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Döbelner Stiefel: 87-Jähriger ohne hängende Schultern

Döbelner Stiefel: 87-Jähriger ohne hängende Schultern

Der Gang gebeugt, der Rücken krumm - im hohen Alter ist mancher Mensch kleiner als in seinen besten Jahren. Das war auch beim Döbelner Riesenstiefel so.

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Dank des nagelneuen Skelettes aus Aluminium in seinem Inneren lässt der 87 Jahre alte Döbelner Riesenstiefel nach seiner Restaurierung nicht mehr die Schultern hängen. Restauratorin Beate Rieß (Foto) und ihre Kollegin Stephanie Schonnop machen den 3,70-Meter-Riesen gerade wieder flott. Doch er passt künftig nicht mehr in den Rathausflur.

Quelle: W. Sens

Döbeln. "Nein wir haben den Riesenstiefel nicht gestreckt und wir wollen auch keinen Guinessbuch-Rekord aufstellen", sagt Lederrestauratorin Beate Rieß lachend. Der Stiefel habe nach der aufwändigen Restaurierung mit 3,70 Meter nun wieder seine Originalgröße von 1925. Nicht mehr und nicht weniger. In den letzten Jahren war er allerdings zusammen gerutscht, hatte so zusagen die Schultern hängen lassen.

"Das alte Holzgerüst, das den Stiefel im Inneren stützte war defekt und bei vergangenen Wartungen wahrscheinlich ein wenig lieblos eingesetzt worden", vermutet Beate Rieß. Das Skelett im Stiefel ist seit der Restaurierung komplett neu. "Das neue Aluminiumgerüst ist eine richtige tolle Arbeit der Maschinenbaufirma Nöma in Masten", schwärmt Beate Rieß. Dank diesem ist das Leder nun wieder straff und der Stiefel von 3,40 auf 3,70 Meter gewachsen. Das hat allerdings zur Folge, dass der Riesenstiefel nicht mehr im Flur im zweiten Obergeschoss des Rathauses ausgestellt werden kann. Die Deckenhöhe beträgt hier zwar 3,84 Meter. Doch beim Aufstellen des liegenden Stiefels über die Ränder werden mindestens 3,92 Meter benötigt. Sonst quetscht man den gerade restaurierten Stiefel mit Gewalt und Striemen unter die Decke.

Deshalb wird das Original künftig im Rathaussaal einen neuen Platz bekommen. Auf einer Unterlage aus Sisal und Filz wird er in der Ecke vor dem Oberrang des Saales aufgestellt. Die Firma Nöma hat hier eine kleine Halterung gebaut, an der der Stiefel befestigt und vor dem Umfallen geschützt wird. Damit vom Oberrang im Rathaussaal nichts in den Stiefel geworfen werden kann, bekommt er eine Abdeckung. Ebenso wird es eine kleine Umzäunung aus Edelstahl geben. Auch farblich hat sich der Riesenstiefel verändert. Die rote Schuhcreme, mit der er in der Vergangenheit gepflegt wurde, war viel zu dick aufgetragen worden. "Weniger wäre hier mehr gewesen. Aber das ist der heutige Stand des Wissens. Man kann den Stiefel-Pflegern von einst deshalb keinen Vorwurf machen", sagt Beate Rieß.

Die irgendwann einfach aufgeschnittene und später mit Presspappe verschlossene Absatzsohle wird gerade mit einem sieben Millimeter dicken und brettharten Stück Rindsleder nach Originalvorbild verschlossen. Vorher werden die beiden kleinen Geheimkammern in der Sohle noch in dieser Woche mit Zeitungen von heute, Fotos und Unterlagen zum Original Döbelner Riesenstiefel befüllt. "Er ist ein echtes Meisterstück sächsischer Handwerkskunst mit viel Aufwand und handwerklicher Präzision sitzt hier jede Naht und jede Schlaufe. Und das verwendete Leder ist von höchster Qualität", schwärmt die Dresdner Lederrestauratorin.

1925 hatte Ferdinand Reichel, der Obermeister der Döbelner Schuhmacher-Innung, die Idee, zum 600-jährigen Jubiläum der Innung einen Riesenstiefel zu bauen. Von Januar bis August 1925 baute Reichel den Stiefel mit sechs weiteren Schuhmachermeistern der Region und stellte ihn erstmals zur Fachausstellung im August 1925 aus. Der Döbelner Riesenstiefel wurde zur Berühmtheit. Seine Maße: Sohlenlänge 190 Zentimeter, Sohlenbreite 73 Zentimeter, Absatzlänge 45 Zentimeter, Schafthöhe fünf Meter, Schafthöhe heruntergekrempelt 3,70 Meter, Stulpenumfang oben fünf Meter.

Thomas Sparrer

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