Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Döbelner Grieche sagt: Schuldenerlass ist auch keine Lösung
Region Döbeln Döbelner Grieche sagt: Schuldenerlass ist auch keine Lösung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:39 20.07.2015
Konstantinos Tsarmandtis, Wirt des griechischen Restaurants "Olympia" in Döbeln, sieht die EU in der Pflicht, seinem Heimatland zu helfen. Von einem Schuldenschnitt hält er aber nichts. Quelle: Sven Bartsch
Anzeige

Er habe eine Pension und denke auch über die Anschaffung solcher Markisen nach, begründet er seine fachspezifische Neugier.

Konstaninos Tsarmandtis kann darauf nicht eingehen. Er muss noch die Fleischlieferung abwickeln und seinem Mitarbeiter einweisen. "Ich bin Kneiper, kein Politiker. Ich kann erzählen, wie man Tsaziki macht oder Gyros." Das ist die erste Antwort, die Konstinos Tsamardtis zur Griechenland-Krise gibt. Über die richtige Zubereitung von Oktopus kann der 43-Jährige auch viel Interessantes berichten. Seit 20 Jahren lebt und arbeitet er in Deutschland, zunächst als Angestellter und derzeit als Wirt und Inhaber des griechischen Restaurants "Olympia" an der Straße des Friedens.

Einmal im Jahr fährt er in seine nordgriechische Heimat. In diesem Jahr jedoch nicht, da muss der Olympia-Wirt Umsatzverluste hereinholen, die mit der Flutschutzbaustelle in der unmittelbaren Nachbarschaft zu tun haben. Trotzdem: Konstantinos Tsarmandtis ist froh, in Deutschland zu sein und hier sein Geld verdienen zu können.

"Die Situation in Griechenland ist sehr schlecht. 30 Prozent der Griechen haben keine Krankenversicherung und 40 bis 50 Prozent sind arbeitslos." Das ist die zweite Antwort, die Konstantinos Tsarmandtis zur Krise in seinem Heimatland gibt. Die Armut grassiere, es fehlt ein Sozialsystem. "Die Leute haben ihre Arbeit verloren und können dann die Stromrechnung nicht mehr bezahlen, so wird der Strom abgestellt", berichtet er und erzählt von einem Freund, der seinen gut bezahlten Job verloren. Auch dessen Frau wurde arbeitslos. Die Leute fallen tief. Zum Vergleich: In Deutschland wird keinem Arbeitslosen so schnell der Strom abgestellt und auch aus seiner Wohnung fliegt keiner von heute auf morgen. Auch Arbeitslose sind krankenversichert. Hartz IV ist das Schlagwort für ein hierzulande umstrittenes Sozialsystem. Braucht Griechenland Hartz IV? "Griechenland braucht ein Sozialsystem", sagt der Olympia-Wirt. "Die einfachen Menschen haben das Vertrauen in die Regierung verloren." Den Vertrauensverlust zeige schon, wie häufig die Regierungen wechselten. Europa müsse helfen, sagt Konstantinos Tsarmandtis. Die Schulden dürfe es Griechenland aber nicht erlassen. "Das schlimmste ist, dass die Investoren abgehauen sind. Aber gerade die braucht es, damit Griechenland wieder auf die Beine kommt. Ein Mensch, der keine Arbeit hat, kann auch keine Schulden bezahlen", sagt er.

"Seien wir froh, dass wir in Deutschland leben", verabschiedet sich Konstantinos Tsarmandtis. Er jetzt zum Metro-Großhandel, weitere Waren für sein Restaurant kaufen. Darunter auch Tintenfisch, über dessen Zubereitung der Olympia-Wirt lieber spricht, als über die Krise in seinem Heimatland.

dirk wurzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Bier-Pong-Turnier könnte der Renner beim 42. Mockritzer Parkfest (24. bis 26. Juli) werden. Hört sich erst einmal unspektakulär an, sorgt aber für den ultimativen Spielspaß: Denn "Beer Pong" (auch Beirut genannt, Wurzeln in Griechenland, in den USA weiterentwickelt) ist ein Trink- und Geschicklichkeitsspiel, bei welchem eine Art Ping-Pong-Bälle in Becher geworfen werden müssen.

20.07.2015

.Erst mussten die Klosterbucher zwölf Jahre warten auf den Baubeginn für den Ringdeich, der ihren Ort vor Hochwasser schützen soll. Jetzt stehen die Arbeiten still, die Baumaschinen sind abgezogen.

19.07.2015

Die Kosten der Kinderbetreuung für den Krippenbereich in der Gemeinde Ostrau werden voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahres angehoben. Steigende Personal- und Betriebskosten, Instandhaltungskosten für Malerarbeiten und Fenstereinbauten machen Steigerungen von rund 20 Prozent (20,08 Euro) notwendig.

19.07.2015
Anzeige