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Döbeln Drogenhandel in Leisnig: Dealer kommt mit Bewährung davon
Region Döbeln Drogenhandel in Leisnig: Dealer kommt mit Bewährung davon
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00:18 09.10.2016
Crystal spielt auch in Leisnig eine Rolle in der Drogenszene. Quelle: dpa
Döbeln/Leisnig

Die Droge Crystal hat einmal mehr das Amtsgericht Döbeln beschäftigt. Das Schöffengericht verurteilte am Donnerstag einen jungen Mann aus dem Raum Leisnig wegen Drogenstraftaten zu zwei Jahren Haft mit Bewährung. Er hatte nach Überzeugung des Gerichtes in Leisnig 34 Mal jeweils geringe Mengen Crystal und Marihuana verkauft und sich damit des Vergehens des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln strafbar gemacht. Außerdem besaß der Deutsche 35 Gramm Methamphetamin mit einem Wirkstoffgehalt von rund 18 Gramm. Das sind 13 Gramm mehr, als der Bundesgerichtshof als geringe Menge ansieht. Somit sprach das Gericht den Deutschen auch des Verbrechens des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge schuldig und bildete eine Gesamtstrafe. Die Bewährungszeit dauert zwei Jahre.

Großdealer singt und belastet Kleindealer

„Sie haben in erheblichem Maße mit Drogen gehandelt“, sagte Richterin Karin Fahlberg, Vorsitzende des Schöffengerichtes, als sie dessen Urteil begründete. Das Geständnis des Angeklagten stufte das Gericht als glaubhaft ein. Rechtsanwalt Enrico Brand verteidigte den Endzwanziger und hatte bereits vor der öffentlichen Hauptverhandlung eine Verfahrensabsprache angeregt. Ziel: Für ein Geständnis verurteilt das Gericht seinen Mandanten zu einer Haftstrafe von höchstens zwei Jahren mit Bewährung. Verteidiger Brand, Staatsanwältin Angelika Rickert, Richterin Fahlberg und ihre beiden Schöffen zogen sich kurz zur Beratung zurück und an deren Ende stand der „Deal“. Der Angeklagte schilderte, wie er zu dem Drogenhandel kam: „Ich habe zu der Zeit selbst Drogen konsumiert und auf Arbeit nicht viel verdient. Ich wollte mein Einkommen aufbessern.“ Das Crystal bezog er zunächst von einem Mann aus Waldheim, der im relativ großen Stil damit handelte. Als die Polizei diesen Dealer hops genommen hatte, gab er umfassend Auskunft zu seinen Abnehmern. Diese Gesprächigkeit hat bereits vielen Konsumenten und Kleindealern Ärger mit der Strafjustiz eingebracht. Als der Waldheimer dann schließlich in U-Haft saß, bezog der Angeklagte den Stoff aus einer anderen Quelle.

Schnelle Füchse und Pfefferminztee

Die Polizei überwachte zudem die Telekommunikation des jungen Mannes aus der Region Leisnig. Richterin Fahlberg hielt ihm einige der Kurznachrichten vor, mit denen der Angeklagte über sein Mobiltelefon Kontakt zu seinen „Kunden“ hielt. Bei diesen handelt es sich um insgesamt fünf Personen, darunter einige gerichtsbekannte Namen. Die schrieben verschlüsselt, dass sie „Zucker“ oder „was Schnelles“ wollten, wenn es um Crystal ging. „Pfefferminztee“ stand für Marihuana. Als „Füchse“ bezeichneten die Abnehmer 50-Euro-Scheine. „Zwei schnelle Füchse hieß demnach, dass jemand Crystal für 100 Euro kaufen wollte. Als die Polizei im Januar 2015 die Wohnung des Angeklagten durchsuchten, fanden die Beamten die 35 Gramm Crystal, ein bisschen Gras und Haschisch sowie rund 1800 Euro Bargeld.

Der Prozess zeigte auch, dass die Droge Crystal keine Erscheinung in gesellschaftlichen Randgruppen ist. Der nicht vorbestrafte junge Mann hatte während seiner kriminellen Aktivitäten eine Arbeit. Er hat eine abgeschlossene Berufsausbildung und geht auch jetzt arbeiten. „Wer Sie hier vor sich hat, würde nicht auf die Idee kommen, dass Sie ein Dealer sind“, sagte Staatsanwältin Rickert in ihrem Schlussvortrag. „Das ist die typische Konstellation des Kleindealers“, sagte sie und hielt dem Angeklagten zugute, dass er nur „erwachsene Leute verkauft hat, die wissen was sie tun.“ Im Knast wollte Angelika Rickert den jungen Mann nicht sehen.

Anklage lag erst beim Landgericht

Der junge Mann nimmt heute keine Drogen mehr. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Bei Urteilen, die auf Verfahrensabsprachen beruhen, dürfen Staatsanwaltschaft und die Verteidigung nicht sofort erklären, auf Rechtsmittel zu verzichten. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft die Sache am Landgericht Chemnitz angeklagt, weil sie mit einer Straferwartung von vier Jahren plus X angetreten war. Dass es dann für den Angeklagten doch nicht so dicke kam, lag an der juristischen Einschätzung des Landgerichtes. Das hatte die Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht im Amtsgericht Döbeln eröffnet, das Strafen bis zu vier Jahren Haft verhängen darf. Die Strafprozessordnung erlaubt das, wenn ein höheres Gericht – in diesem Fall das Landgericht Chemnitz – auch ein niedrigeres Gericht – hier das Amtsgericht Döbeln – für die eingereichte Anklage als zuständig erachtet.

Von Dirk Wurzel

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