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Döbelner Theater nach Umbau nie wieder im Dunkeln

Döbelner Theater nach Umbau nie wieder im Dunkeln

Seit Baubeginn berichtet die DAZ wöchentlich von den Fortschritten im Döbelner Theater. Nun haben wir uns mit Manfred Decker zu einer größeren Baustellenvisite getroffen - und haben Erstaunliches entdeckt.

Döbeln.

 

 

 

 

Wo Neues entsteht, da verschwindet Altes: 70 Container Bauschutt haben die Handwerker aus dem Gebäude gekarrt, seitdem die Arbeiten im März vergangenen Jahres begonnen hatten. Zuerst wurden damals Stühle und Technik demontiert, Scheinwerfer und Mikrofone eingemottet. Dann ging es mit dem Abriss los. Seitdem ist viel passiert.

Das Foyer zum Beispiel sieht schon wieder aus wie vorher, obwohl dort bis zum Sommer noch die gesamte Decke aufgerissen war. Die ersten richtigen Bauarbeiten gingen an der Unterbühne los. Dort wurde alles für die Vergrößerung des Orchestergrabens vorbereitet - und für den Einbau der Sprühflutanlage. Das ist neu. Die Vorschriften verlangen, dass für die Erstbekämpfung im Brandfall genügend Wasser da ist. Die Mulde kam als Reserve nicht in Frage, weil sie nicht immer genügend Wasser führt. Deshalb gibt es nun ein Bassin in der Unterbühne, das problemlos auch als kleiner Pool durchgehen würde.

Das Bassin besteht aus wasserdichtem Spezialbeton und ist von innen mit Wasserglas ausgestrichen. Die Wände des Behältnisses sind ebenfalls eine besondere Anfertigung, denn durch Schall oder andere Einflüsse von außen darf das Wasser nicht in Bewegung geraten oder gar Wellen schlagen. Damit nichts fault, kommt außerdem ein Deckel obendrauf. Das Orchester steht später teilweise auf dem Löschwasserbassin sowie auf einer neu eingezogenen Zwischendecke.

Der Speicher fasst rund 33 Kubikmeter Wasser, die im Ernstfall innerhalb von vier Minuten über die Sprühflutanlage ins Innere des Theaters gepumpt werden. Decker hat davor Respekt und auch ein wenig Angst, räumt er ein. Denn selbst wenn es viele Sicherungen gibt: Hundertprozentig ausschließen kann man nicht, dass die Anlage einmal wegen eines Fehlalarms ausgelöst wird. Während einer Vorstellung wäre das nicht das Problem, weil bei jeder Vorführung ohnehin zwei Feuerwehrleute vor Ort sein müssen. Wenn die Anlage aber nachts auslöst und niemand vor Ort ist, könnte im schlimmsten Fall die ganze Bühne absaufen.

Betroffen wäre dann auch die Elektrik darunter. Und die ist gewaltig. Der Notstrom-Akku im Keller sieht aus wie 100 hintereinander geschaltete Autobatterien, der Umformer, der den Gleichstrom aus den Batterien in Wechselstrom umwandelt, ist ein riesiger Apparat.

Während der Arbeiten an einem älteren Haus gibt es immer Überraschungen - so auch beim Döbelner Theater. "Beim Ausschachten haben wir festgestellt, dass das Bühnenhaus kein Fundament hatte." Deshalb gab es ringsrum eine neue Betonfassung. "100 Quadratmeter im Haus haben ein neues Fundament bekommen", berichtet Manfred Decker. "Das war gar nicht so einfach."

Während der Arbeiten stellte sich zudem heraus, dass die Rang-Bewehrung kaputt war. Sie wurde abgehackt und erneuert. Die neue Rang-Brüstung wird wegen strengerer Sicherheitsauflagen 20 Zentimeter höher als die alte sein. Der Tüv will das so. Nicht auf dem neuesten Sicherheitsstand war auch die Decke, die teilweise aus Strohgeflecht bestand und weggerissen werden musste. Unter der neuen Decke wird ein Kronleuchter installiert, der mittels Technik an einem Seil hoch und runter bewegt werden kann. Die dreistufige Lampe hat zwei Meter Durchmesser und ist 60 Zentimeter hoch.

