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"Eine Katastrophe mit Ansage"

"Eine Katastrophe mit Ansage"

Wo die Katastrophe angefangen hat, endete sie auch. Zwischen dem Mulde- und Zschopauhochwasser, das die Region eine Woche lang in Sorge versetzte, hatte ein unscheinbarer Bach dreimal dafür gesorgt, dass die Dresdener Straße in Döbeln unter Wasser stand.

Für den Pommlitzbach ist nahe des Amselgrundes seit 1990 ein Regenrückhaltebecken geplant. Gebaut wurde es - trotz regelmäßiger Überschwemmungen - nie.

 

In der Nacht zum Freitag, 31. Mai, regnet es stark. Das Oberflächenwasser aus ganz Pommlitz wird von den Feldern nicht mehr aufgenommen. Regenwasser von rund 4000 Quadratmetern versiegelter und mit den Jahren stetig gewachsener Eigenheimfläche sucht sich das Weg ins Tal. Sturzbäche reißen Geäst, Schlamm und Unrat mit sich, die vergitterten Durchlässe werden blockiert, es bildet sich eine natürliche Staumauer. Die Wassermassen strömen über die Entwässerungsgräben, durch die Ziegelstraße in die Dresdener Straße. Das passiert an jenem Freitag vor dem Katastrophenwochenende zweimal. Vergangenes Wochenende ein drittes Mal. Das Zweirad-Center von Frank Kehl steht zweimal binnen 18 Stunden unter Wasser. Wohn- und Geschäftshäuser in der Dresdener Straße auch. Im Keller eines Wohnhauses von Bauunternehmer Sven Weißflog sammeln sich 400 Kubikmeter Wasser und 20 Kubikmeter Schlamm. Ein kleines Rückhaltebecken für die umliegenden Gebäude.

 

Weißflog kennt die Zusammenhänge im Amselbachgrund. Dort hat die Landestalsperrenverwaltung (LTV) ein Rückhaltebecken für den Amselbach gebaut. "Das funktioniert auch bestens, entlastet aber nur den Bereich des Amselbaches, der aus dem Osten in die Stadt fließt. Die Entwässerung für Pommlitz - aus dem Norden - wurde vergessen", erklärt Weißflog. Das erforderliche Regenrückhaltebecken für den Pommlitzbach liegt in der Verantwortung der Stadt. Nachdem in Folge eines Hochwassers in den 1970-er Jahren das Staubecken für den Amselbach um­gesetzt wurde, ist das für den Pommlitzbach "schlicht verdrängt worden", so Weißflog weiter. Thomas Hanns von der Stadtverwaltung Döbeln bestätigt: "Geplant ist es lange, umgesetzt wurde es nicht. Auf den Starkregen der vergangenen Woche war niemand vorbereitet. Wenn dann noch - durch den Menschen verursacht - unachtsam weggeworfener Unrat die Durchlässe verstopft, sind die Überschwemmungen logische Folge."

 

Für Weißflog ist es mehr als das: "Eine Katastrophe mit Ansage." Auch wenn die Mitarbeiter des Döbelner Bauhofes nach dem ersten Überlaufen in der letzten Mainacht die vergitterten Durchlässe des Pommlitzbaches regelmäßig freilegten - "wenn Regenmengen in dieser Größenordnung fallen, kann man nicht über ein verstopftes Gitter diskutieren. Da müssen endlich Lösungen geschaffen werden", so Weißflog, der diese Problematik mittlerweile auch gegenüber LTV-Betriebsleiter Axel Bobbe und Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer thematisiert.

 

Ein Rückhaltebecken für den Pommlitzbach ist seit 1990 - mit der Erweiterung der Eigenheimgebiete Pommlitz, Schickenhäuser, Rotes Kreuz - ein Thema. Die Planung steht, wurde 1993 aktualisiert und genießt seit der Jahrhundertflut 2002 Vorrangstatus. Im Hochwasserschutzkonzept des Freistaates taucht es dennoch nicht auf. Erst in der Mai-Sitzung des Stadtrates haben die Fraktionen einer weiteren Bebauung und Erschließung des Eigenheimstandortes Am Roten Kreuz zugestimmt. Damit kommen - wie in den vergangenen 20 Jahren - stetig neue versiegelte Flächen und damit auch mehr abgeleitetes Oberflächenwasser hinzu.

 

Die Gefahr ist seit Anfang Juni wieder im Bewusstsein. Dass der überflutete Pommlitzbach nicht ein drittes Mal in die Keller der Dresdener Straße gelaufen ist, war einer adhoc-Entscheidung zu verdanken. Das Gitter am Durchlass in der oberen Ziegelstraße, von wo aus das Wasser über Gräben und Kanäle unter der Dresdener Straße zur Mulde geleitet wird, wurde kurzerhand aufgebrochen und entfernt. Nur dadurch fanden die Wassermassen in die vorgesehenen Bahnen zurück. Die neuerlichen Überschwemmungen in der Dresdener Straße konnten in Grenzen gehalten werden. Während die Planungen für das Regenrückhaltebecken am Pommlitzbach in den Schubladen liegen und der nächste Starkregen jederzeit neue Überschwemmungen verursachen könnte, plant die LTV nach DAZ-Informationen die Sanierung von Geländern am Rückhaltebecken Amselbachgrund. 60 000 Euro sind dafür eingeplant. Geld, mit dem erste Sicherungsmaßnahmen am Pommlitzbach durchgeführt werden könnten. Thomas Lieb

Thomas Lieb

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