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Döbelns erfolgreichster Senioren-Leichtathlet feiert 65. Geburtstag

Döbelns erfolgreichster Senioren-Leichtathlet feiert 65. Geburtstag

Auf seinem Schreibtisch wartet ein Tablett auf Thomas Partzsch - sein Frühstück: Eine Schüssel voll mit roten Beeren, eine Banane, Kiwi, Tee. Bis halb Eins am Tag isst der Unternehmer ausschließlich Obst.

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Will noch viele Hürden nehmen: Senioren-Leichtathlet Thomas Partzsch, der heute seinen 65. Geburtstag feiert, denkt nicht ans Aufhören.

Quelle: Gerhard Dörner

Döbeln. Die Leichtathletik ist so etwas wie seine späte Liebe. Dafür eine umso intensivere Liebe. Thomas Partzsch, der früher Fußball gespielt hat, jagt erst seit 2005 auf der Tartanbahn entlang, im Sprint, über Hürden. Die 300 Meter über die Barriere sind heute seine Spezialdisziplin, genauso wie die 400 Meter, auf denen er 2010 im kanadischen Kammlopps Weltmeister der AK60 wird. Unzählige Titel hat der Döbelner mittlerweile geholt - er ist Europameister, Deutscher Meister, Landesmeister.

Thomas Partzsch wäre nicht er selbst, würde er Sport treiben ohne ein Ziel. Einfach nur so, "lala", das ist nichts für den groß gewachsenen, schlanken Mann mit dem inzwischen weißen Haar. Sein Ehrgeiz ist groß - in jeder Beziehung. Und manchmal ist er zu groß, das weiß der nun 65-Jährige selbst am besten.

Für sein Training ist diese Charaktereigenschaft hilfreich. Sechsmal in der Woche muss er ran, den Plan schreibt ihm sein Leipziger Trainer Matthias Pohle (ehemaliger DDR-Meister im Sprint). Thomas Partzschs Tagesablauf ist dementsprechend straff organisiert. Weil heute Geburtstag gefeiert wird, hat er die vorgesehene Einheit vorverlegt, war gestern Früh schon vor Sechs im Stadion Bürgergarten. Anderthalb Stunden zieht er jeweils seine Bahnen - morgens oder abends und nicht nur, wenn das Wetter schön und es hell ist. Sondern immer. "Natürlich habe ich Schweinehunde in mir", sagt er und lacht. "Aber die haben keine Chance..." Man glaubt es ihm aufs Wort.

Dreimal Leichtathletik, zweimal Kraft, einmal allgemeines Training stehen Woche für Woche an. Kann er sich aus beruflichen Gründen mal zwei Tage nicht bewegen, ist mit Thomas Partzsch nicht gut Kirschen essen. Seine Frau weiß das sehr gut. "Sie schickt mich dann immer raus, weil sie in meinem Minenspiel schon sieht, was los ist." Thomas Partzsch ist rastlos, kann genauso wenig ohne Sport wie ohne geistige Weiterentwicklung. "Sobald ich ruhig gestellt werde, wird es ganz schlimm", sagt er, dem Autofahrten ein Grauen sind, weil er dann eben ruhig dasitzen muss.

Viel lieber geht der Leichtathlet an seine körperlichen Grenzen. Dass es die gibt, müsse er akzeptieren, sagt er. "Mitunter ist es schon ein kleines Problem, aber ich muss mir immer vor Augen halten: Ich zähle noch zu den Leistungsstärksten meines Alters in Deutschland..." Wichtig sei, die richtigen Vergleiche zu ziehen.

Dass er heute 65 Jahre alt wird, stört Thomas Partzsch nicht. Er ist fit, fühlt sich besser denn je, wacher. Er schreibt das auch seiner veränderten Ernährung zu. Als sein Trainer vor anderthalb Jahren meinte, er habe fünf, sechs Kilo zu viel auf den Rippen, sucht der Wissbegierige, Neugierige nach Möglichkeiten. Gemeinsam mit seiner Frau beschäftigt er sich intensiv mit Konzepten gesunder Ernährung und entdeckt jenes für sich, das dem Körper Ruhepausen gönnt. Innerhalb eines halben Jahres nimmt er acht Kilo ab, weil er sich an die Einteilung des Tages in drei Abschnitte hält: "Zwölf bis 20 Uhr ist die Zeit der Nahrungsaufnahme, 20 bis fünf Uhr die der Verdauung und danach beginnt die Säuberung des Körpers." Während dieser Zeit sollten nur sehr leicht verdauliche Nahrungsmittel aufgenommen werden. Auf seine geliebte Schokolade am Abend muss Thomas Partzsch nicht verzichten.

