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Döbelner Luther so standhaft wie vor 500 Jahren

Rückkehr auf seinen Sockel Döbelner Luther so standhaft wie vor 500 Jahren

Passend zum 500-jährigen Reformationsjubiläum schwebte gestern wieder die 630 Kilogramm schwere Bronze-Statue von Martin Luther auf dem Döbelner Lutherplatz ein. Die restaurierte und eingewachste Figur steht auf einem ebenfalls sanierten Sockel aus Porphyr.

Jakob Seidler (gespielt von Hans Mühler) und Katharina von Bora (Irina Schädlich) moderierten gestern die Rückkehr des restaurierten Lutherdenkmals in Döbeln.

Quelle: Gerhard Dörner

Döbeln. „Mein Doblyn lob ich mir. Das ist ein mutig Ort. Darauf mein Lutherwort.“ Passend zum 500-jährigen Reformationsjubiläum stand am Freitag Martin Luther höchst selbst auf dem Döbelner Lutherplatz, um zuzuschauen wie sein Denkmal wieder auf seinen Porphyrsockel gehoben wurde. Schauspieler Norbert Hein spielte am Vormittag den Reformator, begleitet von Döbelns Standesbeamtin Irina Schädlich als seine Gattin Katharina von Bora. Hans Mühler war in die Kleider und die Rolle des Lutheraners Jacob Seidler geschlüpft, der zur Reformationszeit in Döbeln predigte. Die Döbelner hatten zuvor den Ablassprediger Tetzel aus der Stadt gejagt und ließen den Lutheraner mit Genehmigung des Rates in Rathaus Predigen, weil er nicht in die Kirche durfte.

Der kleine Geschichtsexkurs der drei Darsteller war am Freitag die Einführung zur feierlichen Rückkehr des Lutherdenkmals nach Döbeln. Im April hatten die Restauratoren der Firma Ostmann und Hempel aus Wilsdruff das 630 Kilogramm schwere Denkmal abtransportiert, um den bronzenen Luther zu baden und vom Staub und Schmutz der letzten Jahre zu befreien. „Restaurieren heißt aber nicht neu machen“, betonte Restaurator Uwe Ostmann. So wurde eine Verletzung, die der Döbelner Bronzeluther von einem Hamburger Schrottplatz davontrug, nur verarztet und gesichert. Sie gehört aber auch zur spannenden Geschichte des Denkmals.

Denn der Döbelner Luther wurde nun schon zum dritten Mal in den letzten 115 Jahren aufgestellt. Zum 400. Geburtstag des Reformators wurden am 11. November 1883 auf dem Döbelner Lutherplatz vier Eichen aus den Lutherstädten Wittenberg, Eisenach, Eisleben und Erfurt gepflanzt. Damals entstand der Wunsch nach einem Lutherdenkmal. Das wurde 1902 eingeweiht. Doch die Nazis demontierten den Döbelner Luther 1942 und wollten die Bronze einschmelzen und für die Rüstungsproduktion nutzen. Das Denkmal blieb verschont und war 17 Jahre verschollen, bis es vom Sohn des damaligen Döbelner Pfarrers 1959 auf einem Hamburger Schrottplatz wiederentdeckt wurde. Trotz des kalten Krieges und des Mauerbaus im August 1961 gelang es durch Kontakte der Kirchgemeinden das Denkmal 1961 wieder nach Döbeln zu holen. Gabriele Dettmer, damals Wagner, ist die wahrscheinlich einzige Döbelnerin, die das Lutherdenkmal zweimal einschweben sah. „Ich habe 1961 bei der Wiedereinweihung des zurückgekehrten Lutherdenkmals als damals 13-Jährige in der Kurrende gesungen“, erinnert sie sich. Jetzt steht Martin Luther wieder frisch saniert auf einem restaurierten Sockel in Döbeln, so standhaft wie vor 500 Jahren, den Blick in Richtung Rom gerichtet.

Döbelns evangelischer Pfarrer Stephan Siegmund dankte der Stadtverwaltung für die Sanierung des Denkmals. Er erinnerte aber auch daran, dass diese Restaurierung „kein Dienst für eine religiöse Minderheit“ sei, sondern die Reformation eine gesamtgesellschaftliche Errungenschaft nicht nur für die Christen sei. So forcierte Luther die Gründung öffentlicher Schulen und Bildung für alle Menschen als Dienst am Gemeinwohl. Auch für die Freiheit des Einzelnen war die Reformation bedeutsam. Weil Luther den freien Christenmenschen predigte, der niemandem außer Gott Untertan sei, so der Pfarrer.

Hintergrund

11 000 Euro kostete die Restaurierung des Döbelner Lutherdenkmals. Dafür bekam die Stadt Döbeln eine 75-prozentige Förderung aus dem Förderprogramm „Brücken in die Zukunft“. Neben der Restaurierung der bronzenen Figur wurde auch der Sockel von der Döbelner Steinschmiede Schmidt und Wiede restauriert und mit neuer Goldschrift versehen.

Mit der Rückkehr des Denkmals wurden zudem gestern auch drei neue Tafeln des „stummen Stadtrundgangs „ durch Döbeln an der Nicolaikirche angebracht. Sie erzählen Besuchern die Geschichte der Nicolaikirche, der vor der Kirche ausgestellten Glocken und des Lutherdenkmals.

Von Thomas Sparrer

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