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Döbelner Pferdebahn startet in die Saison

Petrus war gnädig Döbelner Pferdebahn startet in die Saison

Der Saisonstart der Döbelner Pferdebahn ist geglückt. Bei bestem Wetter zog Wallach Elko die Gäste am Sonnabend mit Lauffreude durch die Innenstadt. Die Mitfahrer waren aus verschiedenen Teilen Deutschlands angereist und erfuhren viel über die Geschichte der einzig noch aktiven Pferdebahn Deutschlands.

Die Mitglieder des Pferdebahnvereins strahlen mit der Sonne um die Wette.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Die Vorfreude war Elko sichtlich anzumerken. Der zwölfjährige Wallach ließ die Döbelner Pferdebahn am Sonnabendvormittag zum Saisonstart pünktlich um 10 Uhr regelrecht durch die Innenstadt fliegen. „Dem macht es Spaß, das sieht man an seinem Ohrenspiel.

Und sonst würde er auch nicht so rennen“, sagte Pferdebahnführer Mario Lommatzsch vom Kutscherhof Ebersbach, der mit Elko seit der ersten Saison vor neun Jahren ein gutes Gespann bildet. „Wenn ich ihn von der Koppel rufe und sage, komm Elko, wir gehen Bahn fahren, da wiehert schon und kommt angerannt“, erzählte er, während Elko auf Höhe des Theaters spontan zum Galopp ansetzte, dass sich die 16 Insassen der Premierenfahrt gehörig festhalten mussten.

Pferdebahn wurde aus Meißen importiert

Am anderen Ende des Bahnwagens stand Uwe Hitzschke, Chef des Traditionsvereins Döbelner Pferdebahn, und erzählte den Gästen – nein, keinen vom Pferd – sondern allerlei Wissenswertes rund um die einzig verbliebene Pferdebahn Deutschlands. Zum Beispiel, dass der Wagen, der kein Döbelner Original ist, sondern aus Meißen „importiert“ wurde, alle zwei Jahre zum Tüv muss und auf dessen Wunsch auch über moderne Scheibenbremsen verfügt.

Jeden ersten Sonnabend im Monat fährt die Pferdebahn nun wieder bis Oktober. „Und wir haben in den ganzen neun Jahren fast immer trockenes Wetter an unseren Fahrtagen“, freute sich Hitzschke, der daraus schließt: „Petrus ist ein Pferdebahnfan!“ Dazu ist die Bahn schon seit Februar auf allerlei Sonderfahrten unterwegs, auch wenn es dann im gegensatz zum Wochenende recht kühl auf dem Wagen wird. „So lange die Gleise nicht gefroren sind, können wir fahren. Wir bieten sogar Glühweinfahrten in der Adventszeit an“, berichtete Hitzschke.

Vor 90 Jahren fuhren 300 000 Gäste pro Jahr mit der Bahn

Bis zu 2000 Gäste pro Jahr hat die Pferdebahn – ein großer Erfolg für den Verein, auch wenn einst vor 90 Jahren, als die erste Bahn eingestellt wurde bis zu 300 000 Gäste pro Jahr kamen. Dafür fahren heute auswärtige Gäste als Döbelner mit. Klaus Hünderfeld aus Renningen bei Stuttgart war extra für das verlängerte Wochenende nach Sachsen gekommen, um alte Bahngeschichte live zu erleben. „Wir waren schon in Mügeln und sind mit dem Wilden Robert gefahren und jetzt hier. Das ist sehr interessant, gerade die technische Geschichte der alten Bahn. Schade, dass es nicht mehr bis zum Hauptbahnhof geht“, sagte er.

Das wird wohl auch so bleiben. Eine Verlängerung der Strecke strebt der Verein in die andere Richtung an. „Wir würden gern um 100 Meter bis zum Lutherdenkmal verlängern. Aber das kostet 70 bis 80 000 Euro und wir wissen nicht, wie wir das aufbringen sollen“, sagte Hitzschke. Zumindest Elko wäre schon jetzt bereit für die längere Strecke.

Hintergrund

Die Pferdebahnsaison in Döbeln ist eröffnet. Ab jetzt bis Oktober gibt es jeden ersten Sonnabend einen öffentlichen Fahrtag von 10 bis 17 Uhr. Der nächste Termin ist der 4. Juni

Die originale Döbelner Pferdebahn fuhr 1892 bis 1926 vom Hauptbahnhof bis ins Zentrum rund 2,5 Kilometer, bevor auf den Omnibus umgestellt wurde. Mehrere Wagen fuhren von 5.30 bis 23.30 Uhr täglich jede halbe Stunde und beförderten 200 000 bis 300 000 Gäste pro Jahr. Zum Ausweichen gab es drei Haltebuchten mit rund 15 Meter langen Gleisen.

Nach der Schließung der Bahn wurden die Wagen an Privatleute verkauft, die diese als Gartenlauben nutzten, weshalb heute kein Döbelner Wagen mehr erhalten ist.

Von Sebastian Fink

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