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Döbeln Döbelner ärgern sich über Mais-Häcksel
Region Döbeln Döbelner ärgern sich über Mais-Häcksel
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19:35 20.09.2012

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Rita Lehmann aus der Dresdner Straße ist stinksauer. Sie schwingt täglich den Besen, obwohl sie Besseres zu tun hat. "Jeden Tag sind die Fußwege durch dieses Zeug von der Maisernte verschmutzt. Da kommt man gar nicht nach mit dem Kehren. Redet mal jemand mit dem Verursacher darüber?", sagt und fragt die Döbelnerin. Da sie sich um mehrere Grundstücke in der Stadt kümmert, ist ihr der "Mais-Schnee" in der Dresdner, der Leipziger und der Oschatzer Straße aufgefallen. Sie hat die Kennzeichen der Traktoren aufgeschrieben, die den gehäckselten Mais verlieren und diese ans Ordnungsamt der Stadt weitergereicht. "Entweder die Hänger dürfen nicht so voll geladen werden oder man müsste sie mit einer Plane abdecken", vermutet Rita Lehmann.

Die meisten Traktoren - wenn nicht gar alle - die derzeit mit dem Häckselgut durch Döbeln fahren, steuern die Biogas-Anlage in Ossig an. Aus den Maisflocken wird Silage, die wird für die Stromerzeugung im Bio-Kraftwerk benötigt (DAZ berichtete). Der Landwirtschaftsbetrieb Gröbner aus Zschäschütz ist nach Informationen dieser Zeitung federführend bei der Belieferung der Ossiger Anlage mit der Maisfracht. Nur der Chef könne dazu etwas sagen, der befinde sich aber gerade auf Dienstreise und sei nicht erreichbar, hieß es gestern auf Nachfrage aus dem Unternehmen.

Torsten Krawczyk, Vorsitzender der Bauernverbandes Döbeln-Oschatz, kann den Ärger der Döbelner über die Verschmutzung nachvollziehen. Zumal die Maistransporte derzeit hochfrequent durch die Stadt rollten. Doch Krawczyk wirbt bei der Bevölkerung um Verständnis. Schließlich sei die Döbelner Region ländlich geprägt und die Landwirtschaft ein Haupterwerbszweig: "Es ist Erntezeit. Die Traktoristen können schlecht um die Stadt herumfahren. In drei, vier Wochen ist alles wieder vorbei." Dass die Stadt Döbeln seit vorigem Jahr ganz offensichtlich stärker von den Mais-Fuhren betroffen ist, als früher und dass die Ossiger Anlage dafür ausschlaggebend ist - das sieht auch Krawczyk so. "Auf dem Dorf sind die Leute solche Nebenerscheinungen der Ernte schon lange gewöhnt. Dort herrscht auch ein engerer Kontakt zwischen den Landwirten und der Bevölkerung", schildert der Verbandsvorsitzende. Wenn im Dorf die Straße durch ein Landwirtschaftsfahrzeug mal etwas verschmutzt wird, dann sähen das die Einwohner lockerer. Auch, so Krawczyk, weil sie wüssten, dass der Agrarbetrieb an anderer Stelle schnell einmal Hilfe leistet, wenn es darauf ankommt. Mit den Städtern gebe es eine solche Beziehung nicht.

Der Verbandsvorsitzende pflichtet bei, dass die Hänger nur bis zu einem gewissen Maß beladen werden dürfen. Diese mit einer Plane abzudecken, würde aber zu viel Zeit kosten. "Das sprengt während der Ernte den zeitlichen Rahmen."

Ganz anderer Ansicht ist da der Döbelner Ordnungsamtschef Jürgen Müller. "Es kann doch nicht sein, dass die Traktoristen Zeit sparen, in dem sie keine Netze oder Planen verwenden, aber der Bürger oder die Mitarbeiter der Stadt mehr Zeit aufwenden müssen, um die Straßen und Wege wieder zu reinigen." Auch das ab und zu vorgebrachte Argument, der nächste Regen spüle schon alles wieder weg, lässt Müller nicht gelten. "Wo spült es denn der Regen hin? In die Kanaleinläufe, wo dann die Körbe gesäubert werden müssen." Die Stadt sei nach den Bürgerhinweisen gerade bei der Bestandsaufnahme der Verschmutzungen. Müller: "Wir fordern die Verursacher auf, zu reinigen. Wenn die Stadt erheblichen Mehraufwand hat, zum Beispiel weil die Kehrmaschine zig Mal fahren muss, dann stellen wir das in Rechnung." Olaf Büchel

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