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Döbeln Ein Konzert der Passion in Polditz
Region Döbeln Ein Konzert der Passion in Polditz
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17:29 20.03.2018
Ludwig Güttler tritt in der Polditzer Kirche Quelle: PR
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Polditz

In der Karwoche erleben Konzertbesucher in der sächsischen Landeshauptstadt sowie im ländlichen Polditz bei Leisnig einen künstlerischen Höhepunkt der konzertanten Vocalmusik: Unter der Leitung von Professor Ludwig Güttler musizieren Romy Petrick, Sopranistin aus Dresden, und die aus Wien stammende Altistin Stephanie Atanasov gemeinsam mit dem Solisten-Ensemble Virtuosi Saxoniae der Staatskapelle Dresden Werke der Passionszeit. Das Konzert wird zweimal gespielt: Gründonnerstag in der Frauenkirche sowie zwei Tage zuvor, am 27. März, um 19.30 Uhr in der Polditzer Kirche. Professor Güttler spricht über das Programm sowie über sein persönliches Anliegen, die Kultur im ländlichen Raum zu fördern und auszubreiten.

Professor Güttler, was erwartet die Zuhörer zu diesem Konzert?

Das Programm leitet sich auch von meiner persönlichen Wirkungsgeschichte ab. Es ist inzwischen ein Markenzeichen von mir, hochwertige Musik dort auszugraben, wo sie einst von großartigen Musikern komponiert und aufgeführt wurde. Sie soll wieder zum Klingen gebracht werden. Deshalb gibt es in Dresden wie in Polditz dieses Passionskonzert mit Werken, wie sie zum Teil dort noch nie zu hören waren. Sie stammen aus italienischen, sächsischen sowie süddeutschen Quellen.

Was macht diese Aufführung besonders?

Es ist eine Aufführung dieser Passions-Musiken aus dem Blickwinkel der Komponisten auf dieses dramatische Geschehen. Abschluss und Höhepunkt bildet deshalb das „Stabat Mater“ von Giovanni Battista Pergolesi. Es stellt eine eigene Sicht auf die Passionsgeschichte dar, nämlich die der Mutter, die den Sohn verliert. Das ist zu erweitern auf alle Mütter, die ihre Söhne in den Kriegen verloren haben. Das Werk des sehr jung verstorbenen Pergolesi – er wurde nur 26 Jahre alt – war im Barock eines der am weitesten verbreiteten und populärsten Stücke in diesem Genre in ganz Europa. Wir finden deshalb das „Stabat Mater“ an zahlreichen Orten, von Dresden, Leipzig, Mailand über Breslau bis natürlich Italien. Von dem aus Böhmen stammenden, in Dresden beheimateten Jan Dismas Zelenka wird ein „Christe eleison“ zu hören sein, von Georg Philipp Telemann eine Passionskantate. Die Zuhörer, die zu diesem Konzert kommen, werden mit Musik belohnt, die sie bisher so noch nicht gehört haben. Auch weiß ich nicht, wie oft sie dazu noch Gelegenheit bekommen, zumal mit Solisten der Staatskapelle Dresden und Gesangssolisten, die ein weltweites Renommee haben.

Woher stammt das Notenmaterial?

