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Döbeln Döbelner Pferdebahn erklingt bald in Amsterdam
Region Döbeln Döbelner Pferdebahn erklingt bald in Amsterdam
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16:36 22.07.2012
Mario Lommatzsch (2.v.l.) lenkt seinen Elko über den Niedermarkt, die Tontechniker Arnoud Traa (3.v.l.) und Max Frick (r.) zeichnen das Hufgetrappel auf historischem Pflaster mit sensibelster Technik auf. Das, was Arnoud Traa auf den Ohren hat, sind keine Kopfhörer, sondern Mikrofone. Quelle: Sven Bartsch

Arnoud Traa ist am Wochenende im Auftrag der Universität Maastricht nach Döbeln gekommen - zusammen mit seinem Assistenten, dem Sounddesigner Max Frick. Traa arbeitet an einer Klanginstallation, die später einmal im Historischen Museum Amsterdam zu hören sein soll. Sie ist im weiteren Sinne Teil einer Doktor-Arbeit, die sich damit beschäftigt, wie sich der Klang einer Stadt von 1895 bis heute verändert hat.

Der Museums-Besucher sieht sich später einmal vor drei verschiedenen Bildern des Amsterdamer Damplatzes, jeweils aus der selben Position, aber immer in einem anderen Jahr: 1895, 1935 und 2012. Über die Klanginstallation wird er auch akustisch in diese Jahre versetzt. Alles soll historisch korrekt und authentisch klingen.

20 Geräusche steuert Arnoud Traa bei - eines davon ist eine Pferdebahn, die damals auch in Holland fuhr. In ganz Europa gibt es keine funktionierende Pferdebahn mehr, die in einer annähernd ähnlichen Kulisse unterwegs ist wie einst am Amsterdamer Damplatz. Nur in Döbeln. Am Niedermarkt stimmt alles, freuen sich die beiden Klangexperten: das historische Pflaster, die Schienen. Und dann dieses Quietschen, wenn Kutscher Mario Lommatzsch mit Elko in die Kurve geht - herrlich. Die Schallverhältnisse haben Arnoud Traa und Max Frick bereits am Sonnabend getestet: Sie standen auf dem Niedermarkt und klatschten in die Hände.

Am Sonntag testen die Tonleute vor dem Pferdebahnmuseum erst die richtige Aufnahmedistanz, dann geht es auf den Niedermarkt. Dass hier gerade nicht viel los ist, ist wichtig für eine authentische Aufnahme, verrät Max Frick. Denn Störgeräusche der Moderne lassen sich im Nachhinein nur bedingt herausfiltern. Sächsisch plaudernde Passanten würden den Amsterdamer Museumsbesucher sicher auch ein wenig irritieren. Pferdebahnvereinschef Uwe Hitzschke läuft von einer Ecke des Marktes zur anderen, erklärt Autofahrern, dass sie sich bitte etwas gedulden sollen. Zu laut auftreten darf er dabei nicht - die hochempfindlichen Aufnahmegeräte würden das registrieren, und Schuhe von heute klingen auch anders als 1895.

Für Arnoud Traa, der sonst in der Tonbearbeitung von Filmen und Hörspielen tätig ist, ist die Aufgabe etwas Besonderes. Und die authentische Aufzeichnung einer historischen Pferdebahn ist nicht die letzte Herausforderung: Der 35-Jährige weiß noch nicht, wie er den Eisverkäufer mit seiner alten Holzkarre auf dem Damplatz akustisch in Szene setzen soll. Überzeugende Stimmen von Original-Amsterdamer Marktverkäufern fehlen auch noch.

Da kann Döbeln leider nicht helfen. Auf jeden Fall aber freut sich Pferdebahnchef Hitzschke, dass Besucher des Historischen Museums in Amsterdam bald auch ein bisschen Sachsen mit auf die Ohren kriegen. Björn Meine

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