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Döbeln EGD im Maßstab 1:78
Region Döbeln EGD im Maßstab 1:78
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21:32 03.08.2014

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Sie wurden mit einer Stecknadel in den blauen Anstrich geritzt. Beleuchtete Lupe, Mini-Graviergerät, Rasierklinge, Cuttermesser und Pinzette gehören zum Handwerkszeug des Mischützer Bastlers. In der Welt von Gunter Rasper, die am Schreibtisch im ehemaligen Kinderzimmer entsteht, ist alles etwas kleiner, genau genommen im Verhältnis 1:87 (Eisenbahngröße H0).

Einen ganzen Fuhrpark hat sich der 55-Jährige in den vergangenen Jahren zusammengebaut. Der gebürtige Mischützer machte bei der Entsorgungsgesellschaft Döbeln (EGD) seine Lehre als Berufskraftfahrer, arbeitete jahrelang für das Unternehmen und das bis heute, zudem lebte er mit Ehefrau Martina und den Söhnen bis 1994 elf Jahre auf dem Firmengelände.

"Derzeit sorge ich dafür, dass die Chips an die Papiertonnen kommen. Abends, wenn nichts anderes anliegt, widme ich mich meinem Hobby. Ich entspanne mich sozusagen mit meiner Arbeit", schmunzelt Rasper. Kein Paradox für ihn, sondern Notwendigkeit: "Ich baue die EGD als es den Altkreis Döbeln noch gab. Sonst geht das verloren. Ich habe mir vorgenommen, alle Fahrzeuge, die jemals für die Firma unterwegs waren beziehungsweise die ich gefahren habe, originalgetreu nachzubauen - bis hin zu Farbe und Ausstattungsdetails." So entstehen "absolute Einzelstücke mit jeglicher stimmiger Beschriftung". Dafür hat er historische Fotos gesammelt, Kollegen befragt, immer wieder Hinweise zusammengetragen, an manches konnte sich der Kraftfahrer selbst erinnern.

Seit 1998 bastelt der Vater zweier erwachsener Söhne (die zumindest als Kinder das Hobby teilten) immer mal wieder an den Sachen. Angefangen habe es viel früher: Da waren es noch Schwibbögen aus Holz oder Blumenschalen aus Beton, welche er als Schulkind auf der IGA gesehen hatte und mit der ihm eigenen Kreativität nachbaute. "Gemiemelt habe ich schon immer, auch viel mit dem Stabil-Baukasten." Auslöser für das spezielle Hobby war aber der Kauf des ersten Pressmüllfahrzeuges 1990, welches nach acht Jahren von der EGD wieder verkauft wurde. "Ich habe mir gesagt, das baue ich im Modell nach - als Erinnerung. Das war der Anfang der ganzen Sache. Meine Berufsmacke sozusagen." Ein Fahrzeug-Modell, welches es zu kaufen gibt, wird von ihm modifiziert: ein anderes Fahrwerk kommt dazu, die Farbe wird so gestaltet, wie das EGD-Fahrzeug, mit Originalaufklebern und Namenszügen. Nur eben alles winzig. Bald kommt ein W 50 Containerfahrzeug dazu, ein Liaz, Müllauto für Rollcontainer, der ebenfalls so umgebaut und farblich gestaltet wird "wie er auf dem Hof stand". Ein Biomüll-Fahrzeug gesellt sich dazu - die Liste umfasst fast 30 Fahrzeuge.

Die "Jungs" hatten ihrem Vater irgendwann eine Airbrush-Pistole geschenkt, damit das Lackieren einfacher wird. Die gesamte Familie unterstütze das Hobby. "Aber anfassen tun wir nichts", beteuert augenzwinkernd die Ehefrau. Für manch ein Auto braucht es einen ganzen Winter, für andere nicht ganz so lang. Rasper macht vor nichts Halt: Die Fahrerkabine eines Volvo-Modells beispielsweise schneidet er auf, trennt die Schlafkabine ab, setzt alles wieder zusammen, leimt, verspachtelt. "So lange wie die Hände das mitmachen", will der Mischützer seinem Hobby treu bleiben. Die richtige Frau dazu hat er ja schon, beteuert der Bastler immer wieder. Was er noch brauche für seine detailreiche Friemelarbeit? "Ein bissel Ruhe", reiche ihm da. Das Lieblingsmodell des Tüftlers ist ein MAN Containerfahrzeug, das richtig kippen und seinen Arm ausfahren kann. Und doch kein Spielzeug ist. "Schnell ist etwas zerdrückt. Dann fängst du von vorn an. Fällt etwas herunter, ist es weg", so Gunter Rasper. Er hat sogar Spiegel an seinen Fahrzeugen, das findet sich sonst selten. Dafür hat er extra Aufbewahrungskisten für die Fahrzeuge gebaut. Nichts bleibt dem Zufall überlassen.

Das große Ziel: Bis Mitte 2015 soll auf einer 1,15 mal 1,70 Meter großen Platte das gesamte Firmengelände der EGD entstehen - anlässlich seiner 40-jährigen Firmenzugehörigkeit. Büro- und Werkstatt mit Hebebühne und Waschhalle nebst zwei Garagenanlagen sind fast fertig. Die Garagentore selbstverständlich selbst geklebt- Das Pflaster für den Hof ist extra gedruckt worden. Rund drei Meter Zaun fehlen. Das Material liegt fast vollständig vor. Kostenintensiv, aber zu verkraften. Was fehlt, sei Zeit. Und - ein funktionierendes Sperrmüllauto soll noch nachgebaut werden. Das gäbe es als Modell so noch nicht. Die Müllpresse daran soll sich bewegen, man stellt sich der Herausforderung im Detail. "Ich bin die Marktlücke und der Außenseiter", sagt Rasper von sich hinsichtlich seiner Auftritte bei Modellbautagen, denn der Modellbau findet eigentlich in größeren Größen statt, hat ein anderes Thema, "Entsorgung baut keiner. Je mehr Ausstellungen ich besuche, desto mehr werde ich angestachelt." Jüngst erfolgte eine Einladung nach Pilsen in Tschechien, eventuell fahre er mit seinen "Bauwerken" auch zur Hobbymesse nach Leipzig. "Ursprünglich war das Werkeln nur für mich gedacht. Mehr und mehr möchte ich wissen, wie die Außenwirkung ist, ob ich damit auch im Ausland ankomme", wagt Rasper, der sich selbst als "Heimwerker" bezeichnet, einen Blick in die nahe Zukunft.

Natasha G. Allner

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