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Döbeln Dorfkirche in Ringethal beherbergt Sachsens kleinste Silbermann-Orgel
Region Döbeln Dorfkirche in Ringethal beherbergt Sachsens kleinste Silbermann-Orgel
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00:37 09.10.2015
Christiane Marie Sander mag die kleine Silbermann-Orgel – auch weil sie für die Organistin eine Herausforderung und Abwechslung zur großen Mittweidaer Orgel ist. Quelle: Sven Bartsch
Ringethal

Es gibt Orgeln wie in Mittweida, die zu den sieben größten in Sachsen gehört – mit 5200 Pfeifen und 72 Registern, wo jeder Ton im hohen Kirchenschiff 6,5 Sekunden lang nachhallt. Und es gibt die Silbermann-Orgel in Ringethal mit 266 kleinen Pfeifen, sechs Registern und null Echo. Beide bespielt die Mittweidaer Kantorin Christiane Marie Sander regelmäßig. Ihr Fazit: „Die kleine Orgel ist viel schwerer zu spielen, weil die Tasten so kurz und klein sind. Man muss ganz akkurat spielen, dass man keine Streiftöne bekommt, weil die Tasten sofort ansprechen. Das ist wie nackt Spinett spielen“, scherzt sie – eben ganz vorsichtig.

Eigentlich ein Kompliment für Orgelbauer Gottfried Silbermann. Denn schließlich hat er das Instrument bereits 1725 gebaut und dennoch klingen – nach einigen Instandsetzungen, zuletzt 1995 – alle Töne wie am ersten Tag. Dass die Orgel derart klein geriet, lag am von Historikern vermuteten Auftraggeber Christoph von Poigk. Der Kammer- und Bergrat lebte zu dieser Zeit im Ringethaler Schloss gleich neben der Ortskirche gelegen und es wird davon ausgegangen, dass die Orgel zunächst in der Schlosskapelle gestanden hat. Da diese viel kleiner ist als jede Kirche, musste das Instrument die passenden Ausmaße haben. Erst 1762 gelangte das Instrument in die Kirche – damals noch in den heute 800 Jahre alten Ostbau des Gotteshauses. Seit 1964 steht sie auf der Empore des Westanbaus.

Die Größe der Orgel hat zudem etwas mit den musikalischen Gegebenheiten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu tun, wie Kantorin Sander erklärt: „Von der Musikgeschichte her ist man hier beim frühen Bach. Die großen Werke der Romantik, die alle Töne bis F brauchten, kamen erst 150 Jahre später. Eine F-Dur-Toccata von Bach könnte man hier gar nicht spielen. Da ist schon das Pedal zu klein.“
Und selbst dieses Pedal, mit dem die Basspfeifen der Orgel gespielt werden, ist nicht original, sondern wurde 1842/43 von Christlieb Ladegast hinzugefügt. Ansonsten ist die Orgel aber original erhalten und eigne sich sehr gut für die alten Meister wie Samuel Scheidt, Johann Jakob Froberger oder Girolamo Frescobaldi, meint Sander. „Es ist eben ein Instrument für den Privatgebrauch“, sagt sie.

Was die Ringethaler aber nicht davon abhält, in Strömen zu Konzerten und besonderen Anlässen wie Weihnachten zu kommen. „Es ist eine Festgemeinde. Sie definieren sich über die Orgel. Das heißt nicht, dass sie immer sonntags 8.30 Uhr zum Gottesdienst kommen und sagen ,Ich höre heute die Silbermann-Orgel‘. Da bleiben sie im Bett. Aber zu Festen sitzen hier 150 Leute“, erklärt Sander.

Und für die Bedingungen der kleinen Kirche reiche das Instrument durchaus aus, sagt die 44-Jährige. „Wenn ich alle Register ziehe, kommt schon etwas raus“, sagt sie und meint es im ursprünglichen Wortsinn. Schon hat sie die sechs Registerzüge aus dem Holzkorsett der Orgel gezogen und erfüllt das kleine Kirchenschiff mit einem aus dem Bauch heraus gespielten Stück. „Wenn ich in Mittweida alle 72 Register ziehe, dann bebt die Kirche“, sagt sie und lacht. Und für Konzerte mit anderen Musikern, die Oboe, Trompete oder Blockflöte spielen, sei die Silbermann-Orgel dank ihrer wohltemperierten Stimmung ebenfalls sehr gut geeignet.

Trotz der besonderen kleinen Orgel, die sie zu rund 30 Gottesdiensten und sechs Konzerten im Jahr spielt, sitzt Christiane Marie Sander auch gern an der großen Mittweidaer Orgel. Mit der tollen Akustik und mehreren Manualen (Tastaturen) lassen sich die großen Konzerte spielen. Damit hat sie sich vor fünf Jahren, als sie nach Mittweida kam, einen Traum erfüllt. Nach dem Studium in Halle und einem kurzen Aufenthalt in Burgstädt spielte sie elf Jahre lang auf einer elektronischen Orgel in Chemnitz. „Es war überreif, dass ich etwas Neues probiere“ erzählt sie. Und das Neue sollte etwas Altes sein. „Für mich war Mittweida als traditionsreiche Stadt ein Anreiz. Die Kantorei feiert in diesem Jahr 425-jähriges Bestehen. Das fortzuführen, ist mir wichtig.“

Der Reiz, anderswo an berühmten Instrumenten zu spielen, ist da gar nicht so groß. Da sie das ganze Jahr über spielt oder probt – sie spielt auch Klavier, Blockflöte, Posaune und Cello und leitet den Gemeindechor – nimmt sie sich im Urlaub eine Auszeit vom Musizieren. „Nur eine kurze halbe Stunde zu üben und zu musizieren wäre mir zu wenig. Ich will mich auf ein Instrument richtig einlassen können. Darum bin ich nicht so der Orgelhopper“, erklärt sie. „Ich brauche auch mal Stille.“

Sebastian Fink

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