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Döbeln Einzigartiges Wund-Team bei Helios Leisnig
Region Döbeln Einzigartiges Wund-Team bei Helios Leisnig
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17:57 11.09.2018
Wundpfleger Gerald Cyrnik gehört zum Wund-Team in der Leisniger Helios-Klinik. Quelle: Helios Leisnig
Leisnig

Menschen mit chronischen Wunden leiden im Stillen, oft jahrelang. An der Helios-Klinik Leisnig existiert ein in der Region einzigartiges Team der Gefäßmedizin und Wundversorgung. Mediziner und Pflegekräfte geben in der Wundambulanz beziehungsweise auf der Station mit 32 Betten betroffenen Patienten ihre Lebensqualität zurück. Die DAZ sprach mit Dr. Peter Lübke, Oberarzt und Leiter vom Department für Gefäßmedizin und Wundversorgung an der Helios-Klinik Leisnig.

Herr Dr. Lübke, wann muss jemand mit einer Wunde zu einem Spezialarzt?

Wenn eine vom Hausarzt, Pflegedienst oder einem anderen Arzt behandelte Wunde nicht innerhalb von sechs bis acht Wochen abheilt, sollte die Spezialambulanz aufgesucht werden. Die Kollegen sind mit einer Vielzahl von Wunden konfrontiert, haben viel Erfahrung und eine andere Sicht auf mögliche Ursachen. Mit spezieller Diagnostik ist erkennbar, wie die Wunde entstand und wie ihre Auslöser behoben werden können, so dass sie sich dauerhaft schließt.

Woran ist erkennbar, dass eine Wunde kompliziert wird?

Zunächst ist es eine Hautverfärbung, dann wird die Stelle schuppig, beginnt zu jucken. Dann geht die Wunde auf, schließt sich, geht wieder auf, es bildet sich ein Belag. Der Patient hält das möglicherweise für Eiter. Aber das ist Fibrin. Helle Flüssigkeit tritt aus, die Lymphe.

Welche Wunden können chronisch werden?

Gefährlich sind so genannte arterielle Wunden aufgrund von Durchblutungsstörungen. Es gelangt nicht genug sauerstoffreiches Blut zu den Füßen. Früher nannte man das Raucherbein. Doch das stigmatisiert die Raucher und lenkt davon ab, dass andere Ursachen vorliegen können. Auch so genannte Krampfadern, also venöse Abflussstörungen, verursachen offene Stellen auf der Haut.

Welche Personengruppen kann das treffen?

Das können Menschen mit Stoffwechselerkrankungen sein, allen voran der Diabetes Typ 2 und damit ein Krankheitsbild, welches als so genannter Lifestyle-Diabetes überproportional zunimmt. Auslöser ist eine zucker- und fettreiche Ernährung mit wenig Bewegung, nicht zu verwechseln mit dem angeborenen Diabetes Typ 1. Den so genannten diabetischen Fuß, also mit offenen Wunden, können sich beide Personengruppen zuziehen.

Fallen Operationswunden und –narben darunter?

Ja, wenn sie aufgrund bestimmter Nebenerkrankungen wie einem Diabetes oder einer Immunschwäche verzögert heilen. Bei älteren Menschen können Wunden schlechter heilen, wenn ihnen durch Mangelernährung Eiweiße, Vitamine und Spurenelemente fehlen. Bei solchen Patienten reicht manchmal die Zeit im Krankenhaus nicht, so dass wir ihnen dann mit unserem Gesamtkonzept über die Wundambulanz gut helfen können. Zum einen wollen wir uns um diese Menschen natürlich verstärkt kümmern, zum anderen soll die Wundambulanz auch die Anlaufstelle für Menschen sein, die schon jahrelang mit einer offenen Wunde leben.

Tragen diese Menschen nicht eine große psychische Last?