Zurzeit laufen die Arbeiten im Zuschauerraum: Trockenbauarbeiten zur Wandverkleidung, die Heizkörper werden installiert und die Türen erneuert. Die Treppenhäuser bekommen eine neue, frische Farbe - die selbe wie im Foyer.

Frisch ist ein gutes Stichwort. Denn auch wenn es auf der Bühne manchmal heiß hergeht: Der Gast soll sich wohl fühlen in einem ideal temperierten Haus. "Wir tun sehr viel dafür, dass der Zuschauer einen ungetrübten Theaterbesuch genießen kann", erklärt Manfred Decker. Noch in diesem Monat wird im neuen Zuschauerraum ein Doppelboden eingebaut. Das ist nötig, weil eine Lüftungsanlage installiert wird, die bis unter jeden Sitz reicht. Einen Luftaustausch gab es im alten Haus auch. "Aber bisher haben wir nur von außen angesaugt, gereinigt und eingeleitet. Jetzt können wir die Luft vor dem Einleiten auch kühlen." Durch den Doppelboden sitzen die Zuschauer künftig übrigens 20 Zentimeter höher. "Für die Zuschauer wird es komfortabler", sagt auch Musikdramaturg Dr. Christoph Nieder, "mehr Platz und bessere Belüftung."

Für eine noch ausgefeiltere Akkustik erhält der Tontechniker einen Arbeitsplatz hinter den Zuschauern, den er alternativ zum weiterhin vorhandenen Beleuchtungs- und Technikraum nutzen kann. Auch aus künstlerischer Sicht ein Vorteil, sagt Christoph Nieder, vor allem für die Aussteuerung bei Musicals. Nieder sieht ansonsten in der Vergrößerung des Orchestergrabens einen wesentlichen Pluspunkt. "Das ist nicht nur für den einzelnen Musiker bequemer, sondern wir können zugunsten des Klangs auch mit mehr Streichern spielen."

Als nächstes erhält die Bühne neue Elektronik. Anfang Februar wird die Sprühflutanlage installiert. "Wir hoffen, dass wir im Februar mit den Malerarbeiten im Zuschauerraum beginnen können", erklärt Manfred Decker. Wenn alles so läuft, wie geplant, dann steht einer Wiedereröffnung zur Spielzeit 2012/2013 nichts mehr im Wege, voraussichtlich im September. Björn Meine

Freitag, 6. Januar, 20 Uhr: Neujahrskonzert im Tanzhaus Central. Wenn die Gondeln Walzer tanzen - eine musikalische Italien-Reise. Musikalische Leitung und Moderation: Jan Michael Horstmann. Sänger/Musiker: Sergio Raonic Lukovic (Bariton), Mittelsächsische Philharmonie. Ausverkauft!

Sonntag, 8. Januar, 14.30 Uhr, TiB: Sängercafé mit Miriam Sabba. Karten à sechs Euro im DAZ-Shop und im Theater.

 

q Die Neueröffnung nach dem Umbau in diesem Jahr erfolgt 140 Jahre nach der ersten Eröffnung 1872 und 100 Jahre nach der Wiedereröffnung im Jahr 1912. Ein Jahr zuvor, 1911, hatte ein Brand große Schäden verursacht.

q 1992 votierten die Kreisräte gegen den heftigen Widerstand der Theaterfreunde für die Schließung des Theaters. Der Vorhang blieb jedoch nur wenige Monate zu. Zum dritten Mal in der Döbelner Theatergeschichte entschied sich die Stadtverwaltung für den Erhalt der Bühne. Die Stadt wurde Gesellschafter in der neu gegründeten Mittelsächsischen Theater und Philharmonie gGmbH.

q Der jetzige Umbau kostet insgesamt 1,82 Millionen Euro. Davon werden 1,26 Millionen Euro aus dem europäischen Efre-Programm gefördert; 228 000 Euro steuert der Kulturraum Mittelsachsen/Erzgebirge als Fördermittel bei, 333 000 Euro gibt die Stadt Döbeln aus eigenen Mitteln.bm

Quellen: Mittelsächsisches Theater,Stadt Döbeln

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