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Döbeln Döbelner kritisieren Freibrief aus Brüssel
Region Döbeln Döbelner kritisieren Freibrief aus Brüssel
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19:12 14.08.2012

Mit 14 Tagen kann André Burkhardt ganz gut leben, zehn Tag indes sind ihm lieber. "Die meisten meiner Kunden begleichen ihre Rechnungen auch in diesem Zeitraum, nur bei größeren Firmen können es je nach der Struktur des Unternehmens auch schon Mal mehr als 14 Tage werden", so der Obermeister der Döbelner Metallinnung, den eine Meldung aufschrecken ließ. Ziel einer EU-Richtlinie soll es sein, die Zahlungsmoral in Europa zu verbessern. Was an sich positiv klingt, hätte für deutsche Firmen negative Auswirkungen. Denn in Brüssel soll man sich auf ein Mittel von 60 Tagen geeinigt haben, während laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform aktuell 82,6 Prozent der privaten und gewerblichen Kunden in Deutschland ihre Rechnungen spätestens nach 30 Tagen bezahlen.

Burkhardt sieht - würde die Richtlinie umgesetzt - vor allem das Handwerk und den Mittelstand betroffen. "Für Unternehmen ab einer bestimmten Größenordnung mögen 60 Tage kein Problem darstellen, kleine Firmen aber haben nun einmal in der Regel nicht die Kontinuität bei den Aufträgen, um lange Zahlungsfristen überbrücken zu können", gibt der Inhaber der Roßweiner Bauschlosserei Toni Mergl zu bedenken. Für ihn persönlich würden 60 Tage Zahlungsfrist etwa bedeuten, dass er im Anschluss an den Abschluss eines Auftrages im Spätherbst seine beiden Mitarbeiter bis zum Februar entlassen müsste. "30 Tage ist für eine Firma unserer Größe die absolute Schmerzgrenze, würde die Zahlungsfrist angehoben, wäre ich sehr wahrscheinlich gezwungen meine Firma aufzugeben."

Auch der Obermeister der Döbelner Tischler-Innung, Richard Schreppel, ist von den Plänen alles andere als begeistert. "Wenn man die Zahlungsfrist höher setzt, dann stellt man ja Leuten mit einer schlechten Zahlungsmoral geradezu einen Freibrief aus", findet der Meinitzer deutliche Worte. "Solche Ideen bestärken mich in meiner Auffassung, dass der Mittelstand keine Lobby hat." Eine Aufweichung der Zahlungsfrist sei "in die falsche Richtung gedacht" und entspreche nicht der Realität. "Die Realität hingegen ist, dass ein Handwerker in Deutschland im Durchschnitt bei 15 Arbeitsjahren wegen Zahlungsausfällen ein Jahr umsonst arbeitet", gibt Schreppel zu bedenken und fordert Brüssel auf, dem deutschen Handwerk mitzuteilen, wer als Zwischenfinanzierer bei längeren Zahlungsfristen in Betracht kommen würde.

Gerd Schulenburg, Obermeister der Döbelner Maler-Innung, ist da nicht anderer Meinung und befürchtet negative Auswirkungen auf die Zahlungsmoral. "Jene, die schon jetzt schleppend ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen, sehen sich gestärkt und werden die größeren Freiheiten auszunutzen wissen", so der Ebersbacher, der zudem höhere Kosten auf die Firmen zukommen sieht. "Eine Zwischenfinanzierung bekommt man nicht umsonst."

Roger Dietze

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