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Döbeln Döbelner soll Stiefsöhne gequält haben
Region Döbeln Döbelner soll Stiefsöhne gequält haben
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00:20 05.08.2017
Amtsgericht Döbeln. Quelle: Wolfgang Sens (LVZ/DAZ)
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Döbeln

Viele Tränen und weglaufende Zeugen – in einem Prozess am Amtsgericht Döbeln spielten sich am Mittwoch dramatische Szenen ab. Weil er die Kinder seiner ehemaligen Lebensgefährtin geschlagen haben soll, steht ein 29-jähriger Döbelner vor Jugendrichterin Marion Zöllner, die als Jugendschutzgericht zuständig ist. Staatsanwalt Thomas Engel wirft dem jungen Mann Misshandlung Schutzbefohlener vor. Er soll die heute 14- und elfjährigen Söhne seiner damaligen Lebensgefährtin unter anderem mit der Hundeleine geschlagen haben. Zudem habe der Mann einen Messbecher nach dem Kind geworfen und ihm dabei eine Verletzung an der Stirn zugefügt.

Der Angeklagte äußert sich zu den Vorwürfen nicht. Die Kinder und ihre Mutter machten es dem Gericht sehr schwer. Der elfjährige Florian* wollte sich an die Schläge mit der Hundeleine nicht mehr erinnern können. Die Hundeleine selbst konnte er aber noch sehr genau beschreiben. Ebenso sagte der Junge nichts über die Verletzung seines älteren Bruders durch den Becherwurf, weil er sich angeblich nicht erinnern kann. Die Mutter hatte zunächst bei der Polizei im Herbst 2016 gegen ihren Ex ausgesagt, diese Aussage vor einigen Wochen jedoch schriftlich widerrufen. Unter Tränen sagte die 38-Jährige zunächst im Gericht, dass sie in der Nähe von Berlin mit einem neuen Partner ein neues Leben begonnen habe und endlich ihre Ruhe haben wolle. Die beiden größeren Kinder (14/15) lebten zwischenzeitlich bei ihrem leiblichen Vater in Döbeln. Der Elfjährige war mit ihr nach Berlin gezogen und lebt dort mittlerweile in einem Heim.

Die 15-jährige Schwester weigerte sich als Zeugin den Gerichtssaal zu betreten und riss schließlich sogar aus. Nur der 14-jährige Mario* sagte klar und überlegt, was er bereits im Vorfeld bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte. Er schilderte, dass der Angeklagte den kleineren Bruder mit der Hundeleine züchtigte, wenn er etwa sein Zimmer nicht aufgeräumt hatte. Bei den Schlägen habe Florian geschrien und geweint. Zudem schildert der 14-Jährige den Vorfall mit dem Messbecher. Der 29-Jährige sei sauer gewesen, weil er mit dem Fahrrad der Mutter auf dem Döbelner Weinfest war. „Er hat mich morgens schreiend in meinem Bett geweckt und mir schließlich einen Messbecher, der zum Blumengießen in meinem Zimmer stand, an den Kopf geworfen.“ Ins Rollen gebracht hatte das Strafverfahren eine Schulsozialarbeiterin. Sie hatte den 14-jährigen Mario betreut. Im Vier-Augen-Gespräch mit der 35-Jährigen erzählte er ihr von den Schwierigkeiten und der Gewalt zuhause. Er berichtete, dass Schlagstock und Elektroschocker des Lebensgefährten, der bei einem Wachschutzunternehmen arbeitete, immer als Drohkulisse herumlagen. „Er hatte Angst und fragte immer wieder, was mit den Informationen nun passiert“, schildert die Sozialarbeiterin. Die Schulsozialarbeiterin fotografierte die noch sichtbare Verletzung an der Stirn des Kindes. Die Anzeige und weitere Termine mit Jugendamt und Erziehungsberatung kommen ins Rollen. Staatsanwalt und Richterin nehmen die Mutter nochmal ins Gebet. Sie müsse sich entscheiden, ob sie zu ihren Kindern stehe oder ob sie ihren Ex zu Unrecht auf die Anklagebank gebracht habe. Weinend bestätigt die Frau schließlich die Misshandlungen ihrer Söhne durch den Angeklagten. Das Gericht will nun weitere Beweise erheben und neue Zeugen hören. Zudem liefert die Schulsozialarbeiterin die Fotos von Marios Verletzungen nach, damit das Gericht diese in Augenschein nehmen kann. Die Bilder waren in der Polizeiakte offenbar verloren gegangen. Der Prozess wird fortgesetzt. *Namen geändert

Von Thomas Sparrer

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