Den Pergolesi haben viele verdienstvolle Musikwissenschaftler ausgegraben. Das Stück liegt in mehreren italienischen Ausgaben vor. Ich fand es zusätzlich eher zufällig bei meinen Recherchen in Breslau. Dabei handelt es sich um die Bearbeitung von Thomaskantor Johann Adam Hiller, mit deutschem Text. Wir spielen es jedoch in der Originalform, so wie es Pergolesi schrieb. Dann freue ich mich auf Michael Haydn, ein in der öffentlichen Wahrnehmung völlig unterbelichteter, jedoch genialer Musiker. Er steht im Schatten seines Bruders Joseph Haydn – völlig zu unrecht. Das im Konzert musizierte Stück fand ich im Esterhazyschen Archiv in Eisenstadt. Dann hören wir Zelenka, den Johann Sebastian Bach als einen der größten Kirchenkomponisten bezeichnete und wertschätzte. Sein „Christe eleison“ stammt aus der Sächsischen Landesbibliothek Dresden. Und wir spielen Georg Philipp Telemann, ein Freund von Bach, dessen Wirkungskreis von Hamburg bis Darmstadt, Schlesien, Leipzig und Dresden reichte. Die im Programm enthaltene Passionskantate stammt aus der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt/Main. Telemann war damals, wie viele mutmaßen, der beliebteste und angesehenste Komponist in Mitteleuropa neben Johann Adolph Hasse. Insofern bringen wir eine Perlenkette von fantastischer, sehr zu Herzen gehender Musik in den ländlichen Raum um Polditz und spielen dort die Musik, die dann nur noch in Dresden zu hören ist. Ein wunderbares Vorhaben.

Was verbindet Sie mit Polditz?

Mit dem dortigen Raum und dem Orgelverein, insbesondere dessen Vorsitzenden Peter Fritzsch, verbindet mich diese unglaubliche Aktivität und die gekonnte Intensität, sich um die Pflege der Kirchenmusik zu bemühen. Solche Menschen sind nicht so häufig gesät in unserer Gesellschaft. Wir haben mehr Menschen, die über etwas schimpfen, als welche, die etwas tun. Menschen dieses Zuschnitts haben grundsätzlich meine Sympathie. Ich versuche, ihnen mit meinen Möglichkeiten zu helfen und sie zu unterstützen. Das ist meine persönliche Anbindung an Polditz.

Sie gaben dort schon einmal ein Konzert…

Ja, und ich weiß seither, dass es in Polditz eine hervorragende Initiative gibt, was den Erhalt, die Pflege und die Ausstrahlung der dortigen Ladegast-Orgel anlangt. Deshalb schlug ich vor, dass wir es nicht bei dem einen Konzert, damals für zwei Trompeten und Orgel, belassen. Es ist mein Wunsch, eine lose Kontinuität aufzubauen, die bei Interessierten eine bestimmte Erwartungshaltung weckt. Ich hoffe, mit meinen verschiedenen Ensembles dort abwechslungsreich und auf künstlerisch hohem Niveau zu musizieren.

Wie sehen Sie im Zusammenhang mit derartigen Bemühungen an der Basis die Kulturraumförderung in Sachsen?

Ich weiß, dass das Kulturraumgesetz deshalb geschaffen wurde, um damit für eben solche örtlichen Unternehmungen auch das örtliche Bewusstsein für die Kultur zu fördern. Es ist ein nicht hoch genug einzuschätzender Vorteil, dass wir in Sachsen das Kulturraumgesetz haben. Andere Bundesländer versuchten, das nachzumachen und haben es bisher nicht so gut auf die Reihe bekommen wie in Sachsen. Das bleibt jedoch zu wünschen.

Welchen Stellenwert hat für Sie als Musiker die Ladegast-Orgel in Polditz?

Erstens erwartet man in diesem ländlichen Gebiet nicht diese dem Raum hervorragend angemessene, adäquate Orgel. Dass man diese Tatsache den Menschen auch bewusst zu machen versucht und ihnen nahebringt, ist zweitens ein großes Verdienst von denen, die das betreiben. Deshalb unterstütze ich das. Im Übrigen schätze ich diese Kirche, ganz abgesehen von der Existenz der Friedrich-Ladegast-Orgel, tatsächlich wegen ihrer hervorragenden Akustik.

Deshalb empfiehlt sie sich für dieses Passionskonzert?

