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Ein Mann mit richtig Wumms: Kalle Pohl im DAZ-Porträt

Ein Mann mit richtig Wumms: Kalle Pohl im DAZ-Porträt

"Wenn ich ins Pranzen komme, finde ich kein Ende", bekennt Karl-Heinz Pohl. Er redet in seinem Jargon wie ein Wasserfall, trifft den Punkt nur, um dann ins Hundertste und Tausendste abzuschweifen.

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Hinter diesen Fäusten steckt jede Menge Wumms! "Wenn ich jemanden zwei-, dreimal treffe, muss er auf dem Arsch liegen", sagt Kalle Pohl. Als Kind hat er manchmal in der Hundehütte oder im Wald geschlafen, wenn es zu Hause Ärger gab. Danach fürchtete er sich vor nichts mehr.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Durchs Leben hat er sich real und sprichwörtlich geboxt. Von Klein auf musste er im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb in Leisnig mit zur Hand gehen. "Als Rotzer von elf Jahren bin ich mit Pferden rumgezogen, habe geackert, Milch und Jauche gefahren. Davon bekam ich Muckis", sagt der 62-jährige Vorsitzende des Boxclubs Döbeln. "Wenn ich heute die jungen Leute bei uns sehe, die am Computer sitzen, dann muss ich schon mal maulen: 'Ihr könnt zwar gut boxen, aber ihr habt keine Plauze dahinter.' Wenn ich jemanden zwei-, dreimal treffe, muss er auf dem Arsch liegen."

Der Kampfsport fesselte Pohl ab dem zehnten Lebensjahr. Damals nahm ihn ein Onkel mit zu einem Kampf im Schützenhaus. "Da war so ein kleiner Boxer, der den Kampf in der dritten Runde gewann", erinnert er sich. "So wollte ich auch werden." Noch am gleichen Tag lernte er Fred Kohlisch kennen, den Leisniger Trainer, dem er, wie er sagt, seine Karriere zu verdanken hat und dem zu Ehren er das jährliche Leisniger Fred-Kohlisch-Turnier initiierte.

Boxen war eigentlich erst ab dem zwölften Lebensjahr erlaubt, doch er machte sich fit, stand mit Elf erstmals im Ring. "Ich habe verloren, das hat mich gegrämt." Noch härter arbeitete Kalle Pohl, wie ihn viele nennen, an sich. Er wurde unter anderem Kreismeister, Bezirksmeister und 1967 sogar Vize-DDR-Meister der Junioren. Mit 17 holte ihn Dynamo Leipzig, später Berlin zu sich. Er schlug national und international namhafte Gegner.

"Angst kannte ich nie", betont er. Wenn ihn als Kind die Mutter verprügelte, schlief er in der Hundehütte oder im Wald. Später konnte ihn im Sport niemand das Fürchten lehren. Jeden Kampf ging er gelassen an, auch wenn alle Gegner größer waren als er mit seinen 1,71 Meter.

Eine andere Sportart kam ihm nie in den Sinn. "Wenn ich im Team spiele und die anderen nicht ausgeruht sind, weil sie abends zur Disco waren, kann ich nicht gewinnen. Beim Boxen kämpfe ich dagegen allein. Die Leistung, die ich erbringe, habe ich selbst erarbeitet." Er rauchte und trank in seiner Laufbahn nie; Tanzveranstaltungen interessierten ihn nicht die Bohne.

Der Nachwuchs im Boxclub ist nicht unbedingt so drauf. Doch Karl-HeinzPohl fordert Disziplin und weiß von sich: "Ein bissel Diktator bin ich. Da kann ich schon mal losbläken." Seinen Willen setzt er durch, lässt sich aber auch hin und wieder umstimmen. Nur lange Diskussionen um Trainingsmethoden sind ihm zuwider. Wenn da einer nicht so mitmacht, wie er es für nötig hält, lässt er ihn nicht zur Meisterschaft fahren, auch wenn der Betreffende durchaus einen Titel heimbringen könnte. Wichtig ist es ihm dennoch, sich zügig wieder zu vertragen getreu seiner Box-Devise: "Man sollte immer mit Anstand gewinnen und mit Anstand verlieren." Wutanfälle im Kampf brächten einem höchstens eine Verwarnung ein. "Wenn ich genug Wämse gekriegt habe, habe ich immer die Hand gehoben, aufgegeben und noch mehr trainiert." Außer einer Kopfverletzung und einer gebrochenen Hand trug er keine größeren Blessuren davon.

Das Boxen bestimmte den Lebensrhythmus von Kalle Pohl, war eigentlich aber stets Hobby. Sein Geld verdiente er nicht im Profisport, was ihn zwar gereizt hätte, damals aber nicht möglich war. Vielmehr machte er in Polkenberg eine Lehre zum Agrotechniker, arbeitete später als Baumechanist in der Melioration Döbeln, wo er auch seinen Meister machte. Vom Job freigestellt wurde er für alle Kämpfe.

So war er permanent auf Achse. "Ich bin kein Familienmensch", gesteht er und spricht sofort von der Hochachtung gegenüber seiner Frau Karin, die er 1973 heiratete und die im Wesentlichen die drei Kinder großzog, die dem Paar mittlerweile fünf Enkel bescherten. Sie schmiss den Haushalt, umsorgte ihn vor und nach den Kämpfen und hatte lediglich die 14 Tage Urlaub im Jahr mal wirklich frei. "Was sie erlebte, würde keine andere mitmachen", weiß Karl-Heinz Pohl. "Ohne sie hätte ich all das nicht stemmen können."

Auch nicht die Selbstständigkeit, in die er 1988 ging. Er übernahm als Geschäftsführer den Fuhrbetrieb von Fritz Pötzsch aus Böhrigen, kam mit ihm aber nicht zurecht. Was sollte er tun? Er boxte sich durch, anderthalb Jahre, um das Unternehmen aus den roten Zahlen zu führen, dann stieg er aus und gründete in Döbeln seine eigene Firma mit einem Skoda-Kipper und einem W 50. Sitz ist seit 1996 die Reichensteinstraße. Mit 13 Kippern transportieren die 17 Mitarbeiter heute bundesweit Schüttgüter. Die Fahrer nimmt Karl-Heinz Pohl schon auch mal ran. "Wenn sie unpünktlich sind, werde ich blöde." Die gleichen Maßstäbe setzt er sich. "Alle Mitarbeiter haben über die Jahre hinweg immer pünktlich ihren Lohn erhalten, selbst wenn ich dafür einen Kredit aufnehmen musste."

Im Zuge der Selbstständigkeit beendete Pohl, der 1988 zu Dynamo Döbeln gekommen war, seine 40-jährige Boxer-Karriere. Der letzte Kampf war auch sein erster im Westen: 1990 in Göttingen. Als Trainer und späterer Vereinsvorsitzender blieb er dem Club aber treu. Seit seinem 60. Geburtstag kommen die Alten Herren jeden Donnerstag zu ihm. "Sie helfen erst ein bissel auf dem Hof mit, dann hocken wir zusammen." Inzwischen ist aus Kalle Pohl ein leidenschaftlicher Biertrinker geworden; seine Wampe trägt er vor sich her. Zu ihr schaut er hinunter und grinst. "Auf die kann immer noch jemand mit der Faust draufhauen, da sind noch Muskeln da." Angst muss er also weiterhin vor niemandem haben. Frank Pfeifer

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