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Döbeln Ehemalige politische Häftlinge kehren zur Gesprächsrunde nach Waldheim zurück
Region Döbeln Ehemalige politische Häftlinge kehren zur Gesprächsrunde nach Waldheim zurück
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16:39 04.04.2016
In der heutigen JVA-Waldheim saßen in der DDR-Zeit auch politische Häftlinge. Quelle: Dirk Wurzel
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Waldheim

Mit Thomas Ammer und Hans-Joachim Gäbler erinnert die JVA Waldheim am Donnerstag an die Zeit, als sie noch nicht als moderne Haftanstalt bestmöglich versuchte, Straftäter auf ein normales Leben vorzubereiten. Unter dem Titel „Wer nichts wagt kommt nicht nach Waldheim! Politische Haft in der frühen DDR“ kommen Thomas Ammer und Joachim Gäbler unter der Moderation von Friedemann Schreiter ins Gespräch.

Die beiden Herren gehörten in ihrer Jugend Widerstandsgruppen gegen das SED-Regime an. Thomas Ammer gehörte zum Eisenberger Kreis, einer der größten Widerstandsgruppen in der Geschichte der DDR. Im Frühjahr 1953 flogen mehrere Mittelschüler von der Eisenberger Oberschule. Sie hatten nichts ausgefressen, sondern waren Mitglieder der Jungen Gemeinde. Mehrer Mitschüler setzten sich unter der Leitung des FDJ-Klassensekretärs erfolglos dafür ein, dass die relegierten Schüler an der Schule bleiben dürfen. Der FDJ-Sekretär ist Thomas Ammer. Erst 1958 flog die Gruppe auf. Prozesse folgten. Thomas Ammer verurteilte das Bezirksgericht Gera wegen „Staatsverrat“ zu 15 Jahren Zuchthaus, von denen er sechs unter anderem im damaligen Zuchthaus Waldheim absaß. 1964 kaufte ihn die Bundesrepublik Deutschland frei. Thomas Ammers Geschichte wirft damit auch ein Licht auf die menschenverachtende Praxis der DDR, vor allem politische Häftlinge zu Freikauf anzubieten und damit begehrte Devisen einzunehmen. Joachim Gäbler gehörte zur Gruppe der Werdauer Oberschüler, die mit Flugblatt-Aktionen auffielen und mit Stinkbomben Veranstaltungen der SED störten. Das war im Jahr 1950. Die Gruppe hatte sich ursprünglich aus Protest gegen die Volkskammerwahl im Oktober 1950 zusammengeschlossen. Am 3. Oktober 1951 begannen die Verhaftungen der einzelnen Gruppenmitglieder. Im Prozess am Landgericht Zwickau wurden sie zu Zuchthausstrafen zwischen zweieinhalb und 15 Jahren verurteilt. Diese Strafe erhielt Joachim Gäbler – damals 18 Jahre alt.

Die Gesprächsrunde am Donnerstag beginnt um 18 Uhr in der JVA Waldheim. Besucher müssen ihren Personalausweis mitbringen und schon ein paar Minuten eher da sein, um „einzuchecken“. Besucher sollten sich unter 0351/ 5 64 15 12 oder wandelnhintergittern@smj.justiz.sachsen.de anmelden.

Von Dirk Wurzel

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