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Döbeln Döbelnerin war das süße Gesicht der DDR-Babynahrung
Region Döbeln Döbelnerin war das süße Gesicht der DDR-Babynahrung
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06:00 28.04.2017
Wer erkennt sie wieder? Susan Höhme heute und auf dem berühmten Foto mit fünf Monaten. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Susan Höhme muss lächeln, als sie die beiden Schachteln aus der Vitrine im Wohnzimmer holt. Mit Fug und Recht kann sie von sich sagen: „Ich war das Milasan-Baby.“ Den aus dem Pulver angerührten Brei schluckte in der DDR fast jedes Kleinkind, ebenso bekannt war das Trockenmilchpulver Babysan, dessen Karton ebenfalls Susans Foto schmückte. Die Milasan-Packung haben ihr die Eltern aufgehoben. „Die von Babysan hat mir eine Studienfreundin um die Wende herum geschenkt, sonst hätte ich gar keine mehr davon“, sagt die 48-Jährige beim Gespräch am Wohnzimmertisch in ihrem Haus in Döbeln.

Ob Trockenvollmilch oder Fertignahrung (r.) – Susan Höhme war das Werbegesicht für die Stendaler Kindernahrungshersteller. Quelle: privat

Auf dem Tisch liegen außerdem großformatige Abzüge des berühmten Fotos im Original sowie Fotos vom Dreh mit „Außenseiter-Spitzenreiter“-Moderator Hans-Joachim Wolfram (1934–2016). „Das war 1972, ich war vier Jahre alt“, erzählt Susan Höhme. Zu der Zeit kannte wohl jede Mutter in der kinderreichen DDR ihr Foto. So kam es auch, dass ein TV-Zuschauer der Fernsehredaktion die Frage schickte: „Wer ist das Baby auf der Babysan-Packung?“. Wolframs Team machte sich auf die Suche und bekam den entscheidenden Tipp vom Hersteller, dem VEB Dauermilchwerke Stendal. Man wurde in Hartha, rund 15 Kilometer von Döbeln entfernt, fündig.

Beim Mensch-ärgere-dich-nicht hatte Moderator Hans-Joachim Wolfram keine Chance gegen die vierjährige Susan Höhme. Quelle: Privat

Zum Dreh kam Wolfram mit Kamera- und Tontechnikern sowie Puppendoktor-Pille-Schauspielerin Urte Blankenstein, die herzlich mit der kleinen Susan spielte. Die heute große Susan weiß davon allerdings nichts mehr. „Ich kann mich gar nicht an den Dreh erinnern, weiß alles nur über die Erzählung meiner Eltern. Ich muss unglaublich viel Glück beim ,Mensch-ärgere-dich-nicht‘-Spiel gehabt haben. Ich habe Hans-Joachim Wolfram ständig rausgeschmissen“, sagt sie und lacht. Dass überhaupt gespielt wurde, lag auch am späten Drehtermin. „Ich war schon müde und die Eltern mussten mich mit dem Spiel wach halten“, berichtet Höhme.

Puppendoktor Pille-Darstellerin Urte Blankenstein (l.) spielte beim Dreh mit der schon etwas müden Susan Höhme (r.). Quelle: Privat

Als das Bild entstand, wohnten die Eltern noch in einem Dorf bei Döbeln. Sie baten den Fotografen Rolf Paul aus der Nachbarschaft, private Aufnahmen von ihrem Baby zu schießen. „Sie mussten damals das Bild sogar noch mit der Taschenlampe ausleuchten“, gibt Höhme die Erzählung ihrer Eltern weiter. „Ein Bekannter des Fotografen hat das Bild gesehen. Und der wusste, dass in Stendal ein Foto für die Packung gesucht wurde. Also hat er das Bild hingeschickt.“

In Stendal war man von dem hübschen Baby mit dem verschmitzten Lächeln begeistert. „Es kam die Anfrage, ob meine Eltern das Bild verkaufen würden. Sie sind nie richtig damit herausgerückt, was sie dafür bekommen haben. Später habe ich herausgefunden, dass sie mir die 250 Ostmark auf ein Sparbuch übertragen haben“, so Höhme. Ein für damalige Verhältnisse stattlicher Betrag – und dennoch aus heutiger Sicht ein Schnäppchen für die Stendaler. „Es war ja nicht absehbar, dass das Bild sich bis zur Wende millionenfach verkauft“, sagt Höhme, die heute am Harthaer Martin-Luther-Gymnasium als Lehrerin für Sport, Biologie und Technik/Computer arbeitet.

Kürzlich war das Kamerateam der heutigen MDR-Sendung „Außenseiter-Spitzenreiter“ noch einmal bei ihr und überbrachte das Band mit den Originalaufnahmen von 1972. Ein bisschen Rummel um die eigene Person alle paar Jahre nimmt Susan Höhme gern in Kauf. Den beim Mensch-ärgere-dich-nicht so oft gefoppten Hans-Joachim Wolfram hatte sie sogar für einen weiteren Fernsehauftritt 1979 wiedergetroffen. „In die Sendung ,Mit Lutz und Liebe‘ waren er und ich eingeladen. Wir durften ein Playback auf Monika Herz und Rainer Süß singen, da wurde extra ein Babylied drauf gedichtet“, erzählt Höhme. Die damals Elfjährige brachte den Moderator bei der Aufnahme in Chemnitz noch einmal etwas in Verlegenheit: „Er hatte seinen Text nicht gelernt und ich wollte ihm helfen, wurde aber mehrfach ermahnt, dass ich nicht bei seinen Textzeilen mitsingen soll“, erinnert sie sich und lacht wieder.

Von Sebastian Fink

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