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Döbeln Döbelnerin demoliert Hausfassade mit Pflastersteinen – Richter verhängt Geldstrafe
Region Döbeln Döbelnerin demoliert Hausfassade mit Pflastersteinen – Richter verhängt Geldstrafe
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10:46 10.01.2016
Eine 31-Jährige Fußpflegerin stand vorm Amtsgericht. Quelle: W. Sens
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Döbeln

Noch keine 32 Jahre alt und schon siebenmal vorbestraft: Diebstahl, gefährliche Körperverletzung, Rauschgifthandel listet das Sündenregister der gelernten Fußpflegerin unter anderem auf. Geld- und bedingte Freiheitsstrafen waren die strafrechtliche Quittung für ihre Taten. Jetzt kamen weitere Geldstrafen dazu. Richter Janko Ehrlich verurteilte die junge Frau am Freitag wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Wäre die Droge Methamphetamin (Crystal) eine natürliche Person, hätte sie die Staatsanwaltschaft getrost mit anklagen können.

Sie stahl einen Kinderwagen („meiner war kaputt gegangen“), hielt sich mehrfach trotz Hausverbotes im Kaufland und dessen Außen-Gelände auf („Ich wusste nicht, dass der Platz davor zum Kaufland gehört“) und beschmiss die Fassade eines Döbelner Wohnhauses mit Pflastersteinen, so dass das Glas einer Tür kaputt ging und der Putz Blessuren davon trug – Schaden: 2500 bis 3000 Euro. „Das war eine unüberlegte Sache aus Eifersucht heraus. Mein derzeitiger Ex-Freund hat da gewohnt. Ich wollte, dass er rauskommt, oder mich reinlässt, damit ich mit ihm reden kann“, sagte die Döbelnerin. „Um 2.30 Uhr in der Nacht – da gibt es doch Klingeln an dem Haus“, hielt ihr Richter Ehrlich entgegen. „Die hatte er doch abgestellt“, sagte die Arbeitslose.

Spielzeugpferd zwischen Pizza-Tomaten

Sie räumte fast alle Tatvorwürfe der Anklage ein. Auch den hier: Sie habe am 10. März 2015 im Kaufland ein Spielzeug für knapp zehn Euro gestohlen. „Sie tat dies, indem sie es von der Verpackung löste und ihrem Kind gab“, steht im Anklagesatz. Die junge Frau gestand auch das. Allerdings wollte sie das Diebesgut – es handelte sich um ein Pferdchen – nicht für sich behalten. Sondern: „Ich habe das Pferd meinem Kind gegeben, weil es quengelte. Dann habe ich es im Regal mit den Pizza-Tomaten und dem Tomatenmark abgelegt.“ Die Ladendetektive stellten die Frau erst zwei Tage später zur Rede. Sie mussten erst mal prüfen, was die Angeklagte überhaupt ausgepackt und ihrem Zwerg gegeben hatte. Ob sie es mitnahm, konnte aber auch der Detektiv im Zeugenstand nicht sagen. Darauf wäre es aber angekommen, um die Frau wegen Diebstahls verurteilen zu können. Juristen sprechen von der „Zueignungsabsicht“, die obendrein rechtswidrig sein muss. Ein Spielzeug-Pferd im Laden aus der Verpackung zu nehmen und woanders wieder abzulegen, ist allenfalls Sachbeschädigung.

Im Einvernehmen mit der Staatsanwältin ließ Richter Ehrlich diesen Anklagepunkt fallen. Die Strafe dafür hätte das Kraut ohnehin nicht wesentlich fetter gemacht und die Strafprozessordnung erlaubt ein solches Vorgehen. Genauso handhabte es das Gericht bei einem weiteren Tatvorwurf, wonach die Angeklagte eine Fensterscheibe mit einer Schraubzwinge eingeschlagen habe. Da hatte eine Zeugin bei der Polizei aber gelogen und der Schaden war auch nicht groß.

Leben wieder auf die Ketten kriegen

Für den Diebstahl des Kinderwagens muss die Fußpflegerin nun 55 Tagessätze zu zehn Euro, für den Hausfriedensbruch im Kaufland und die Sachbeschädigung am Wohnhaus 95 Tagessätze zu zehn Euro bezahlen. Insgesamt wird sie also 1500 Euro abstottern müssen. Dabei hat Richter Ehrlich seine Tarife eigentlich erhöht. „Ich habe den Tagessatz bei Hartz-IV-Empfängern jetzt auf 13 Euro festgesetzt. Aber Sie haben ein Kind zu versorgen“, zeigte er sich gegenüber den Angeklagten milde.

Zur Geldstrafe kommen für die junge Frau noch 100 Euro Ordnungsgeld, weil sie die Verhandlung störte, indem sie ungefragt dazwischen quatschte. Überhaupt wirkte die junge Frau sehr aufgedreht – gestand auf der einen Seite reumütig und überschwänglich einige Anklagepunkte, herrschte dann aber Zeugen recht aggressiv an. Ganz so, als ob sie auf Crystal wäre. Eine Langzeit-Drogentherapie will sie jetzt antreten, verkündete die Frau. „Ich habe daraus gelernt und will meine Zukunft besser gestalten, mein Leben auf die Ketten kriegen“, versprach sie. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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