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Döbelns Landesliga-Trainer Axel Frank ist kein Kumpel-Typ

Döbelns Landesliga-Trainer Axel Frank ist kein Kumpel-Typ

Nach acht Spieltagen in der neuen Klasse steht Sachsenligist Döbelner SC auf Platz fünf der Tabelle. Ein Zwischenstand, der auch ihn eher überrascht: Axel Frank.

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Axel Frank ist als Trainer des Landesliga-Teams nach Döbeln gekommen, weil ihn die Herausforderung gereizt hat. Zufrieden ist er noch lange nicht,

Quelle: Wolfgang Sens

Döbeln. Moment mal - nicht zufrieden? "Natürlich habe ich am Punktestand überhaupt nichts auszusetzen", sagt Axel Frank, "doch meine Zufriedenheit ist ja nicht zwingend von Ergebnissen abhängig." Glück habe man als Liga-Neuling auch gehabt - gleich das erste Spiel gegen Chemie Leipzig gewonnen, das sei der "Dosenöffner" gewesen. Bis dato sind vier weitere Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen dazugekommen. Und ja, relativiert Axel Frank, "es hat sich ganz gut entwickelt." Die Mannschaft mache gut mit, glaube immer mehr an das, was der Trainer sagt. Letzteres muss er sich durchaus erkämpfen.

Die ersten Schritte, die zu Saisonbeginn zwischen dem neuen Trainer und der Mannschaft aufeinander zu gemacht werden, sind eher zögerlich. Man reibt sich und das sei auch immer noch so, sagt Axel Frank selbst. Doch er schätzt die Streitkultur, die für ihn ein Mittel zur Weiterentwicklung ist. Dass die Anfänge im Miteinander von Trainer und Spielern holprig waren, ist für Axel Frank nachvollziehbar, und die Reserviertheit vieler Spieler ihm gegenüber hat er nicht persönlich genommen: "Da sind sie nun gerade aufgestiegen und dann kommt einer und sagt ihnen, dass sie so wie bisher nicht weiterspielen können." Können sie nicht? "Nein, in der neuen Liga nicht."

Diesen Grundgedanken umzusetzen sei natürlich ein langwieriger Prozess: "Ich kann nicht in einem Vierteljahr alles umkrempeln." Doch ein paar Dinge funktionieren offenbar schon. "Wir stehen sehr gut gegen den Ball, mit Ball allerdings haben wir noch Reserven." Schlau müssen die Döbelner spielen, um zu kompensieren, was andere Teams in der Landesliga mehr haben als sie - individuelle Klasse zum Beispiel. Für sie muss jede Begegnung eine Vollgasveranstaltung sein. Doch sie können das. Schon seit seinem ersten Erfolg wird der Neuling beobachtet, "wir haben uns Respekt erarbeitet. Aber jetzt muss der nächste Schritt folgen." Der da wäre? "Unser Spiel nicht so sehr von einzelnen Akteuren abhängig machen. Wir müssen es schaffen, aus mehreren Mannschaftsteilen Gefahr auszustrahlen." Das Verteilen der Verantwortung auf mehrere Schultern, das Miteinander-Arbeiten im Spiel funktioniert schon besser. "Wir sind kompakter geworden, der Stil ist überlegter, ruhiger." Große Löcher im Mittelfeld werden gestoppt, man lässt wenig Chancen zu.

Das musste sein: Den eigenen Stil ein bisschen ändern

Verbessert habe sich auch die Kritikfähigkeit der Mannschaft. "Ich denke, die Spieler reflektieren mittlerweile anders." Nicht nur die Spieler haben sich der neuen Situation angepasst. Axel Frank musste das auch. Der 44-jährige Familienvater mit Anstellungsverhältnis und eigener Firma ist akribisch, zwangsläufig durchorganisiert. Und als Trainer hochgradig emotional am Spielfeldrand. "Doch ich bin schon wesentlich ruhiger geworden. Axel Frank ist kein Kumpel-Typ wie sein Vorgänger Steffen Eichhorn. Das wird er vermutlich auch nicht werden. Doch er musste seinen Stil "ein bisschen umstellen" in Döbeln. "Ich habe immer gedacht, wenn man viel anpeitscht, kommt auch viel zurück. Es gibt Mannschaften, die das abkönnen. Döbeln nicht."

