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Ein Tagebuch gegen den Geruch

Vor-Ort-Termin an der Kläranlage Zschaitz Ein Tagebuch gegen den Geruch

Bernd Trotzka wohnt nur rund 200 Meter von der Kläranlage Zschaitz neben dem Waldstadion entfernt und bekommt bei Ostwind öfter den Geruch in die Nase geweht. Beim Vor-Ort-Termin mit dem Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes und Vertretern der Gemeinde und Oewa wurde er mit der Geruchsaufzeichnung betraut.

Bernd Trotzka (M.) soll als Anwohner künftig Geruchsbelästigungen durch die Kläranlage Zschaitz aufzeichnen – eine Idee des Ex-Bürgermeisters Horst Saupe (2.v.r.).

Quelle: Fotograf Sven Bartsch

Zschaitz. Eine relativ groß Runde hatte sich gestern Nachmittag vor der Kläranlage am Zschaitzer Waldstadion eingefunden, um über das Geruchsproblem vor Ort zu sprechen. Doch der Eindruck trog. Lediglich zwei Anwohner hatten den Weg zur Versammlung gefunden, zu der Stephan Baillieu, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Döbeln-Jahnatal (AZV) eigens wegen der Beschwerden eingeladen hatte. Dazu fanden sich neben Medienvertretern Bürgermeister Immo Barkawitz (Freie Wähler), AZV-Chef Dirk Schilling sowie Oewa Betriebsführer Wolfram Scholl und dessen Gruppenleiter Sebastian Simon ein.

„Angerufen hat keiner, Beschwerden bekomme ich nur über den Gartenzaun und in den letzten Wochen sind vielleicht vier Leute bei mir gewesen, die aber eigentlich über ihre Rechnung sprechen wollten“, fasste Baillieu den Rücklauf auf den Aufruf an Anwohner in Zschaitz zusammen, sich bei Geruchsbelästigung zu melden.

Die beiden Besucher, die gestern da waren, hatten allerdings ein berechtigtes Interesse an einer Lösung des Problems: Bernd Trotzka wohnt nur rund 200 Meter von der Anlage entfernt und bekommt bei Ostwind öfter den Geruch in die Nase geweht. „Das ist abhängig von der Wärme und der Wetterlage. An warmen Tagen ist es am schlimmsten“, sagte er.

Der frühere Zschaitzer Bürgermeister Horst Saupe (bis 2008) hatte schon in seiner Amtszeit mit der Frage nach der Kläranlage zu tun und wollte sich an einer Lösung beteiligen. Nachdem er seinem Unmut über die Standortwahl an sich Luft gemacht hatte, macht er den Vorschlag: „Können wir nicht Herrn Trotzka beauftragen aufzuzeichnen, an welchem Tag, zu welcher Zeit bei welcher Temperatur und Windrichtung Gerüche bei ihm aufgetreten sind?“ Der Angesprochene zeigte sich schnell einverstanden und auch Stephan Baillieu reagierte positiv. „Die Idee ist nicht schlecht. Wir können einen einfachen Vordruck zum Ankreuzen erstellen“, sagte er. In einem halben Jahr könne man ein Zwischenfazit ziehen. Ein echtes Ergebnis dürfte es aber erst in rund einem Jahr nach den warmen Monaten 2018 geben.

Genauso wichtig sei es aber bei Gerüchen sofort den Anlagenbetreiber Oewa anzurufen. Zwischen 7 und 16 Uhr sind die Mitarbeiter unter 03431/6556 zu erreichen, außerhalb der Geschäftszeiten auch an Sonn- und Feiertagen unter 03431/ 655700. „Dann können wir auch an dem Tag selbst etwas tun, zum Beispiel außer der Reihe durchspülen“, betonte Wolfram Scholl, der aufzeigte, was bereits unternommen worden ist. „Wir haben Messungen von Schwefelwasserstoff an vier Messpunkten, darunter die Anlage hier und die Pumpstation, vorgenommen, aber keine erhöhte Konzentration festgestellt“, sagte Scholl. Dennoch seien die Schaltzyklen der Abwasserpumpen verkürzt worden, so dass das Abwasser kürzer in der Anlage stehen bleibt.

Technisch arbeite diese einwandfrei. Der Anschlussgrad von derzeit 70 Prozent sei mehr als ausreichend. Gründe für Gerüche könnten Faulabwässer sein, gerade in trockenen Wetterphasen und wegen des allgemeinen Hangs zum Wasser sparen, wenn diese zu lange in der Anlage stehen. Diese entstehen auch, wenn Essensreste in der Toilette landen oder zu wenig Luft ans Abwasser gelangt.

Einzige technische Lösung wäre der Einsatz von Filtern. „Das haben wir ganz hinten im Hinterkopf, da gibt es verschiedene Varianten vom Trabant bis zum Mercedes, aber so weit sind wir noch nicht“, sagte Baillieu. Zunächst wolle er das Ergebnis von Bernd Trotzkas Tagebuch abwarten.

Von Sebastian Fink

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