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Einmal Schlafwagen nach Mügeln. Bitte!

Einmal Schlafwagen nach Mügeln. Bitte!

Die Augen wollen nicht mehr so, wie er will. Doch der Geist von Gerhard Müller aus Döbeln ist noch hellwach. Als der fast 90-jährige Lehrer im Ruhestand auf einer der jüngsten Heimatseiten Geschichten vom "Wilden Robert" las, da weckte das bei ihm Erinnerungen an eigene Fahrten mit der Kleinbahn.

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Die Chronik einer "fast vergessenen Bahnstrecke", nämlich der zwischen Mügeln und Döbeln, hält Gerhard Müller hier in den Händen. Er selbst ist Mitte der 1950er Jahre als Junglehrer oft mit der Rübenbahn unterwegs gewesen.

Quelle: Olaf Büchel

Döbeln/Mügeln. "Das war doch der Zug für die Zuckerrüben und Fernstudenten", sagt Gerhard Müller und schmunzelt. Das mit den Zuckerrüben ist klar - wurde doch die Kleinbahnstrecke Mügeln-Döbeln in erster Linie deshalb gebaut, um landwirtschaftliche Produkte, vor allem Zuckerrüben zur Döbelner Zuckerfabrik, zu transportieren. Aber Fernstudenten? Müller erklärt es.

 

Er war Neulehrer, als er Mitte der 1950er Jahre mit Kollegen aus der Döbelner Region einmal im Monat nach Mügeln musste. Dort konsultierten die frischgebackenen Pädagogen ihren Mentor für das Fach Geografie. Es waren Lehrer aus Döbeln, Waldheim und Roßwein dabei. Was lag durch den "Wilden Robert" näher, als sich auf dem Bahnsteig 5 des Döbelner Hauptbahnhofes zu treffen und mit der Schmalspurbahn nach Mügeln zu dampfen?

 

Müller, der später Mathematik, Geografie und Astronomie an der Karl-Marx-Oberschule in Döbeln unterrichtete, kann sich noch gut an die harten, primitiven Holzbänke des Zuges erinnern. "Was uns nicht daran hinderte, jedes Mal einen zünftigen Skat zu spielen. Genug Zeit fürs Reizen und Stechen hatten die jungen Herren schließlich. Für die genau 19,8 Kilometer lange Strecke benötigte der "Wilde Robert" damals sage und schreibe eine Stunde und eine Minute. Das lag unter anderem daran, dass der Zug in Gärtitz geteilt wurde - der vordere Teil fuhr weiter nach Mügeln, der hintere nach Lommatzsch.

 

Von 1955 bis 1957 hat Gerhard Müller mit seinen Mitstreitern diese monatliche Tour unternommen. Es waren also auch einige Winter dabei. Damit es den Fahrgästen nicht zu kalt wurde, standen in einer Ecke der Personen-Waggons kleine Kanonenöfen. Der Zugbegleiter feuerte diese an, die Mitfahrer konnten dann nachlegen. Manchmal wurden sich vorn beim Lokführer Kohlen geholt, es gab auch Fälle, in denen sich ein alter kaputter Gummistiefel in solch einem Ofen in Rauch auflöste. Dann handelte es sich um einen Dampf-Zug mit zwei Essen.

 

Der Fahrpreis, so Gerhard Müller, lag damals bei acht Pfennigen pro Kilometer. 1,60 Mark musste also für die Fahrt nach Mügeln hingelegt werden, das Ganze dann noch mal für die Fahrt zurück.

 

Der Döbelner Senior hat heute noch alte Kursbücher und Fahrpläne. Die Begeisterung für die Eisenbahn, die sein Vater hegte, färbte auf ihn ab. Wann welche Haltestelle kam, das wusste Müller im Schlaf. Das gilt auch für viele andere Strecken. Die Erklärung dafür ist so einfach wie amüsant: "In dieser Zeit hatten wir auf der Toilette nicht immer Klopapier. Statt dessen wurden in vielen Haushalten alte Zeitungsseiten oder, wie bei uns, Seiten von abgelaufenen Fahrplänen verwendet. Die habe ich dann immer während der Sitzungen studiert. Die Reihenfolge der Bahnhöfe weiß ich somit heute noch."

 

Alles in allem war es eine gemütliche Zeit. Große Hektik kam beim Schmalspurbahn-Fahren nicht auf, sagt Gerhard Müller. "Am Fahrkartenschalter haben wir uns gern einen Jux gemacht und Schlafwagenplätze nach Mügeln verlangt."

 

Olaf Büchel

Olaf Büchel

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