Es gibt Menschen mit bis zu 30 Jahre alten Wunden. Sie haben sich abgeschrieben, vielleicht weil es in der Familie liegt. Manche schämen sich, gehen nicht zum Sport oder Schwimmen, meiden die Öffentlichkeit. Lebensqualität und Psyche leiden. Manche leben mit extremen Schmerzen. Sie brauchen eine multimodale Therapie, also neben der Wund- auch eine Schmerztherapie. Dann nehmen wir Psychologen und Schmerztherapeuten aus unserem Haus zur Behandlung dazu. Ein geringer Anteil von Menschen fügt sich Wunden selbst zu oder manipuliert an chronischen Wunden, weil sie sich die darauf folgende Aufmerksamkeit wünschen. Das ist teils schwer herauszufinden. Werden sie darauf angesprochen, gibt es meistens böses Blut, denn sie geben das ungern zu. Aber auch ihnen kann und muss geholfen werden.

Sie haben am Helios-Klinikum eine Wundsprechstunde. Wer kommt dort hin?

Es können alle Patienten mit Überweisungsschein vom Haus- oder Facharzt kommen, die wenigsten kommen aus unserem eigenen Haus. Einige wurden bereits ambulant oder stationär auswärts vorbehandelt. Auch auf Eigeninitiative stellen sich Menschen vor, dieses geht ausschließlich mit Überweisungsschein. Sie haben dann etwas darüber gelesen, wollen in der Spezialambulanz ein jahrelanges Leiden endlich erfolgreich behandeln lassen.

Was ist das Besondere an der Wundambulanz der Helios-Klink Leisnig?

Wir greifen auf eine spezielle Diagnostik zurück, die es in der Umgebung in der Art nicht gibt. So gehen wir dem eigentlichen Fehler auf den Grund. Das offene Bein ist nur die äußerliche Erscheinung, die vielfältige Ursachen haben kann, eine arteriell Wunde etwa, eine venöse Abflussstörungen oder Hautkrebs. Im Team arbeiten speziell ausgebildete Wundschwestern und -pfleger. Die Ärzte haben ebenfalls Spezialausbildungen. Ich bin zum Beispiel Gefäßchirurg, von Haus aus Allgemeiner Chirurg und habe eine zusätzliche Ausbildung als Wundarzt.

Wer gehört außerdem zum Wund-Team?

Zur Behandlung werden der Schmerztherapeut hinzugezogen, ein Psychologe und auch der Physiotherapeut. Geht es speziell um Beine und Füße, ist es ein Podologe. Ein Lymphtherapeut steht zur Verfügung, der Dermatologe, auch der Internist und Diabetologe. Letztlich gehört der Strumpftherapeut oder orthopädische Schuhmacher in den Kreis der behandelnden Personen. Kompressionsstrümpfe helfen zum Beispiel, Lymphflüssigkeit abzutransportieren. Wir brauchen einen großen Stab an verschiedenen Fach-Disziplinen.

Welche Therapien gibt es?

Um abgestorbenes Gewebe abzutragen, werden Maden angesetzt. Sie tragen durch ihre Enzyme Fibrin-Beläge ab. Zur Wundheilungsförderung kommt die ultraschall-assistierte Wundreinigung zum Einsatz. Wir wenden Plasmawundheilung an, Sauerstofftherapie und verschiedene Infusionstherapien, je nach Stadium der Grunderkrankung. Das Team legt fest, auf welchem Wege versucht wird, die Selbstheilungskräfte des Patienten zu aktivieren.

Wenn die Ursache der Wunde in einer nicht heilbaren Grunderkrankung liegt – bricht sie dann immer wieder auf?

Dem kann mit relativ einfachen Dingen entgegen gewirkt werden: mit konsequenter Hautpflege oder dem Tragen von Kompressionsstrümpfen. Gewichtsreduzierung durch Bewegung ist eine Facette wie eine angepasste Ernährung, und da spreche ich nicht von extremer Diät. Eine gewisse Selbstdisziplin ist erforderlich, damit das Dilemma nicht wieder von vorn beginnt. Wer eine chronische Wunde dauerhaft loswerden möchte, sollte sich darauf gefasst machen, dass er sein Leben etwas umstellen, zumindest aus seinem alten Trott raus kommen muss.

Am Sonnabend treffen sich zum siebenten Mal Wundexperten aus ganz Deutschland auf der Burg Mildenstein. Dabei geht es nicht nur um theoretische Grundlagen der Wundbehandlung. Die etwa 100 Teilnehmer üben in Praxis-Workshops die so genannte Kompressionstherapie.

Von Steffi Robak

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