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Durch Scheibe geworfen – Döbelner Gericht stellt Verfahren ein

Gerangel auf dem Niedermarkt Durch Scheibe geworfen – Döbelner Gericht stellt Verfahren ein

Zwei junge Männer aus der Region Döbeln waren der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Sie sollen einen Mann in eine Schaufensterscheibe geworfen haben. Der wiederum war offenbar zuvor mit einem Totschläger auf einen Freund der Angeklagten losgegangen.

Der Prozess endete nach zwei Verhandlungstagen ohne Urteil.

Quelle: Archiv

Döbeln. Diesen Besuch im Kimmi Dolli werden ein 28-jähriger Döbelner und ein 38-jähriger Roßweiner so schnell nicht vergessen. Sie müssen nämlich viel Geld dafür bezahlen, dass sie strafrechtlich nicht mehr für das belangt werden, was danach passiert ist: Ein Handgemenge auf dem Niedermarkt, bei dem ein Mann in eine Schaufensterscheibe flog und sich schwere Schnittwunden zuzog. Gefährliche Körperverletzung lautete die Anklage. Bei einem Schuldspruch hätte den Männern – beide sehen nicht aus wie die typischen Schläger und gehen geregelten Arbeiten nach – mindestens sechs Monate Freiheitsstrafe gedroht.

Das ist nun vom Tisch, wenn der 38-Jährige 1700 Euro zahlt, davon 1200 Euro an die Diakonie und 500  Euro an den mutmaßlichen Geschädigten. Der Jüngere muss 1500 Euro zahlen, wovon der Förderverein des Harthaer Luther-Gymnasiums 1000 Euro bekommt und der mutmaßliche Geschädigte wiederum 500 Euro. Damit gelten die Männer weiterhin als unschuldig in dieser Sache und einen Eintrag im Strafregister gibt es natürlich auch nicht. Die Strafverteidiger Enrico Brand und Andreas Gumprich stritten engagiert aber konstruktiv für ihre Mandanten, arbeiteten einige Ungereimtheiten heraus. Und brachten noch einen Zeugen auf, der bestätigte, dass sogar ein Totschläger im Spiel gewesen war. Damit, so der Zeuge, habe ihn der Mann auf den Kopf geschlagen, der später durch die Scheibe flog. Der jüngere der beiden Angeklagten sei dazwischen gegangen, der andere habe die Frau des Totschläger-Nutzers festgehalten. Wohl, damit diese nicht auch noch an dem Handgemenge teilnimmt und sich womöglich verletzt. Wohl in einer Abwehrbewegung hat ihn der Zeuge der Verteidigung den Totschläger-Mann gestoßen. Vielleicht hätte ein anderes Gericht, möglicherweise das der höheren Instanz, das Verhalten der Männer als straffreie Notwehr beziehungsweise Nothilfe angesehen. Das wäre aber die sprichwörtliche Taube auf dem Dach. Im Amtsgericht Döbeln verhandelte Strafrichter Janko Ehrlich die Angelegenheit. Und da nahmen die Rechtsanwälte Brand und Gumprich sowie ihre Mandanten mit dem Spatz in der Hand vorlieb, der da juristisch trocken heißt: Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage.

Die Frau des Scheibenseglers war übrigens Auslöser der unheilvollen Ereignisse in jener Novembernacht vor einem Jahr. „Mein Mandant saß mit dem Mitangeklagten und einem weiteren Mann im Kimmi Dolli. Sie unterhielten sich ausgelassen und hatten Spaß. Dann kam die Frau an den Tisch und fragte die Männer, warum sie sich über sie lustig machen. Sie sagten, dass sie einfach nur Spaß haben und die Frau ging wieder“, sagte Rechtsanwalt Enrico Brand, der den jüngeren Angeklagten verteidigte. Später sei dann der jüngere Angeklagte aufs WC gegangen. Als er den Kachelsaal betrat, schlug ihm der Ehemann der Frau mit der Faust ins Gesicht. Der Geschlagene sei daraufhin zum Kimmi-Dolli-Wirt gegangen und habe diesem von dem Vorfall berichtet. Der Gastronom habe den Schläger daraufhin aufgefordert, zu gehen. „Er entschuldigte sich und verließ meinen Laden“, sagte der Kneiper als Zeuge aus.

Draußen gab es weitere Wortgefechte und schließlich das Handgemenge, das in der Schaufensterscheibe endete. Für den Verletzten könnte die Sache auch noch ein strafrechtliches Nachspiel haben: Jemanden mit einem Totschläger auf den Kopf zu hauen, ist quasi der Klassiker unter den Körperverletzungsdelikten, die der Gesetzgeber als „gefährlich“ einstuft und mit dem höheren Strafrahmen versieht, der bei sechs Monaten Haft beginnt.

Von Dirk Wurzel

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