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Döbeln Dürre um Döbeln setzt Bauern zu
Region Döbeln Dürre um Döbeln setzt Bauern zu
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15:16 24.07.2018
Für die Ernte bietet die Trockenheit eigentlich beste Bedingungen. Jedoch hat sie auch zu erheblichen Minderherträgen, wie beim Raps, geführt. Quelle: Sven Bartsch
Region Döbeln

Der Hanf scheint die Hitze gut zu vertragen. Bis jetzt zumindest. „Allerdings bauen wir diesen erstmalig an. Genauere Angaben sind darum erst nach der Ernte möglich“, sagt Dr. Heinz Schönleber. Der Littdorfer Landwirt hat in der Region cannabis sativa angepflanzt, so der lateinische Name des indischen Hanfes. Das hat Seltenheitswert in der Region Döbeln. Die Pflanzen auf Schönlebers Feldern enthalten so gut wie kein Tetrahydrocannabinol (THC). Dieser berauschende Wirkstoff hat die Hanfpflanze berühmt-berüchtigt gemacht. Ihr vielfältiger Nutzen geht aber weit über die Dröhnung hinaus. So ist die Pflanze ein wichtiger Rohstoff für die Faserproduktion. Der Hanf auf Heinz Schönlebers Feldern ist für die Medizin gedacht. Wichtig ist dabei ein weiterer Inhaltsstoff, das Cannabidiol. Es könnte als Krebsmittel eine Rolle spielen.

Guter Boden speichert Wasser

Ist beim Hanf noch nicht ganz klar, ob er die Trockenheit verkraftet, so steht es beim Raps fest. Ihm ist die Hitze nicht bekommen. „Wir sind froh, wenn beim Raps die 30 steht“, sagt Iris Claassen, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes (RBV) Döbeln-Oschatz. Damit meint sie den Flächenertrag von 30 Doppelzentnern, neumodisch Dezitonnen, pro Hektar. Der fällt bei diesem Kreuzblütengewächs sonst deutlich höher aus. Wie der RBV festgestellt hat, ist die Weizenernte auch unter dem Durchschnitt – die Ertragseinbußen an Getreide sind aber nicht so dramatisch, wie beim Raps. 80 Doppelzentner pro Hektar gibt Iris Claassen als grobe Angabe an. Das könne sich natürlich noch ändern, da die Ernte nicht abgeschlossen ist. „Beim Getreide haben wir mit unseren guten Böden Glück, da diese viel Wasser aufnehmen können. Im Landkreis Nordsachsen sind die Ertragsausfälle wesentlich größer“, sagt Iris Claassen.

Dürre trifft Silomais und Gras

Richtig übel sieht es aber beim Grünzeug aus. „Da fehlt wegen der Trockenheit der Aufwachs“, sagt die RBV-Geschäftsführerin. Gras verarbeiten die Landwirten zu Silage und verfüttern diese an Rinder und Schweine. „Bei der ersten Mahd kamen nur dreiviertel der üblichen Erträge, bei der zweiten weniger als 50 Prozent“, sagt Iris Claassen. „Beim Silomais fällt der Ertrag auch deutlich geringer aus, als sonst“, ergänzt Heinz Schönleber. Die Folgen: Die Bauern müssen das Futter zukaufen. Nur setzt die Hitze weiten Teilen Deutschlands zu, darunter Sachsen und Brandenburg. So dürfte es schwierig werden, Futter auf kurzem Wege zu bekommen. In Brandenburg ist bereits von drohenden „Notschlachtungen“ die Rede, wobei dieser Begriff irreführend ist. „Der Begriff ist jedoch nicht passend, weil gesunde und genährte Tiere geschlachtet werden, dies aber früher als geplant“, wie Udo Hemmerling, Vize-Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, erläutert. Heinz Schönleber hofft jedenfalls, keine Schweine wegen Futtermangels früher schlachten zu müssen, als dies notwendig ist. Beim Getreide rechnet auch er mit Mindererträgen wegen der Dürre. Wobei das nicht alleine vom Wasser abhängt, sondern auch welche Vorfrucht auf dem betreffenden Schlag stand. Die Getreide-Ernte geht bis auf den Mais auf den Schönleber-Feldern in dieser Woche zu Ende.

Kühe evakuiert

Ein Agrarbetrieb im Landkreis Nordsachsen hat seine Kühe nach Thüringen auf die Weide geschickt. Im Juni und im Juli sind auf den Feldern der Agrar GmbH Wildenhain sechs Millimeter Wasser gefallen. „Ich bin seit 1982 Landwirt“, sagte Matthias Böbel, Geschäftsführer der Wildenhainer Agrar GmbH der LVZ. „Es gab immer Dürrejahre, aber an so etwas kann ich mich nicht erinnern“, so Matthias Böbel.

Regen nicht in Sicht

Nach Monaten mit kaum Regen waren seine Weiden und Wiesen in der Nähe von Leipzig weitestgehend vertrocknet. „Ich hatte einfach nicht mehr genug Futter für alle Tiere“, sagt er. Deshalb kam Böbel auf die Idee, seine Tiere gegen Bezahlung zu einem Landwirt in Thüringen in Pension zu schicken. Denn im benachbarten Bundesland hatte es mitunter mehr geregnet, die Weiden waren zum Teil grün. 160 Mutterkühe hat die zwischen Eilenburg und Torgau gelegene Wildenhainer Agrar GmbH. Zusammen mit den Kälbern sind es sogar 400 Tiere.

Regnen wird es wohl so bald nicht in der Region Döbeln. Am Montag haben die sogenannten Hundstage begonnen und verheißen Hitze satt. Stellenweise soll das Thermometer bis auf 35 Grad Celsius klettern. (mit Kristin Kruthaupt)

Von Dirk Wurzel

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