Auf jeden Fall. Sie ist ein so großartiger Raum, wie man ihn in dieser ländlichen Gegend nicht vermutet. Dies ist einer der Anlässe, dieses Konzert neben Dresden auch in Polditz zu spielen. Diese Kirche eignet sich für diese Art von Musik ebenso hervorragend wie die Virtuosi Saxoniae als eines meiner vier Ensembles.

Dann erlebt das Publikum mit Dresden zusammen im ländlichen Raum um Polditz einen Höhepunkt der Kirchenmusik…

Ja, es ist überhaupt mein Anliegen, aus Städten mit hoch entwickelter Musikkultur die Musik in die ländlichen Räume zu bringen. Im Übrigen folgt unser Festival „Sandstein und Musik“ diesem Grundsatz bereits seit 25 Jahren.

Zum Programm

Ausführende: Romy Petrick, Sopran und Stephanie Atanasov, Alt. Solistenensemble Virtuosi Saxoniae: Roland Straumer, Violine; Johanna Mittag, Violine; Volker Dietzsch, Violine; Heinz-Dieter Richter, Violine; Frank Other, Violine; Matthias Wessel, Violine; Andreas Schreiber, Viola; Winfried Berger, Viola. Basso continuo: Friedwart Dittmann, Violoncello; Bernd Haubold, Kontrabass; Friedrich Kircheis, Orgel. Leitung: Ludwig Güttler.

Programm: „Weiche, Lust und Fröhlichkeit“, Passionskantate für Sopran, Streicher und Basso continuo von Georg Philipp Telemann. In der Passionskantate lässt Georg Philipp Telemann neben Solosopran eine konzertierende Viola hervortreten. Das fünfsätzige Werk entstand in seiner Frankfurter Zeit. Dort ernannte man den gebürtigen Magdeburger im Februar 1712 zum städtischen Musikdirektor und zum Kapellmeister mehrerer Kirchen. Kaum ein Komponist der Musikgeschichte erreichte die Produktivität Telemanns, der seinerzeit berühmter war als Bach.

„Christe eleison“ in e-Moll für Alt, zwei Violinen, Viola und Basso continuo von Jan Dismas Zelenka. Der Böhme war in Dresden als Violinist der Hofkapelle, später als Komponist, Vizekapellmeister der katholischen Hofkirchenmusik, schließlich als „Kirchen-Compositeur“ angestellt. Seine Sakralwerke belegen, dass er dem erstrebten Posten des Hofkapellmeisters gewachsen gewesen wäre. Die Wertschätzung renommierter Zeitgenossen wie Bach und Telemann spricht dafür. Zelenkas Vertonung des „Christe eleison“ steht exemplarisch für die großartige melodische Erfindung des „Böhmischen Bach“.

„Aria de Passione Domini et Adventu“ für Sopran, zwei Violinen, Basso continuo und obligate Orgel von Johann Michael Haydn. Wie sein Bruder Joseph Haydn wurde er früh musikalisch geprägt als Sängerknabe am Stephansdom in Wien. Als Nachfolger Mozarts wirkte er in Salzburg als Organist an der Dreifaltigkeitskirche, verantwortete zuletzt die Dommusik. In den 43 Jahren seines Wirkens komponierte Haydn Hunderte sakrale und weltliche Werke. Vokalmusik spielte keine dominante, aber auch keine unwichtige Rolle in seinem Schaffen.

„Stabat Mater“ („Stand die Mutter schmerzversunken“) von Giovanni Battista Pergolesi, eine der ergreifendsten barocken Vertonungen der abendländischen Musikgeschichte. Bald nach seiner Entstehung erklang das Werk europaweit und wurde ein sensationeller Erfolg. Bach parodierte Material daraus.

Eintrittskarten für das Polditzer Konzert am 27. März: Abendkasse ab 18.30 Uhr, Konzertbeginn 19.30 Uhr. Reservierungen und Vorverkauf für Mittel- und Hinterschiff, 1. Empore oder Orgelbrüstung unter polditzerorgelverein@gmx.de

Von Steffi Robak

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