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Döbeln Einmal zum Spaß in Handschellenbeim Informationstag der JVA Waldheim
Region Döbeln Einmal zum Spaß in Handschellenbeim Informationstag der JVA Waldheim
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00:27 02.09.2015
Elke Frenzel ließ ihren Ehemann Holger von einem Bediensteten verhaften. Die Gäste aus Colditz genossen den Schabernack, "aber nur, weil es nicht ernst ist". Quelle: N. G. Allner
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Manch ein Gast wurde gleich hinter der Eingangstür gebeten, sein Mobiltelefon doch zurück ins Auto zu bringen. Ausnahmen gab es und Schließfächer, in denen bestimmte Gegenstände für die Zeit des Besuchs verschwanden. Personalausweise waren abzugeben. In der Sicherheitsschleuse wechselte sich Piepen mit dem Geklirr von Schlüsseln ab, wenn sich Türen öffneten und wieder schlossen.

Bei diesem "Tag der offenen Tür", der offiziell Informationstag genannt wird, gab es nicht wie in den vorangegangenen Jahren Führungen, sondern einen ausgeschilderten Rundgang und rot-weißes Absperrband, welches an die Einhaltung der Route gemahnte. Besucher waren auf sich gestellt. An relevanten Punkten wie beispielsweise den Werkstatt- und Tischlereibereich oder im deutschlandweit einzigartigen und hochmodernen Hafthaus inklusive Freizeitbereich oder bei der "öffentlichen Probe" der Knast-Band "VEB Druckhaus" in der ehemaligen Kirche standen Vollzugsbeamte Rede und Antwort. "Wir wollen mit diesem regelmäßigen Informationstag für die Bevölkerung Transparenz herstellen und gegebenenfalls Vorurteile abbauen", erklärte Sören Pauli. Der Funktionsdienstleiter weiter: "In der DDR war Gefängnis ein Tabu-Thema. Heute haben wir andere Ansätze: es geht nicht um ein völliges Wegsperren. Die Insassen sollen ja resozialisiert und in die Gesellschaft integriert werden. Gäste erfahren, was in der Zwischenzeit mit den Menschen passiert und wie sie behandelt werden." Dabei gelte der Grundsatz: Der Richter verhänge am Prozessende eine Strafe, im Gefängnis aber werde nicht noch einmal bestraft.

Das öffentliche Interesse nutzten weitere Institutionen: die sächsische Landeszentrale für politische Bildung beispielsweise war mit einem Infostand vor Ort, verteilte Flyer. Wer wollte, konnte sich über ehrenamtliche Tätigkeit im Gefängnis informieren oder aber in einem beeindruckenden Bus für Gefangenentransporte (Kapazität 29 Sitze) Platz nehmen. Zwei dieser Busse sind normalerweise in Dresden stationiert und fahren täglich als eine Art Shuttle zwischen sächsischen Gefängnissen hin und her.

Ob Elke und Holger Frenzel ihre 23-jährige Verbundenheit als Gefängnis betrachten, haben sie nicht verraten. Auf jeden Fall hatte das Ehepaar sichtlich Spaß, zumindest dem Gatten Handschellen anlegen zu lassen: "Wenn es ernst wäre, würden wir nicht so locker damit umgehen. Wir hoffen doch, dass es nie so weit kommt." Die beiden Colditzer interessierten sich schon länger für das Waldheimer Gefängnis, hatten aber erst jetzt Gelegenheit für einen Besuch.

Natasha G. Allner

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