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Döbelner Vorstrafenkönig schwänzt Prozess – Gericht verurteilt ihn trotzdem

Wegen Schwarzfahrens Döbelner Vorstrafenkönig schwänzt Prozess – Gericht verurteilt ihn trotzdem

Schwarzfahrt in den Knast? Wenn Frank Z. seine Geldstrafe nicht bezahlt, fährt er mal wieder ein. Aber im Gefängnis ist der 70-Jährige bereits Stammgast. Seit fast 40 Jahren beschäftigt er die Justiz und zeigt eine gewissen Unbelehrbarkeit.

Frank Z. ist ein Wiederholungstäter. Es vergeht kaum ein Jahr, in dem der 70-Jährige nicht auf der Anklagebank sitzt. Diesmal war er der Leistungserschleichung angeklagt, weil er schwarz mit der Bahn von Döbeln nach Riesa gefahren war.

Quelle: dpa

Döbeln. Wer schwarz mit Bus und Bahn fährt, zahlt in der Regel ein „erhöhtes Beförderungsentgelt“ und muss 60 Euro berappen. Nicht so Frank Z. Der 70-Jährige ist der Vorstrafenkönig der Region Döbeln, kann sein Sündenregister beinah in gebundener Form herausbringen. Die JVA ist seine zweite Heimat. 42 Einträge hat sein Auszug aus dem Bundeszentralregister, dass alle Verurteilungen einer Person enthält. Da ist nix mehr mit 60 Euro.

Haftstrafe abholen und unbeeindruckt nach Hause

Wenn die jüngste Entscheidung des Amtsgerichtes Döbeln rechtskräftig wird, werden es 43 Einträge sein. Per Strafbefehl verurteilte Strafrichter Janko Ehrlich den Vorstrafenkönig am Montag zu einer Gelstrafe von 60 Tagessätzen á 13 Euro, also insgesamt 780 Euro, weil er im August 2015 ohne Fahrschein mit der Bahn von Döbeln nach Riesa unterwegs war. Schaden für die Bahn: 6,10 Euro. Seine Verhandlung schwänzte Frank Z. allerdings, und so brachte das Gericht das Verfahren im Strafbefehlsverfahren vorläufig zum Abschluss. Wäre Z. erschienen, hätte er vermutlich eine Haftstrafe ohne Bewährung abgefasst. Aber laut Strafprozessordnung dürfen Gerichte in einem Strafbefehl nur Geldstrafen und in Ausnahmefällen Bewährungsstrafen verhängen.

Bei Z. ist die Art der Strafe sowieso egal. Ein Tagessatz einer Geldstrafe entspricht einem Tag Knast. Wer nicht bezahlen kann, fährt also ein. Frank Z. müsste also (mal wieder) für zwei Monate rein. Und es ist wahrscheinlich, dass es diesmal wieder so geschieht. Normalerweise kommt Herr Z. immer zu seinen Verhandlungen, holt sich seine Haftstrafe ab und geht unbeeindruckt wieder nach Hause“, sagte Richter Ehrlich, während er mit Staatsanwalt Christian Kuka und der Urkundsbeamtin auf den Angeklagten wartete. Dabei kamen auch einige frühere Vergehen des Vorstrafenkönigs zur Sprache, über die damals auch die DAZ berichtet hat.

Zum Beispiel, als er sich Mietwagen nahm aber die Miete nicht bezahlte und die Autos irgendwo stehen ließ. An der Tankstelle zahlte er den Sprit nicht. Wegen Betrugs verurteilte ihn Richter Ehrlich im Dezember 2011 zu 13 Monaten Haft. Aber auch als geschädigten Zeugen hatte der Richter Frank Z. im Juni 2011 schon im Saal sitzen. 2008 hatte ein Rentner dem Vorstrafenkönig eine Keule mit der Aufschrift „Hausordnung“ übers ungekrönte Haupt gezogen. Frank Z. hatte sich bei dem Mann Geld geborgt und nicht zurückgezahlt. Der Keulenrentner hörte einen Schuldspruch wegen gefährlicher Körperverletzung, bekam eine Bewährungsstrafe.

Sogar auf Freigang kriminell

Sogar wenn er im Gefängnis saß und Freigang hatte, geriet Frank Z. mit dem Gesetz in Konflikt. So etwa, als er auf „Knasturlaub“ 2010 im Döbelner Kaufland Kaffee und Limo klaute und dafür etwas länger gesiebte Luft atmen musste. Die Justiz beschäftigt der 70-Jährige seit fast 40 Jahren mit Vergehen wie Körperverletzung, Diebstahl und immer wieder Betrug. Zuletzt fiel er mit Schwarzfahren auf. Im Juli 2014 verurteilte ihn die amtierende Amtsgerichtsdirektorin Karin Fahlberg, die damals auch als Strafrichterin tätig war, wegen „Leistungserschleichung“ zu anderthalb Monaten Haft. Z. war zum Lesekreis nach Riesa mit dem Zug gefahren. Natürlich ohne Fahrschein.

Von Dirk Wurzel

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