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„Ein Missverständnis“

Handball „Ein Missverständnis“

Sachsenliga: Der geschasste Trainer Michael Schneider blickt auf sein Jahr bei der HSG Döbeln-Neudorf zurück.

Coach Michael Schneider in Aktion: Der Handball-Lehrer scheidet nach nur einem Jahr wieder in Neudorf-Döbeln aus. Als Fehlschlag sieht er die Station bei der HSG jedoch nicht.

Quelle: Jens Teresniak

Döbeln. Nach nur einer Saison war schon wieder Schluss für das neue Trainerteam der HSG Neudorf-Döbeln. Chef Michael Schneider, Co Martin Möhle und Fitnesstrainer Marcel Ulrich mussten gehen, obwohl die Mannschaft immerhin auf Platz sieben der Handball-Sachsenliga landete. Im Interview spricht Schneider über die Bürde der anfänglichen Erfolge, mangelnde Trainingsbeteiligung, Angst vor Veränderungen und neu gewonnene Lässigkeit.

Herr Schneider, auf dem Papier klingt Platz sieben ganz gut. Insgesamt täuscht er aber ein wenig über den Saisonverlauf hinweg, oder?

Platz sieben klingt gut. Nüchtern betrachtet, hätte man auch ein paar Punkte mehr holen können, dann wäre es vielleicht Platz sechs oder fünf geworden. Es war zwar nur ein Punkt mehr als letztes Jahr, aber dafür war schon drei Spieltage vor Schluss klar, dass wir nicht mehr absteigen können. Außerdem denke ich, dass wir einen wesentlich attraktiveren Handball gespielt haben als es in den Jahren davor in Döbeln der Fall war.

Hat der gute Start mit drei Siegen in fünf Spielen – unter anderem gegen Topteam Plauen – den einen oder anderen geblendet?

Der Sieg gegen Plauen gleich am Anfang hat einige aus dem Nichts von irgendwas träumen lassen, was nicht realistisch war. Man muss ja auch die Umstände sehen. Immer dann, wenn wir mit dem größeren Teil der Mannschaft regelmäßig trainieren konnten, haben wir guten Handball gespielt und waren erfolgreich. Aber es gab auch Phasen, in denen teilweise Spieler über Wochen nicht trainiert haben. Wir hatten Phasen mit verletzten Leistungsträgern, was man einfach nicht kompensieren kann, weil in der Breite die Qualität nicht da gewesen ist.

Mangelnde Trainingsbeteiligung, Verletzungsprobleme. Gab es noch andere Gründe warum es im Laufe der Saison bergab ging?

Natürlich. Wir haben versucht, ein neues Spielsystem umzusetzen. Wenn du dann Phasen hast, in denen nur fünf, sechs Mann beim Training sind, sind das Schwierigkeiten, mit denen man nicht einfach so durch die Liga marschiert. Aber uns war vorher klar, dass dieses erste Jahr schwierig wird. Wir wollten dahin kommen, dass wir dreimal pro Woche trainieren. Das war vorher ganz klar besprochen. Und es war ganz klar besprochen, dass dieser Weg nicht nur ein Jahr geht, sondern drei bis fünf Jahre. Das haben dann nach einiger Zeit einige wieder vergessen.

Nach der sehr erfolgreichen Zeit in Delitzsch war es für Sie schwierig, plötzlich mit so vielen Niederlagen umgehen zu müssen?

Das Verlieren an sich nicht. Da uns klar war, dass es in dieser ersten Saison darum geht, Punkte zu hamstern, wo es nur geht. Was frustrierender war, waren die Leistungsschwankungen. Weil wir irgendwann nicht mehr vorwärts arbeiten konnten, sondern das Ganze nur noch stabilisiert haben, um die nötigen Punkte zu holen. Das war anstrengend und nicht befriedigend für uns Trainer, weil wir die Mannschaft ja verbessern und weiterentwickeln wollten.

War die Saison also insgesamt ein Fehlschlag?

Nein, als Fehlschlag würde ich es für mich nicht sehen und ich denke für die HSG Neudorf-Döbeln auch nicht. Es gab ja nur ein kleinen Prozentsatz, der sich für unsere Entlassung entschieden hat. Es gab einen wesentlich größeren Prozentsatz, der diese Entscheidung, also die Trennung nach einer Saison, nicht nachvollziehen konnte.

Ursprünglich war das Projekt Döbeln über mehrere Jahre angelegt. War es sehr enttäuschend jetzt nach nur einem Jahr dort herausgerissen worden zu sein?

Sicher. Insofern enttäuschend, weil wir immer mit offenen Karten gespielt haben und gesagt haben, dass es eine gewisse Zeitspanne braucht. Es war ja auch so angelegt, dass wir die Jugendarbeit forcieren, die Jugend mit einbinden. Natürlich ist es enttäuschend, wenn dann der Verein feststellt: Nee, so wollen wir es doch nicht. Es ist aber legitim, wenn ein Verein das sagt. Damit müssen wir leben.

Das hätte der Verein aber auch schon ein Jahr vorher wissen können.

Wenn sie über das, was wir gesagt haben, gründlich nachgedacht hätten. Aber es gibt einige, denen diese Strukturveränderung zu groß gewesen ist. Warum auch immer.

Ab wann haben Sie gemerkt, dass Ihnen bei einigen Leuten der Rückhalt fehlt?

Das hat man dann schon Ende Februar, Anfang März gemerkt, als es darum ging, Gespräche mit Spielern zu führen, die kommen sollen. Und als dort keine oder nur wenig Kommunikation stattgefunden hat, beziehungsweise mit Spielern nicht gesprochen wurde, war eigentlich klar, dass irgendwas im Busch ist.

An welchen Stellen gingen die Vorstellungen von Trainerteam und Vorstand konkret auseinander?

Uns ist gesagt worden, dass wir nur einen Punkt mehr geholt haben als letztes Jahr. Dass der Aufwand wesentlich größer war und dass das nicht befriedigend ist für den Verein. Ins Detail möchte ich aber nicht gehen.

War es im Endeffekt alles ein großes Missverständnis?

Zwischen uns als Trainerteam und der ein oder anderen Person dort war es schon ein Missverständnis, das muss man so klar sagen.

Trotz allem: Was nehmen Sie mit, was haben Sie in Döbeln gelernt?

Wenn man das Ganze von Außen betrachtet, nehme ich ein Stückchen Gelassenheit und Ruhe mit. Weil ich nach meiner Entlassung in Delitzsch schon einige Selbstzweifel hatte. In Döbeln habe ich gelernt, viele Sachen mit ein bisschen mehr Abstand zu betrachten. Das ist schon ziemlich viel wert.

 

Von Johannes David

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