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Drogendealer auf dem Kaufland-Parkplatz niedergestochen

Döbelner Schöffengericht verhandelt: Drogendealer auf dem Kaufland-Parkplatz niedergestochen

Körperverletzung mit einem Messer, gemeinschaftliche Sachbeschädigung, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, gegen das Waffengesetz und gegen das Sprengstoffgesetz – die Liste der Vorwürfe von Staatsanwalt Detlef Zehrfeld gegen einen Döbelner aus dem Drogenmilieu ist lang.

Das Döbelner Schöffengericht verhandelt gegen einen Tatverdächtigen aus dem Milieu wegen Körperverletzung.

Quelle: dpa

Döbeln. Nach größeren Zugriffen und polizeilichen Ermittlungsverfahren in der Crystal-Szene der Region Döbeln landet nun eine Welle mit 150 großen und kleineren Strafverfahren vor dem Amtsgericht Döbeln. Auch die Straftat, die am Montag vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Karin Fahlberg verhandelt wurde, spielt in der Szene. Das Opfer ist der 33-Jährige Frank M.. Er wird in Hand und Fußfesseln aus der Justizvollzugsanstalt Waldheim vorgeführt. Dort sitzt er voraussichtlich bis 2020 wegen Einfuhr und Handel mit Drogen in Haft. Am 30. Juni 2015 war er auf der A 17 kurz nach der Wiedereinreise aus Tschechien mit einer größeren Menge Crystal erwischt worden und sofort in Untersuchungshaft gekommen. Ein paar Wochen vorher, am 19. Mai 2015, war er auf dem Kaufland-Parkplatz in Döbeln niedergestochen worden. Dafür musste sich gestern Heiko S. (35) vor dem Schöffengericht verantworten. Gemeinsam mit seinem Bruder Sven soll er an jenem Abend, gegen 22.15 Uhr, auf den Döbelner Drogendealer losgegangen sein. Vorausgegangen waren wüste Beschimpfungen von einem nahen Balkon. Danach waren die beiden Brüder mit Fahrrädern zum Parkplatz gekommen.

„Ich sah, dass Heiko S. ein Messer in der Hand hatte, konnte ihn aber an beiden Händen festhalten. Von der anderen Seite kam sein Bruder, der ebenfalls ein Messer aus seinem Rucksack holte. Ich schubste den Einen weg, um mich gegen den Anderen zu wehren. Dabei spürte ich von Heiko S. einen Schlag in die Seite. Als ich dahin griff, spürte ich, wie mir das warme Blut aus der Wunde über die Hand lief. Von der anderen Seite kam Sven S. gesprungen und ich bekam einen heftigen Faustschlag ins Gesicht. Ich ging zu Boden, trat den Rückzug an und versuchte krampfhaft mir die beiden mit ihren Messern vom Hals zu halten und eine Softairwaffe aus meiner Jackentasche zu fummeln“, schilder Frank M.. Als er die Pistole schließlich in der Hand hält, kann er sich seine Angreifer vom Hals halten. Er schießt mehrmals auf sie und die Männer fliehen. Ein Audi-Fahrer, mit dem er vor dem Angriff länger auf dem Parkplatz geschwatzt haben will, bringt ihn ins Krankenhaus, wo die Wunde genäht und versorgt wird. Innere Organe wurden bei dem Stich zum Glück nicht verletzt.

Die Angreifer zerlegten im Anschluss noch das Quad, mit dem Frank M. bei Kaufland vorgefahren war. Sie traten die Verkleidungen kaputt und schlitzten alle vier Reifen auf. Die Lebensgefährtin, der das Fahrzeug gemeinsam mit einem ihrer jugendlichen Sohne gehört, trat im gestrigen Verfahren als Nebenklägerin auf, denn die Schäden an dem Fahrzeug sind bis heute nicht beglichen.

Zudem sollen Heiko S. und sein Bruder nach der Messerstecherei am Kaufland auch die Familie von Frank M. bedroht und einen der jugendlichen Stiefsöhne geschlagen haben. Dazu gibt es ein eigenes Verfahren. „Ich wollte erst keine Aussage machen. Doch das alles hat mit Loyalität in der Szene nichts mehr zu tun, wenn es an die Familien geht. Vielleicht war es ganz gut, dass ich zu der Zeit im Knast saß, sonst hätte ich das anders geregelt und säße jetzt vielleicht lebenslänglich“, so das Opfer. Hintergrund der Auseinandersetzungen sollen Drogenschulden gewesen sein, welche die Täter bei ihrem Opfer gehabt haben sollen.

Verantworten musste sich Heiko S. gestern nicht nur wegen Körperverletzung und gemeinschaftlich begangener Sachbeschädigung. „Bei einer Wohnungsdurchsuchung kurz nach der Tat wurden eine kleine Menge Tabak-Marihuana-Mischung, eine kleine Menge-Heroin sowie eine Extasy-Tablette gefunden“, schildert Carsten R. Sachbearbeiter der Kripo Chemnitz im Zeugenstand. Außerdem wurden ein Teleskopschlagstock und verbotene Pyrotechnik gefunden. Er muss sich also zusätzlich wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, gegen das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz verantworten.

Weil eine wichtige Zeugin am Montag fehlte und ein weiterer Zeuge noch vorgeladen werden soll, wird das Verfahren fortgesetzt.

Von Thomas Sparrer

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