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Döbelner Tanzfest knackt alle Rekorde

Döbelner Tanzfest knackt alle Rekorde

Im Wettkampf um Bestnoten bei Präsentation, Musikalität, Technik und Choreografie traten beim 23. Döbelner Tanzfest 76 Tanzgruppen aus 26 Vereinen und Institution an.

Döbeln.

8.45 Uhr. Rund um die Döbelner Stadtsporthalle werden die Parkplätze knapp, Familien mit Kindern an der Hand eilen in Richtung Eingang. Die Treppe in der großen Halle quillt von vorwiegend kleinen Mädchen in schicken Kostümen, mit Requisiten unterm Arm über. In Grüppchen, aufgeregt schnatternd, die "Konkurrenz" mit den Augen Maß nehmend, warten sie auf den großen Einmarsch in die "Wettkampfarena". Noch einmal wird eine Schleife festgesteckt, ein Kostüm zurechtgerückt oder ein wenig Lidschatten aufgetragen. Trainerinnen und Mütter legen letzte Hand an ihre "Eleven" an. Selten sind so kunstvolle Flechtfrisuren wie an diesem Tag auf einem Fleck zu bestaunen. 9 Uhr. Der Einmarsch zur Vormittagsveranstaltung mit Musik aus der Konserve ist erfolgt. Fünf Startgruppen mit Tanzformationen aus Vereinen, Institutionen, Grundschulen und Jugendklubs sowie einer Bauchtanzgruppe stehen im Karree. Mit "Let's Dance!" eröffnet wenig später Susan Grasselt das 23. Döbelner Tanzfest und 7. Mittelsächsische Tanzfestival. Mit 26 Vereinen und Institutionen am Start, 76 auftretenden Tanzgruppen und 670 Teilnehmern bricht es in diesem Jahr alle bisherigen Rekorde: "Ich bin stolz, dass so viele den Weg in die Stadtsporthalle gefunden haben. Und bedanke mich bei allen Kindern, Trainern, Eltern, Großeltern und Helfern", so die zweite ehrenamtliche Stellvertreterin des Döbelner Bürgermeisters. Die Eröffnung wird mit Rasseln, Pfiffen und starken Applaus aus den Fanblocks auf den Rängen unterstützt. Ununterbrochen blitzen Kameras auf, Handys stehen im Dauergebrauch. Schon jetzt ist kein Sitzplatz mehr zu ergattern, werden auch die Stehplätze an den Geländern rar, viele erhaschen nur Blicke auf einen Ausschnitt der Tanzfläche. Die beste Sicht haben wie im vergangenen Jahr auch die Jurymitglieder Franziska Kopp, Janet Reichardt, Cathrin Orzschig sowie Michael Senf. Und natürlich die Chefin der Wertungsrichter: Evelyn Iwanow: "Als wir hier mit dem Tanzfest begonnen haben, waren viele der heutigen Teilnehmer noch gar nicht geboren. Und wieder haben wir Rekorde geknackt. Das ist unfassbar und eine logistische Meisterleistung, welche nicht ohne die zahlreichen Unterstützer und familiären Helfer zu realisieren ist."

 

