ausgehalten hat", ergänzte der 14-jährige Kurt Landgraf. Beide haben für die Reise zwei Ferientage geopfert, und beide haben es nicht bereut. Auch Pfarrer Stephan Siegmund zeigte sich sehr bewegt: "Anfangs steht man nur dabei, aber je länger man in dieser Halle ist, desto mehr fiebert man mit. Gefallen hat mir vor allem auch, wie hier gearbeitet wird. Der Chef ist selbst vor Ort, und im Team arbeiten alle Hand in Hand. Jeder kann sich auf den anderen verlassen, das sieht man. Es ist schön, dass unsere Glocken so entstanden sind."

Wann genau die vier Neulinge in der St.-Nicolai-Kirche angebracht werden können, steht noch nicht fest. Bekannt ist aber: Die schwerste der Glocken wird rund 1500 Kilo wiegen. Ihre Umschrift lautet: "Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind" (Offenbarung, 19,9). Die kleinste Glocke wiegt nur ein Drittel davon und trägt als Verzierung den Taufstein der Kirche und die Inschrift "Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden" (Markus, 16,16). Barbara Osdarty

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