Axel Frank selbst ist durch eine harte Fußballschule gegangen. 14 Jahre spielt er bei Stahl Riesa, durchläuft alle Nachwuchsabteilungen. "Bei uns wurde im Gegensatz zu heute wenig auf den Einzelnen geachtet, die Trainingsmethodik war Schleiferei." Wer etwas werden will, muss neben einem starken Willen und guten Nerven auch die entsprechende Gesundheit mitbringen. Letzteres wird Axel Frank früh zum Verhängnis. Das Ausnahmetalent muss schon mit 16 Jahren die erste große Verletzung wegstecken - er spielt bei Dynamo Dresden Bezirksauswahl und kassiert gegen Halle einen Waden- und Schienbeinbruch. Es bleibt lange nicht die letzte Operation. Unzählige Knie-OPs folgen, "und ich bin nie wieder so zum Fußball zurückgekehrt, wie ich vor der Verletzung war."

Nach der Wende versucht er es noch einmal, spielt bei Stahl II und Aufbau Riesa. "Dann ist alles kaputtgegangen und Fußball war erstmal Geschichte." An einen Trainerjob denkt er zu diesem Zeitpunkt mit keiner Silbe. Dafür lernt er in der Reha seine heutige Frau kennen - "so hat jeder Mist auch etwas Gutes...". Die Familie zieht nach Torgau, später nach Beilrode, 1997 kommt seine Tochter zur Welt. Fußball spielt keine Rolle mehr. Ein Zufall ändert das. "Wir haben aus Spaß ein Spiel gegen den Nachbarbetrieb gemacht und ich war in unserer Truppe der einzige, der jemals etwas mit Fußball zu tun hatte." Axel Frank soll die Mannschaft anleiten, sich Aufstellung und Taktik ausdenken. Das macht er auch und sein Team gewinnt mit 5:2 gegen die anderen - alles Fußballer übrigens. Der Präsident des FSV Beilrode will ihn im Verein haben, für die zweite Mannschaft. Axel Frank macht es und ist so seit 1998 mittendrin im Trainerdasein. Ein Jahr später übernimmt er die erste Vertretung, holt sie aus dem Abstiegskampf. Vier Jahre bleibt er in Beilrode, dann geht es für ihn nach Mühlberg, wo er viele seiner ehemaligen Mitstreiter aus Riesa trainiert. Viereinhalb Jahre spielt die Truppe in der Bezirksliga um die Spitze mit. "Dann bin ich geflogen", sagt Axel Frank ehrlich. Seine nächste Station ist Torgau, wo man zehn Jahre nicht aufgestiegen ist. Mit Frank schafft das der Verein 2008, dann überwerfen sich Trainer und Vorstand. Ein Jahr später kommt der Coach zurück, um später wieder gefeuert zu werden. Und dann? Trifft er bei einem Hallenturnier seines Neffen zufällig seinen alten Riesaer Mitstreiter Holger Schmidt - jetzt Fußballvorstand beim Döbelner SC - wieder. Da braucht man in der Muldestadt zwar noch keinen neuen Trainer, doch man kommt zwangsläufig ins Gespräch. Drei Monate später hat sich die Lage in Döbeln geändert, jetzt braucht man hier einen neuen Coach.

Das reizt: Mit wenigen Mitteln viel erreichen

Axel Frank reizt die Aufgabe, nicht nur, weil mit der Landesliga auch für ihn die bislang höchste Klasse wartet, in der er gearbeitet hat. "Überall dort, wo ich gewesen bin, musste ich mit wenigen Mitteln viel erreichen." In Döbeln ist das nicht anders, "vielleicht hätte ich sonst gar nicht angenommen." Er macht den Job auch für sich selbst, will es noch einmal wissen. Dafür nimmt er rund 3000 Fahrkilometer pro Monat in Kauf, investiert mitunter knapp 20 Stunden seiner freien Zeit in der Woche. Obwohl es durchaus anstrengend ist ein Team zu führen, Grenzen zu setzen, mitunter schwierige Entscheidungen zu treffen - ist es doch für Axel Frank auch ein Ausgleich zum stressigen Job als Verkaufsleiter.

Auch wenn es derzeit scheint, dass so ziemlich alles rund läuft, ist Axel Frank noch lange nicht zufrieden. Einen zweiten Tormann braucht die Mannschaft dringend, denn Martin Werner ist zum Studium nach Magdeburg gegangen. "Das ist gerade unsere größte Baustelle." Andere werden womöglich folgen. "Die Brüche in der Saison werden kommen", ist sich Frank sicher. "Und dann wird sich zeigen, wie stark die Allianz zwischen Trainer, Mannschaft und Vorstand ist." Manuela Engelmann

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