9.10 Uhr. Die ersten sechzehn Mini-Tänzerinnen der Crew Hand in Hand (einer Formation der Tanzperlen des Zschopautales Waldheim/Hartha) zeigen "Das ist der Rhythmus, wo ich einfach mit muss" - den Spannungsboden von Klassik bis Dance-Hit. Beifallsstürme aus dem Fanblock danken für die Vorstellung. Obwohl in der Startergruppe 1 der Vier- bis Sechsjährigen weitere kreative Präsentationen gezeigt werden (beispielsweise eine sehr schön umgesetzte Maulwurfgeschichte der Mini-Diamonds) ist diese Crew einfach nicht zu toppen. Schon in der zweiten Startgruppe (1. - 4. Klasse) haben die Schützlinge von Kerstin Hofmann und Jeannette Mann ihren Auftritt. Die Street Dancer des Hortes "Waldspatzen" in Zschaitz schleppen eine Riesenrequisite auf die Bühne: In einer angedeuteten Mauer ist ein Tür, über der "Dance school" steht. Daraus stürmen die Tänzerinnen und bieten zu satten Beats schon richtig coole Hiphop-Elemente, die Gäste in der Halle gehen mit. "Wir sind seit fast einem Jahr dran, seit Frühjahr verstärkt, trainieren einmal die Woche eine Dreiviertelstunde. Die Mädels haben's doch richtig rausgerissen. Die Requisite ist Eigenbau, ein Papa hat die T-Shirts gesponsert. Ja, wir hoffen auf den ersten Preis", so Hofmann. Als gegen Mittag feststeht, dass ihre Tanzgruppe "nur" den dritten Platz ergattert hat, ist der Trainerin die Enttäuschung anzumerken: "Ich weiß einfach nicht, was wir falsch gemacht haben."

 

Coole Moves und tolle Requisiten

 

Die Jury bewertet Tanzdarbietungen in vier Wertungsgruppen - Präsentation (wie wird die Geschichte erzählt), Musikalität (passt die Musik, wird ihr entsprechend umgesetzt), Technik (sauberes Tanzen, werden die Figuren beherrscht) und Choreografie. "Wofür die Tänzer meistens am wenigsten und die Leiter und Trainer oft am meisten können", so Juryvorsitzende Iwanow. Während die Wertungsrichter ihre Noten an das Wertungsgericht Ute Wiesner und Diana Friese (am Vormittag) sowie Simone Wolf und Silvia Müller (am Nachmittag) weitergeben, sorgen kurze musikalische Einspielungen für Abwechslung und die beiden Moderatoren Mathias Otto und Uwe Schmidt für Informationen sowie den zügigen Fortgang der Veranstaltung. Mit Riesenschritten geht es auf Mittag zu, in den nächsten beiden Startgruppen tanzen je zwölf Teams. Eine Herausforderung für die Jury und das Publikum auf den hölzernen Sitztraversen. Man hat den Eindruck, es wird ruhiger in der Halle. Das Publikum, so scheint es, hat sich eingesehen und würdigt nur noch dort, wo ordentlich Power und Idee dahinter steckt. Wie beispielsweise bei der Tanzcrew Augenblick mal! (einer Abteilung der Tanzperlen des Zschopautals Waldheim/Hartha), welche die sehr peppige und doch kindgerechte Golfspiel-Nummer "Handicap" tanzen. Begleitet von Fangejohle, Rasseln und Jubelstürmen. Sehr gelungen umgesetzt in top-passenden Kostümen - zu recht Sieger! Und eine Augenweide, wie der wunderbare Kindershowtanz "Bling Bling" von den Bumble Bee's des TSV Kitscher (belohnt mit dem 2. Rang).

 

Mit sechs eigenen Tanzformationen ist aus dem Nachbarkreis Nordsachsen das Tanzstudio Vitalio aus Oschatz zum zweiten Mal angereist. "Die Kinder sind sehr aufgeregt. Es geht uns erst einmal um die Teilnahme und den Spaß. Die Kinder schauen, wo sie selbst stehen, wie die anderen das machen", erklärt Trainerin Doreen Kunze. Auch wenn es schließlich nicht für einen Pokal gereicht hat, ist Vitalio-Chefin Ines Schurig zu frieden und froh, die Herausforderung mit sechs Teams anzutreten, gemeistert zu haben. Kurz vor 13 Uhr meistern unterdessen auf der Tanzfläche die Jungs und Mädchen auch unschöne Überraschungen: Da fliegt ein Schleier weg, dort löst sich ein Hosenträger und bei einem "Dance Chix" (erreichen trotzdem Rang 2) löst sich verfrüht die Über-Hose einer der Hiphopperinnen. Für sie wird der Titel "Dance to be alive" fast sprichwörtlich, während das Publikum mitfiebert und teilweise mit der Hand vor dem Mund staunt, wie die Jugendliche die Situation bewältigt. Am Ende der Wettbewerbe am Vormittag vergibt die Jury schließlich einen Sonderpokal für ganz besondere Leistungen: Er geht an die Caddy Kids des Rock'n'Roll Club Caddy. Begründung: Dem Verein gelingt es, seine Jungs für den Paartanz bei der Stange zu halten.

