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Döbeln Ein Hof wird wieder Westewitzer Zentrum
Region Döbeln Ein Hof wird wieder Westewitzer Zentrum
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00:18 25.05.2017
Anpacker: Vater Volkmar Krawczyk (M.) und die Söhne Sven (l.) und Torsten wollen das Landgut Westewitz nicht nur rentabel, sondern auch attraktiv gestalten. Dafür ist ein alter Stall (Hintergrund) schon gewichen. Quelle: Fotos: Sven Bartsch
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Westewitz

Es tut sich was auf dem Landgut Westewitz nahe des Fachkrankenhauses Bethanien in Hochweitzschen. Der große, rund 120 Jahre alte Hof ist zuletzt luftiger geworden. Für rund 20 000 Euro haben die Geschäftsführer Torsten und Sven Krawczyk einen alten Stall in der Mitte des Geländes abreißen lassen – auf eigene Kosten, nachdem es mit einem Förderprogramm gemeinsam mit der Gemeinde Großweitzschen nicht geklappt hat. Nur die Grundmauern stehen noch. Diese werden mit dem Bauschutt jetzt ebenerdig aufgefüllt. Rundherum sind schon 1800 Tonnen Mutterboden verteilt und neue Bäume angepflanzt worden. Bald wird es hier einen öffentlich zugänglichen Spielplatz geben.

„Der Hof soll für junge Familien attraktiv sein, die hier wohnen“, sagt Torsten Krawczyk (42) und meint damit nicht nur die drei Familien mit Kindern, die direkt in Wohnungen auf dem Hof leben, sondern alle in Westewitz und Hochweitzschen. Wer das Landgut besucht, kann schon jetzt die ländliche Identität der Region finden. Hier werden Tiere aufgezogen und geschlachtet, weiterverarbeitet und verkauft. Auf 430 Hektar werden Feldfrüchte angebaut, geerntet, verkauft, verfüttert und in der Biogasanlage verstromt. Erst in den letzten Tagen ist die Schlachterei um die Hälfte vergrößert worden. Ein großer Raum wird regelmäßig an die ansässigen Vereine SV Medizin Hochweitzschen, Carnevalclub Muldenschiffer Westewitz und den Feuerwehrverein Westewitz-Großweitzschen vergeben.

Dieses Engagement der Brüder, die von Vater und Firmengründer Volkmar Krawczyk trotz dessen Ruhestands noch immer täglich unterstützt werden, steht stellvertretend für das, was sie in den beiden miteinander verwachsenen Orten erreichen wollen. „Das Motto lautet Erlebnis Landwirtschaft. Wir wollen, dass die Leute ihre Identität wieder finden. Wer sich selbst kennt, hat auch keine Angst vor Fremden“, sagt Torsten Krawczyk. „Herzlichkeit und Toleranz gegenüber den Patienten der Klinik hat Westewitz immer ausgezeichnet“, sagt er. Ohnehin ist der Zusammenhalt im Ort groß, werden stetig neue Feste aus dem Boden gestampft, die einst weggezogene Westewitzer jedes Jahr wieder in den Ort locken. „Man sagt, bei uns in Westewitz muss man nur einen Kasten Bier auf den Dorfplatz stellen und schon gibt es ein Fest“, erklärt Torsten Krawczyk scherzhaft diese enge Gemeinschaft.

Das Landgut, das einst zur Versorgung der psychiatrischen Fachklinik aufgebaut wurde (s. Hintergrund), soll ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum für diesen festen Kern werden. Und das soll diesem Anspruch nach auch schön gestaltet sein. „Der ganze Ort interessiert sich dafür, was bei uns passiert. Durch den ganzen Publikumsverkehr an der Schlachterei und am Vereinshaus sind viele Besucher hier und die sehen zuerst, wenn etwas nicht stimmt. Das soll vermieden werden“, sagt Volkmar Krawczyk. Auftakt der neuen Initiative des Landgutes wird am Sonnabend die Teilnahme an der sachsenweiten Initiative „Tag der offenen Höfe“. 70 Betriebe wie der in Westewitz öffnen an diesem Tag im Freistaat ihre Pforten.

Firmenpatriarch Volkmar Krawczyk hat sich einiges einfallen lassen: Mit Hilfe von Praktikantin Carolin Conrad, die bald ihre Ausbildung hier beginnen will, hat er eine Vogelvoliere für exotische Nutztiere gebaut. „Wachteln, Goldfasane, Tauben und Wellensittiche werden darin zu sehen sein“, freut sich der 68-Jährige. Nachbar Erhard Pranke von den örtlichen Geflügelzüchtern und leidenschaftlicher Naturschützer überwacht die artgerechte Haltung der Tiere.

Weil sich der Boden auf der mit dem Abriss neu geschaffenen Fläche erst senken muss, wird zunächst nur eine Schaukel als neues Spielgerät aufgestellt. Der Rest folgt im Herbst. Dazu wird es eine Ausstellung mit alten Landwirtschaftsmaschinen und -geräten geben. „Die Kinder werden gar nicht auf die Spielgeräte wollen, wenn sie auch auf Traktoren klettern können“, meint Torsten Krawczyk. Doch für das Fest am Wochenende, haben die Brüder dennoch vorgesorgt. Die Firma Sk-Gerüstbau baut ein Klettergerüst mit Rutsche auf. Deren Chef Marc Bohnstedt ist ebenfalls Westewitzer und derzeit Ortswehrleiter von Großweitzschen. Die Verbindung besteht auch bei anderen Helfern für das Fest. „Die Bäckerei Keuern kommt vorbei und nutzt den Holzbackofen auf unserem Hof. Bäcker Michael Hampel hat früher selbst bei Medizin Hochweitzschen gespielt“, sagt Sven Krawczyk. Dazu kommt Sachsenobst als Getränkepartner vorbei, der ebenfalls einen Teil der regionalen Landwirtschaft verkörpert.

Den ganzen Tag über soll es Betriebsführungen geben. Die Chefs selbst und die Mitarbeiter erklären an mehreren Stationen alle Vorgänge auf dem Hof vom Traktor bis zum Schlachthaus. Damit jede Menge hauseigene Wurst für den neuen Grillplatz zur Verfügung steht, hat Sven Krawczyk vor wenigen Tagen extra einen eine Tonne schweren Bullen geschlachtet. „Der Trend heißt, regional schlägt Bio“, sagt Torsten Krawczyk. „Die Leute wollen wissen, wo ihr Fleisch herkommt.“ Auf dem Landgut können Familien und Unternehmen für Feiern auch selbst ein Schlachtfest veranstalten. Bald soll es auch einen Hofladen für die eigenen Produkte geben.

Fernziel der Familie ist es, eine Jugendherberge auf dem Hof einzurichten, in der Schulklassen übernachten und sich das Landleben aus der Nähe ansehen können. Schon seit Jahren werden Schüler über das Gelände geführt, um sich die Energieproduktion aus Sonnenstrom und Biogas anzusehen. Es wird nicht die letzte Idee der Krawczyks gewesen sein, ihren Hof zu nutzen, zumal die nächste Generation – beide Brüder haben je zwei Kinder – schon in den Startlöchern steht.

Von Sebastian Fink

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