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Döbeln Drogen im Kühlschrank – Waffen in der Vitrine: Landgericht verurteilt Dealer aus Raum Ostrau
Region Döbeln Drogen im Kühlschrank – Waffen in der Vitrine: Landgericht verurteilt Dealer aus Raum Ostrau
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Das Landgericht Chemnitz hat den Prozess um Drogen und Waffen im Raum Ostrau nun mit einem Urteil abgeschlossen. Quelle: dpa
Chemnitz/Ostrau

Drei Jahre Haft für bewaffneten Drogenhandel. So lautet das Urteil der 6. Großen Strafkammer des Landgerichtes Chemnitz für einen 22-Jährigen aus dem Raum Ostrau. Es ist nicht rechtskräftig.

„Angesichts dessen, was Crystal in der sächsischen Gesellschaft anrichtet – die Kosten für die Behandlung, für die Unterbringung der Kinder von Abhängigen, die ganzen sozialen Folgen – kann die Rechtsprechung nicht anders, als erhebliche Zeichen zu setzen“, sagte Richter Kay-Uwe Sander, Vorsitzender der 6. Großen Strafkammer, als er deren Urteil begründete. Die Kammer nahm einen minder schweren Fall des bewaffneten Drogenhandels an und konnte so vom üblichen Strafrahmen abweichen, der bei fünf Jahren Haft beginnt. Der 22-Jährige hatte keine scharfe Schusswaffe gehabt, sondern eine Schreckschusspistole, dazu Wurfsterne und ein Messer. Die Drogen im Kühlschrank – die Waffen in der Vitrine der Schrankwand in der Stube: Diese Sachlage fand die Polizei vor, als sie die Wohnung am 22. Juni durchsuchte. Etwa 78 Gramm Crystal mit einem Wirkstoffgehalt von 48,25 Gramm Methamphetamin fanden die Beamten neben den Waffen. Da klickten gleich die Handschellen. Seitdem sitzt der junge Mann in Untersuchungshaft.

Verteidiger sehen keinen bewaffneten Drogenhandel

Den Tatbestand des bewaffneten Drogenhandels sah Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich, der den 22-Jährigen gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas H. Fischer verteidigte, nicht verwirklicht. „Von den Anklagevorwürfen hat sich gar nichts bestätigt, außer der Besitz des Crystals. Um an die Waffen zu gelangen, hätte unsere Mandant in einen anderen Raum gehen müssen, er konnte nicht gleichzeitig auf Betäubungsmittel und Waffen zugreifen“, sagte Rechtsanwalt Göddenhenrich und begründete dies mit einer Entscheidung des 3. Strafsenats des Bundesgerichtshofes (BGH). Demzufolge muss ein Täter „sowohl die Waffe als auch das Betäubungsmittel dergestalt in der Verwahrung halten, dass ihm der gleichzeitige Zugriff hierauf möglich wäre.“ Für Martin Göddenhenrichs Verteidigerkollegen Fischer hatte der gemeinsame Mandant gar nicht mit dem Crystal gehandelt. „Es wurden weder Cliptütchen noch eine Waage gefunden. Es deutet zudem nichts daraufhin, dass mein Mandant in seiner Wohnung Drogen vertickt hat“, sagte Rechtsanwalt Fischer und beantragte wie sein Kollege, den 22-Jährigen „nur“ wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu anderthalb Jahren Haft mit Bewährung zu verurteilen.

Einbrecher bringen Ermittlungen ins Rollen

Die Kammer sah das anders. „Wir haben überhaupt keinen Zweifel, dass die aufgefundene Menge Crystal dazu diente, um gewinnbringenden Handel zu treiben“, sagte Richter Sander. Sehr aufschlussreich seien dabei die Ergebnisse der Telefonüberwachung. Diese lieferte zwar in der Zahl wenig Indizien, da ein Großteil der Kommunikation über verschlüsselte Kanäle lief. „Es gibt aber auch Telefonate, in denen sich ein Abnehmer des Angeklagten verabredet, dass er vorbei kommen will, weil er gerade müde ist. Das sind typische Formulierungen, wenn es um Rauschgift vom Typ Crystal geht“, sagte der Vorsitzende. Außerdem sprach er die Aussage des Belastungszeugen an, der die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte. Dieser Zeuge hatte gemeinsam mit einem Komplizen einen Einbruch in die Wohnung des Dealers begangen, wo sie 13 000 Euro – vermutlich Drogengeld – stahlen, die im Kopfkissen versteckt waren. Bei der Polizei und in zwei Gerichtsverhandlungen, einmal als Angeklagter im Amtsgericht Döbeln und dann als Zeuge im Landgericht, hatte der Mann von dem Einbruch erzählt und auch den Kundenkreis des Dealers benannt. Dieser habe unter anderem Konsumenten in Hartha und Waldheim mit Stoff versorgt.

Ortstermin nicht notwendig

Für die 6. Große Strafkammer lagen Waffen und Drogen zudem nah beieinander. „Es wäre Ihnen ein Leichtes gewesen, die Waffen zu erreichen, um die Betäubungsmittel zu verteidigen“, so der Vorsitzende. Rechtsanwalt Göddenhenrich wollte das eigentlich in einem Ortstermin in der Wohnung klären. Aber die Kammer hatte den entsprechenden Beweisantrag abgelehnt. Begründung: Die Polizeifotos vom Tatort sind so gut und aussagekräftig, dass sich ein Ortstermin erübrigt.

Von Dirk Wurzel

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