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Döbeln Döbelner Notenarchiv wird aufgearbeitet
Region Döbeln Döbelner Notenarchiv wird aufgearbeitet
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15:24 28.09.2018
Musikwissenschaftler Mirko Gauss präsentiert den Mitgliedern der Stiftung Mittelsächsisches Theater Noten aus dem Archiv des Döbelner Theaters, das im Jahr 2002 beim Hochwasser im Keller des Hauses zu Schaden gekommen war. Quelle: Foto: M. Engelmann-Bunk
Freiberg/Döbeln

Als im Jahr 2002 das Jahrhunderthochwasser Döbeln heimsuchte, lagerten im Keller des Theaters der Stadt unzählige Notenwerke und gingen in den Fluten unter. Damals schnell umgelagert, provisorisch getrocknet und so gerettet, wurde vor drei Jahren damit begonnen, das Notenarchiv zu sichten und aufzuarbeiten. Beauftragt damit ist der Musikwissenschaftler Mirko Gauss, finanziert wird seine Arbeit mit Mitteln der Stiftung Mittelsächsisches Theater. Die feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Vor dem Stiftungsrat im Freiberger Theater präsentierte Mirko Gaussgestern Ergebnisse seiner Arbeit.

Rund 5000 Notenwerke sind zu sichten

Bis dato, so schätzt Mirko Gauss, hat er etwa ein Drittel des Bestandes so gesichtet und sortiert, dass er nutzbar ist. Zwischen 4000 und 5000 Notenwerke umfasst das Archiv des Döbelner Theater. Auch das ist eine Schätzung, denn genau kann der Musikwissenschaftler erst am Ende sagen, wie viele Werke durch seine Hände gegangen sind. Die Arbeit ist aufwändig und zum Teil schmutzig. „Ich möchte gar nicht wissen, was das Hochwasser alles zwischen den Blättern hinterlassen hat.“ Zum Teil sind die Noten stark verklebt, Schimmelpilz verschiedenster Art hat sich ausgebreitet. Vergangenes Jahr hat Mirko Gauss die Noten aus dem Raum, in dem sie nach dem Hochwasser abgelegt worden sind, umgelagert, um sie von Schmutz und Feuchtigkeit zu trennen. Jetzt befinden sie sich aufgeteilt auf zwei Räume und werden weiter sortiert. Zwar habe es eine Liste gegeben, was theoretisch alles da sein müsste. „Doch die Frage ist ja auch, ob man sich auf die Angaben verlassen kann.“ Deshalb wird alles systematisch in einer Exel-Datei erfasst: Titel, Komponisten, und auch die Besetzung, also, für wie viele Musiker die Werke geschrieben sind. Das ist hilfreich zum Beispiel für Zeiten, in denen durch Krankheit viele Musiker im Orchester ausfallen und man schauen muss, welche Werke alternativ gespielt werden könnten. Das, so Gauss, mache neben dem ideellen Wert des Notenarchives einen wirtschaftlichen Aspekt aus.

Intendant Ralf-Peter Schulze bestätigte, dass bereits auf den sortierten Teil des Notenarchivs zugegriffen wurde, etwa bei der Suche nach Stücken für das Salonorchester. „Dass das möglich ist, ist das Ergebnis intensiver Arbeit.“ Er freute sich sehr, von Landrat Matthias Damm zu hören, dass das Projekt auch weiterhin gefördert wird. Bis Ende des Jahres, schätzt Mirko Gauss, könnten 70 Prozent der Noten gesichtet sein. Er hat sich auch schon Gedanken über eine weitere Aufwertung des Döbelner Notenarchivs gemacht. Beispielsweise könne man original Einspielungen als Belegexemplar zu den Notenwerken legen. „Das wäre für Döbeln dann ein Alleinstellungsmerkmal.“

Mit bürgerlichem Engagement Theaterarbeit unterstützen

Seit zehn Jahren entscheidet der Stiftungsrat der Stiftung Mittelsächsisches Theater über die Förderung von Projekten am Mittelsächsischen Theater. Rechtsanwalt Wolfgang Barran aus Frauenstein ist einer der Mitbegründer der Stiftung, die unabhängig von staatlicher Förderung dem Theater als starker Partner zur Seite steht. „Entscheidend ist, dass es Leute gibt, die bereit sind, mitzumachen“, sagte Barran zum Erfolg der Unternehmung, die mit einem Startkapital von 50 000 Euro, zur Verfügung gestellt von hauptsächlich Freiberger Unternehmen, vor zehn Jahren ihre Arbeit aufgenommen hat. Seither sind viele Stifter und Spender dazu gekommen.

Für Landrat Matthias Damm, der zum Stiftungsrat gehört, steht die Stiftung für bürgerliches Engagement. „Privatpersonen und Unternehmen haben Mittel zur Verfügung gestellt für das Theater, für eine Institution, die tief mit der Region verwurzelt ist und ein Identifikationsmerkmal darstellt“, so Damm. Zahlreiche Künstler wurden hierüber unterstützt und mehrere Projekte überhaupt erst ermöglicht. Intendant Ralf-Peter Schulz dankte im Namen des gesamten Theaters dafür: „Die Stiftung ermöglicht uns die Kür, inhaltliche Ausflüge, die nicht im Spielplan stehen und über das normale Budget abgedeckt werden könnten.“ Das Tandem-Projekt 2010, die Kammerkonzerte in den Jahren 2014/15, die Produktion einer Konzert-DVD oder der Kooperationsaufenthalt des amerikanischen Musikprofessors und Dirigenten William Reber gehören unter anderem dazu. Für 2019 steht unter anderem das Bürgertheater in Döbeln auf der Projektliste der Stiftung, genauso wie die Kammerkonzerte der Philharmonie.

Von Manuela Engelmann-Bunk

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