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Döbeln Ebay-Betrug und noch viel mehr: Leisniger wandert für zwei Jahre und vier Monate hinter Gitter
Region Döbeln Ebay-Betrug und noch viel mehr: Leisniger wandert für zwei Jahre und vier Monate hinter Gitter
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22:16 28.12.2011
Döbeln/Leisnig

Es war ein ganzes Paket an Vorwürfen, das Richter Ehrlich auf dem Tisch hatte und Stück für Stück abarbeitete - am zweiten Verhandlungstag. Zu den diversen Vorwürfen waren bereits Mitte Dezember mehrere Zeugen vor Gericht gehört worden (die DAZ berichtete).

Da war der Vorwurf des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Im Januar dieses Jahres soll Werner H. seiner Ex-Freundin von einem Disko-Besuch bis nach Hause in Leisnig gefolgt sein - mit seinem BMW. Als Freunde sie dort absetzten, war er auf einmal da und wollte sie aus dem Auto zerren. "Er hat versucht, sie aus dem Auto zu ziehen, und ich habe versucht, sie wieder herein zu ziehen", schilderte eine Zeugin. Doch deswegen hatte sich Werner H. nicht zu verantworten, sondern weil er mit dem Auto gefahren sein soll - ohne Führerschein.

Das zweite Paket auf dem Verhandlungstisch am Amtsgericht: fünf Fälle von Betrug. Es geht um Internet-Geschäfte per Ebay. Werner H. wurde vorgeworfen, Scheingeschäfte getätigt zu haben. Er hatte auf einer Ebay-Seite vermeintlich wertvolle Silbermünzen angeboten sowie eine Medaille, einen angeblich echten Leninorden, einen Orden der UdSSR sowie eine Briefmarkensammlung. Fünf Geschäfte kamen so zustande. Die ahnungslosen Käufer überwiesen brav ihr Geld, bekamen aber nichts dafür. Das Angebot sei realistisch dargestellt gewesen, sagte einer der Geschädigten, ein Polizeibeamter, gestern aus. Daher habe er die 1720 Euro überwiesen. Wie Richter Ehrlich anhand von Bankauskünften darlegte, war das Geld auch auf Werners Konto angekommen.

Aus diesen Vorwürfen, Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie gewerbsmäßiger Betrug in fünf Fällen, schnürte der Richter auch wegen des stattlichen Vorstrafenregisters eine ordentliche Strafe. Fahren ohne Fahrerlaubnis in mehreren Fällen - teilweise verbunden mit Trunkenheit am Steuer, Diebstahl-Verfahren, vorsätzliche und gefährliche Körperverletzungen, Beleidigung, Betrug, uneidliche Falschaussage, Urkundenfälschung. Der Lappen ist schon lange weg, Werner H. weiß, wie ein Gefängnis von innen aussieht und er ist auf Bewährung.

Sie gehe fest davon aus, dass er das Auto in jener Januar-Nacht ohne Führerschein gefahren hat, sagte Staatsanwältin Rickert. Die Betrugsfälle gründeten offensichtlich auf Scheinverkäufen, der Angeklagte habe nie irgendwelche Orden oder wertvolle Münzen besessen. Nachdem sich die Geprellten beschwerten, habe Werner H. erst verschiedene Ausreden erfunden - bis hin zum just verstorbenen Opa - um dann den Kontakt mit den Betrogenen abzubrechen. Zwei Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung waren für die Staatsanwältin daher das rechte Maß sowie eine Verlängerung der Führerscheinsperre. Und sie setzte noch eins obendrauf: Werner H. lasse trotz bestehender Verurteilung und laufender Bewährung keine Besserung erkennen. "Wenn das so weiter geht, müssen sie mit einem Haftbefehl wegen Wiederholungefahr rechnen."

Die Rechtsanwältin des Angeklagten versuchte dennoch, den Spieß umzudrehen. Der Angeklagte habe keinen Zugriff auf den E-Mailverkehr gehabt. Ihm könne nicht nachgewiesen werden, dass er etwa die Silbermünzen zum Verkauf gestellt habe. Die Verteidigung führte einen Hermes-Fahrer an - den Bruder einer Ex-Freundin von Werner H. Der habe seine Finger bei alldem im Spiel und wolle sich an Werner H. rächen. Das Fahren ohne Fahrerlaubnis könne Werner H. nicht nachgewiesen werden - und daher müsse es in allen Anklagepunkten Freispruch geben.

Richter Ehrlich sah die Sache anders. Mit Blick auf das Fahren ohne Führerschein könne man davon ausgehen, dass Werner H. der Fahrer war. "Da muss man nur eins und eins zusammenzählen." Hinsichtlich der fünf Betrugsfälle stellte Ehrlich fest, dass der Angeklagte vor Gericht nie Wert auf die Feststellung gelegt habe, dass die Ware von ihm abgeschickt wurde. Zudem habe Werner H. ja auf die Beschwerden seiner Ebay-Kunden reagiert und zunächst Gründe für den Lieferverzug angegeben. Die Betrugsfälle nunmehr einem Hermes-Fahrer in die Schuhe schieben zu wollen, sei etwas dreist. Zumal dessen Internet-Zugang mit einigen der Betrugsfälle rein gar nichts zu tun habe. Und: Dann sind da noch ähnlich gelagerte Betrugsfälle von Werner H. in der Vergangenheit.

Das Mindestmaß für gewerbsmäßigen Betrug könne nur angewandt werden, wenn vorher nichts war, wenn es ein Geständnis und eine Rückzahlung gibt, erläuterte Richter Ehrlich. Alles Fehlanzeige. Deshalb: zwei Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe, ohne Bewährung. Werner H. kann Berufung einlegen. Doch der Richter erinnerte an die Warnung der Staatsanwältin. "Es kann sein, dass Sie mal ganz schnell woanders sind", sagte Ehrlich mit Blick auf die Möglichkeit eines sofortigen Haftbefehls wegen Wiederholungsgefahr.* Name geändert

Björn Meine

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