Ein Grund, sportlich kürzer zu treten, ist die 65 für den disziplinierten Genussmenschen nicht. Seine Frau Gabriele, die seine Leidenschaft zum großen Glück für ihn teilt, hat ihn gefragt, was viele andere womöglich auch nicht verstehen: "Du hast doch alles erreicht. Wieso quälst du dich jetzt noch?" "Wieso nicht?", antwortet Thomas Partzsch dann. Er braucht Bewegung, er braucht ein Ziel. Und ja, er braucht den Erfolg. In 14 Tagen fährt er nach Zittau zur Europameisterschaft. Anderthalb Wochen wird er dort sein. Die 100 Meter - "da hab ich keine Chance" - sind sein Warmlaufen. Über 300 Meter Hürden will der Döbelner genauso ins Finale kommen wie über 400 Meter. Sein großes Ziel: "Eine Einzelmedaille. Und in die deutsche 4x400-Meter Staffel kommen." Auch über die 800 Meter will Partzsch das Finale erreichen.

Es werden anstrengende Tage, auf die er sich freut. Doch genauso froh ist er, wenn es vorbei ist. Denn von Abgeklärtheit ist beim erfolgreichen Unternehmer auch trotz fortgeschrittenen Alters keine Spur. Im Gegenteil. "Ich bin immer ganz schrecklich aufgeregt", gibt er zu und scheint das Gefühl kurz vor dem Start gerade noch einmal zu durchleben. Seine zitternden Hände versucht er auf die Startlinie zu pressen, die Beine sind wie Gummi, scheinbar kraft- und saftlos und überhaupt nicht in der Lage, sich aus dem Startblock zu drücken. Dass es sein Ehrgeiz ist, der ihm an dieser Stelle die Kraft raubt, weiß Thomas Partzsch. Er arbeitet daran. "Ich will meine Verbissenheit in andere Bahnen lenken." Im Training, wenn er im Stadion Bürgergarten den Hürdenwagen über die Tartanbahn zieht, um seine Hindernisse aufzubauen, spricht er mit sich, sagt sich: "Thomas bleib locker..." Ob es beim nächsten Wettkampf funktioniert - er wird es bald wissen.

Doch keine noch so große Aufregung in Zukunft kann Thomas Partzsch nehmen, was er bis jetzt schon erreicht hat. Auf dem obersten Treppchen zu stehen, die Nationalhymne zu hören, zu sehen, wie die deutsche Flagge gehisst wird. "In diesem Moment siehst du all die kleinen Trainingseinheiten, in denen du an deiner Grenze warst, wieder vor dir." Es muss ein unbeschreibliches Gefühl sein. Für Thomas Partzsch ist es das und er steht dazu, dass er sich diesen Moment immer wieder mal gern auf DVD anschaut, abends vor dem Zubettgehen. Im Schlafanzug führt er auch sein Trainingsbuch, handschriftlich, akribisch. Jede Einheit an jedem Tag ist notiert, jede Zeit. Und auch jede der drei Operationen, denen er sich vor seinem WM-Titel unterziehen musste, weil Leiste, Knie und Muskeln beim Sport gelitten hatten. Das Buch ist groß und dick - wie viele Seiten sind noch leer?

Thomas Partzsch lacht. "Ich glaube nicht, dass ich dieses Buch komplett füllen werde." Diese Worte sind kein Signal für ein baldiges Ende seiner sportlichen Karriere. "Darüber denke ich nicht nach, absolut nicht." Dafür ist diese späte Liebe wohl etwas zu groß. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Thomas Partzsch! Manuela Engelmann

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