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Döbelner jagen Pokémon-Monster in der Mittagspause

App lockt an frische Luft Döbelner jagen Pokémon-Monster in der Mittagspause

„Pokémon Go“ heißt das Programm, mit dem auch in Döbeln seit Mitte Juli Jagd auf die kleinen Monster gemacht wird. Selbst jetzt, gute fünf Wochen nach Deutschlandstart der App und dem Ende der Sommerferien, wandern immer noch auffällig viele mit dem Kopf über das Smartphone gebeugt durch die Stadt und grasen markante Punkte wie den Stiefelbrunnen ab.

Leon und Jakob vertreiben sich die Wartezeit auf den Bus mit einem gepflegten Pokémon-Kampf am Schlegelbrunnen.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. In Döbeln wimmelt es derzeit nur so von wilden Monstern wie überdimensionierten Fledermäusen, mannshohen Ratten und fischartigen Wesen auf vier Beinen. Die Biester sind jedoch völlig ungefährlich und nicht etwa das Ergebnis eines schiefegelaufenen Gen-Experiments, existieren sie doch ausschließlich in der virtuellen Welt, die sich nur mit dem Smartphone und etwas Entdeckerdrang sichtbar machen lässt. „Pokémon Go“ heißt das Programm, mit dem auch in Döbeln seit Mitte Juli Jagd auf die kleinen Monster gemacht wird. Selbst jetzt, gute fünf Wochen nach Deutschlandstart der App und dem Ende der Sommerferien, wandern immer noch auffällig viele mit dem Kopf über das Smartphone gebeugt durch die Stadt und grasen markante Punkte wie den Stiefelbrunnen ab. Immer auf der Suche nach neuen Pokémon, die hier und da aus dem digitalen Gebüsch springen, für die eigene Sammlung.

Erkundungsdrang

Christian und Moritz nutzten am Freitag ihre Mittagspause, um sich am Stiefelbrunnen ein Eis zu gönnen und auf die virtuelle Jagd zu gehen. „Ich finde es toll, dass man so viele Dinge finden kann, dafür auch rausgehen muss und nicht immer nur drinnen hocken bleibt“, erklärt der 15-jährige Christian, der wie sein Kumpel das Döbelner Lessing-Gymnasium besucht. „Man kann auch in der Pause einfach mal rausgehen, schnell die App anmachen und ein paar Pokémon fangen.“ In den Sommerferien war dafür noch mehr Zeit, die die Gymnasiasten auch ausgiebig ausnutzten. „Manchmal haben wir uns extra zum Spielen getroffen und sind dann durch Döbeln gelaufen. Dann waren wir manchmal drei bis vier Stunden lang nur unterwegs“, erinnert sich Christian.

Kämpfe verbinden

Besonders Schlegel- und Stiefelbrunnen üben einen ganz besonderen Reiz aus. In der virtuellen Welt sind dort sogenannte Arenen platziert – Orte, an denen die Spieler ihre Pokémon gegeneinander antreten lassen, aber auch mit anderen Jägern ins Gespräch kommen können. Das ist Christian selbst zwar noch nicht passiert, aber beobachtet hat er es schon oft: „Ich glaube schon, dass das Spiel die Leute verbinden und zusammenbringen kann. Das lässt sich immer besonders gut beobachten, wenn ein Lockmodul zum Einsatz kommt.“ Das Lockmodul hat in der virtuellen Welt eine unwiderstehliche Wirkung auf die kleinen Monster und lässt sie besonders häufig auftauchen. Ein zwischenzeitliches Paradis für ambitionierte Pokémon-Jäger, die sich die Beute nicht entgehen lassen wollen. So passiert es nicht selten, dass sich unter anderem vor Theater und Stadtbad kleine Menschentrauben bilden.

Menschliche Urtriebe

Es ist der urmenschliche Sammeltrieb, der viele Pokémon-Spieler auch heute noch immer wieder nach draußen treibt. Aktuell besiedeln insgesamt 136 unterschiedliche Monster die virtuelle Welt. Christian und Moritz haben sich beide bis jetzt ungefähr 50 verschiedene Kreaturen schnappen können, mit denen sie und viele andere schon seit Jahren vertraut sind, traf die erste große Pokémon-Welle doch schon 1999 auf die europäischen Mattscheiben. „Ich habe früher schon die Serie immer im Fernsehen gesehen und dann irgendwann angefangen, die Spiele auf dem Nintendo zu spielen. Da war ich vielleicht acht Jahre alt“, erinnert sich der heute 15-jährige Moritz.

Große Ziele

Im Gespräch mit Eltern wird bei aller Euphorie der Kinder jedoch auch Kritik laut, starrt der Nachwuchs doch immer noch permanent auf einen Bildschirm. Für Christian kein großes Problem: „Ich finde, es ist eigentlich egal, ob man dabei nur aufs Handy schaut oder nicht. Wir sind doch trotzdem draußen unterwegs.“ Das Ziel ist klar: „Ich will der allerbeste sein!“, lacht Christian und spielt damit auf eine der ikonischen Zeilen des Titelliedes der Fernsehserie an. Dafür müssen er und seine Freunde jedoch noch fleißiger trainieren und weiter rumkommen. „Ich habe gehört, dass es gerade im Klostergarten besonders viele Pokémon geben soll.“ Damit steht das nächste Ziel wohl fest.

Von André Pitz

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