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Dönerstreit im Amtsgericht: Afghane aus Oschatz soll Türken in Döbeln bedrängt haben

Prozess am Amtsgericht Dönerstreit im Amtsgericht: Afghane aus Oschatz soll Türken in Döbeln bedrängt haben

23 Jahre alt, gepflegte Erscheinung, perfektes Deutsch: So präsentierte sich am Donnerstag ein in Oschatz lebender Afghane im Amtsgericht Döbeln. Das musste klären, ob er bei dem Versuch, seiner Mutter zu helfen, ein Verbrechen in Döbeln begangen hat. Es ging um Geld, das die Frau für einen Dönerladen in der Döllnitzstadt bezahlt hatte und zurückhaben wollte.

Einem 23-jährigen Afghanen aus Oschatz lagt räuberische Erpressung zur Last. Er soll von einem Türken in dessen Dönerladen in Döbeln Geld gefordert und ihn mit dem Tod bedroht haben.

Quelle: Dirk Wurzel

Döbeln/Oschatz. Döner, Burger, ein Verbrechen – das gab es am Donnerstag im Amtsgericht Döbeln. Wobei das Fast Food nur am Rande eine Rolle spielte.

Ein junger Afghane aus Oschatz habe ein Verbrechen begangen, als er seiner Mutter helfen wollte. Die hatte von einem Türken aus Döbeln einen Dönerladen in Oschatz abgekauft. Wollte dann aber den Kaufpreis – es standen 50 000 Euro im Raum – vom Türken aus Döbeln wiederhaben. Also sei der junge Mann in den Dönerladen des Türken in Döbeln gefahren und habe das Geld zurückgefordert. Dabei sei er leicht handgreiflich geworden und habe zu dem Mann gesagt, er werde wiederkommen, Sachen in seinem Laden an der Döbelner Bahnhofstraße zerstören und ihn töten. Der Türke zahlte nicht, sondern ging zur Polizei. So kam eine Anklage der Staatsanwaltschaft Chemnitz zustande, die dem 23-jährigen Afghanen versuchte räuberische Erpressung vorwarf. Das ist ein Verbrechen, weil das Gesetz dafür mindestens ein Jahr Haft als Strafe vorsieht. Bei Verbrechen ist auch immer der Versuch strafbar. Auf diese Unterscheidung der Straftaten in Verbrechen und Vergehen sollte es zu einem späteren Zeitpunkt im Prozess noch mal ankommen.

Lieber zwei Ohrfeigen als Strafverfahren

„Ich war mit meinen Kumpels unterwegs in Döbeln, wollte das Gespräch führen, um wenigstens einen Teil des Geldes zurückzubekommen. Da wurde er laut und hat mit den Händen rumgefuchtelt“, sagte der Angeklagte in fließendem und fehlerfreiem Deutsch. Richterin Karin Fahlberg, die Vorsitzende des Schöffengerichtes, sollte später bemerken, dass er „eigentlich das perfekte Bild einer gelungenen Integration abgibt“, bescheinigte ihm aber gleichzeitig, „unverschämt“ zu sein, weil er vor Gericht etwas zu selbstbewusst auftrat. Der junge Mann gab auch den Grund an, weshalb seine Mutter – sie hatte früher für den Döbelner Dönermann gearbeitet – ihr Geld zurückhaben wollte, dass sie sich in der Familie zusammengeborgt hatte: „Dann wurde das Haus verkauft und meine Mutter musste raus. Das hat ihr der Herr O. nicht gesagt.“ Offenbar fühlte sich die Frau ganz schön über den Eimer gehalten und betrogen. Der Dönermann wiederum sagte im Zeugenstand, dass das betreffende Haus in Oschatz seit zwölf Jahren zum Verkauf stünde. Im Grunde bestätigte er den Tatvorwurf aus dem Anklagesatz. Im Nachhinein habe ihn der Vater des Angeklagten besucht, und ihn gefragt, weshalb er seinem Sohn nach dessen Auftritt nicht einfach, ein paar Ohrfeigen gegeben hätte? „Das lösen wir in Deutschland anders“, kommentierte Richterin Fahlberg diesen Vorschlag. An einer Verurteilung wegen räuberischer Erpressung schien der Türke dann nicht sonderlich interessiert. Er wolle nur seine Ruhe vor dem jungen Afghanen haben, sagte er.

Gute Manieren mitunter Fehlanzeige

Nach dem Besuch im Dönerladen seien der Angeklagte und seine Freunde übrigens ins Old-Town-Pub gegangen und haben Burger gegessen. Döner, Burger, ein Verbrechen – am Ende wurde alles nicht so heiß gegessen, wie gekocht. Nach einem Rechtsgespräch mit Rechtsanwältin Mandy Schützel und Staatsanwältin Hock ging das Gericht nicht mehr vom schweren Tatvorwurf der versuchten räuberischen Erpressung, sondern nur von einer Bedrohung aus. Das wiederum ist ein Vergehen und kein Verbrechen. Und deswegen konnten man sich darauf einigen, das Verfahren nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung wegen geringer Schuld gegen Auflage einzustellen. Das geht nur, wenn der Anklage ein Vergehen, wie etwa Bedrohung, zugrunde liegt. Wenn der Afghane 200 Stunden gemeinnützig arbeitet, ist die Sache für ihn erledigt. Ohne Urteil mit Schuldspruch gilt er in dieser Sache weiter als unschuldig und einen Eintrag ins Strafregister gibt es auch nicht.

So wie er sich teilweise gegenüber der Richterin benahm, kann der junge Mann von großem Glück reden, mit dem sprichwörtlichen blauen Auge davongekommen zu sein. Mit seinen 23 Jahren ist er noch immer ohne Ausbildung. Als ihm Karin Fahlberg nahelegte, eine solche zu beginnen, redete er dazwischen, schnitt der Vorsitzenden das Wort ab,und ließ so gute Manieren vermissen.

Von Dirk Wurzel

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