 

Bestens im Zeitplan geht es in die Mittagspause. 15 Uhr. Das Gedrängel in der Halle ist unverändert, nur sind wesentlich mehr Jugendliche unter den Zuschauern als vorher. Bürgermeister Hans-Joachim Egerer startet den zweiten Block des Tanzfestes: "Und wieder haben wir volle Ränge, die Halle platzt aus den Nähten. In diesem Jahr verzeichnen wir wohl auch einen Besucherrekord. Den Gästen wünsche ich ausreichend Sitzfleisch, den Teilnehmern: Möge der Beste gewinnen." Für die richtige Einstiegs- und Stimmungsmusik sorgt jetzt der Fanfarenzug des Carnevalclubs Muldenschiffer aus Westewitz.

 

Und Tänzerin Lea aus Riesa wird 16 Jahre alt. Das ist den Moderatoren nicht entgangen, es gibt ein kleines Geschenk, Gratulationen und einen zünftigen Geburtstagstusch. 15.45 Uhr. Und schon befindet sich der Wettkampf im vollen Gange. Auf dem "grünen Teppich" neben der blauen Tanzarena hocken die "Gegner" neben befreundeten Teams. Es wird geklatscht, gejohlt oder gelästert: "Man, sind die langweilig", ist da auch schon mal zu hören. Da begutachten die Mädchen kritisch die Kostüme und Figuren der Bauchtänzerinnen oder üben Spagat, Rad sowie Handstandüberschlag. Das Gelingen freut die einen und beunruhigt die anderen.

 

Jimmys Gang - Sieger der Herzen

 

Die Jury muss noch ein mal ihre Punkte in sechs Startergruppen mit weiteren 36 Tanzgruppen vergeben. Die Qualität der einzelnen Tanzcrews wie am Vormittag - von gut bis herausragend frisch und anders, manch ein Überflieger sticht heraus. Dramatisch und auffallend verschieden zeigt sich beispielsweise der Blizzard-Vortrag (Kinder- und Jugensportclub Döbeln), der sich des Themas "Liebesbriefe im Krieg" angenommen hat. Beim Vortrag von ResisTanz-Stück "Jimmys Gang" - einer außerordentlich toll umgesetzten Ganoven-Story tobt die Halle. Das Publikum steht geschlossen hinter dieser Performance, der Applaus ebbt kaum ab. Die Hobby-Gauner müssen sich einzig den "Mieder-Mädels" der Live Dancer (Tanzstudio "Live" aus Riesa) und ihrem "Cell Block Tango" geschlagen geben.

 

19.48 Uhr. Die Halle beginnt sich zu leeren. Organisatorin Angela Petzold (Kulturamt der Stadt Döbeln) ist nach dem Tanz-Marathon erleichtert: "Alles ist gut gelaufen. Das Zusammenspiel des gesamten Teams hat es vollbracht. Ich bin wie jedes Mal begeistert."

 

Insgesamt 85 Teilnehmer hatten sich angemeldet. 76 gingen nach Absagen schließlich an den Start. "Mit 75 bis 80 Teams haben wir das Maximum erreicht. Zur Stadtsporthalle gibt es keine Alternative. Außerdem bringen wir nicht nur Gäste in der Halle unter, sondern müssen auch Garderoben für die Teams stellen", so Petzold weiter. Sollten die Anmeldezahlen weiter steigen, muss über Begrenzungen nachgedacht werden. Aber so weit ist es noch nicht. Jetzt heißt es: Nach dem Tanzfest ist vor dem Tanzfest. Am 7. November 2015 geht's in die nächste Runde.

Natasha G. Allner

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