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Döbeln Eklat im Gemeinderat: Tiefe Risse in Großweitzschens Doppelspitze
Region Döbeln Eklat im Gemeinderat: Tiefe Risse in Großweitzschens Doppelspitze
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00:19 03.04.2018
Im Oktober 2017 herrschte noch Eintracht zwischen Jörg Burkert (r.) und Sven Krawczyk. Sechs Monate später sind die Gräben tief. Quelle: Sven Bartsch (Archiv)
Grossweitzschen

Sven Krawczyk, stellvertretender Bürgermeister in Großweitzschen, präsentierte sich in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend als Mann klarer Worte: „Seit längerer Zeit habe ich mit Gerüchten zu kämpfen, ich wäre in der Gemeinde nicht gern gesehen, würde mich überall reinhängen, mich lächerlich machen“, begann er seine Ausführungen, die in direkte Vorwürfe an Bürgermeister Jörg Burkert mündeten: E-Mails und Briefe sollen ihm vorenthalten worden sein. „Du hast entschieden, was ich lesen darf und was nicht. Dabei bin ich für alle Vorgänge in der Gemeinde genauso haftbar wie du“, sagte er.

Aus den Anschuldigungen entbrannte eine rund 45-minütige Diskussion, in der Verwerfungen zum Vorschein kamen, die seit dem Amtsantritt des Duos Burkert/Krawczyk im August 2017 der Vergangenheit anzugehören schienen. Zwei Tage später hatten sich die Wogen etwas geglättet. Die DAZ sprach mit beiden Kontrahenten und zeigt die Streitpunkte in der Übersicht:

Informationsdefizit: „Der Informationsfluss war stellenweise sehr lückenhaft. Informationen, die die Gemeinde prägen, habe ich nur über Dritte erhalten“, sagte Sven Krawczyk der DAZ. Und das obwohl er täglich ehrenamtlich in der Gemeindeverwaltung zugegen sei. Spätestens seit Dezember sei es mehr eine One-Man-Show im Rathaus gewesen. Jörg Burkert sagte dazu: „E-Mails versenden wir nicht an private Firmenadressen. Wenn er etwas wissen will, muss er einfach nur zu mir kommen. Er kann jederzeit bei mir in den PC schauen. Ich habe auch nichts zurückgehalten und immer alle Termine weitergeleitet.“ Burkert sei erstaunt gewesen, dass Krawczyk das Thema öffentlich bespricht. „Wir hatten im Vorfeld schon mal darüber gesprochen. Für mich war die Sache erledigt.“

Gerüchte um Sven Krawczyk: Der zweite Bürgermeister sagt, er habe mit dem öffentlichen Vortragen der Vorwürfe alle Spekulationen beenden und seine Familie schützen wollen. „Es liegt mir fern, die Gemeinde in Misskredit zu bringen. Ich habe die Probleme mehrfach angesprochen bei Dienstberatungen und in der Verwaltung, aber die Situation hat sich von Mal zu Mal verschlechtert.“ Dass an einem gestörten Verhältnis zu den Verwaltungsmitarbeitern nichts dran sei, bekräftigte die künftige Kämmerin Elke Görs in der Ratssitzung: „Alle Mitarbeiter achten seine Arbeit sehr. Wir brauchen seine Art, seinen Elan. Ohne ihn ist die Gemeinde nicht vollständig.“ Burkert seien die Gerüchte unbekannt gewesen.

Frauentag: Dass Sven Krawczyk zum Frauentag am 8. März allein durch die Gemeinde fuhr und allen Mitarbeiterinnen von der Reinigungskraft bis zur Kita-Erzieherin eine Blume überreichte, kam zwar bei den Frauen gut an, schürte aber zugleich Gerüchte, dass er schon Wahlkampf für die Bürgermeisterwahl am 3. Juni mache. Zumal Jörg Burkert und der neue Hauptamtsleiter David Aloel davon nichts wussten und später am Tag selbst noch mit Blumen unterwegs waren. „Das war einfach nur eine Wertschätzung für die Mitarbeiterinnen der Gemeinde“, sagte Krawczyk. Für Jörg Burkert ist das Ganze mindestens unglücklich gelaufen: „Warum kann man sich da nicht vorher abstimmen? Da hätte man auch zusammen fahren können“, meinte er. Die Spekulationen um eine Kandidatur Krawczyks sind seit der Nominierung Sebastian Wlochs als CDU-Kandidat beendet.

Umzug des Bauamtes: Ein Punkt, den Krawczyk eher nebenher ansprach, wurde zum großen Thema im Gemeinderat. Schon im Dezember hatte Jörg Burkert veranlasst, dass für das Büro des künftigen Bauamtsleiters eineinhalb Räume in der früheren Großweitzschener Kita saniert werden. Dafür wurde gemalert, eine gespendete Küche sowie Interieur aus dem Gemeindefundus eingebaut. Dafür hatte er das Budget des Bürgermeisters in Anspruch genommen, für das er den Gemeinderat nicht fragen muss. Dessen Mitglieder fühlen sich bei der Entscheidung nun übergangen, fürchten zudem ums Teamwork in der Verwaltung. Auch Krawczyk habe davon nichts gewusst. „Ich gehe davon aus, dass das nochmal debattiert wird. Wir müssen in der Verwaltung mit Beschlüssen arbeiten“, sagte er. Jörg Burkert nimmt sich die Kritik an. „Man hätte das durchaus in einer Sitzung zuvor kundtun können“, räumt er ein, bleibt aber dabei: „In der Verwaltung ist nicht genug Platz. Früher war das Bauamt in Westewitz, drei Kilometer entfernt. Jetzt sind es 100 Meter.“

Haushalt: Der Haushaltsplanentwurf für 2018 wird laut Kämmerin Sabine Voigtländer erst zur Ratssitzung im April fertig. Krawczyk forderte deshalb eine Haushaltssperre. Zudem könne der Bürgermeister ohne beschlossene Finanzen auch sein Budget nicht ausschöpfen. Dies bestätigte Jörg Burkert der DAZ. Die Sanierung für das Bauamt sei jedoch noch aus dem Budget für 2017 bezahlt worden.

Wie geht es weiter? Viele Ratsmitglieder zeigten sich ob der Vorwürfe, die in der Sitzung laut wurden an die Zeiten vor dem Führungsduo erinnert. „Ich bin geschockt. Wir hatten uns verständigt, dass wir bestimmte Sachen verbessern wollen“, sagte Manfred Nestler, der anbot, ein Gespräch zwischen beiden zu moderieren. „Ihr müsst euch zusammenrappeln“, forderte Jörg Ulmitz. Sowohl Jörg Burkert als auch Sven Krawczyk haben gegenüber der DAZ bekräftigt, genau das zu wollen. „Ich möchte mich mit ihm nochmal richtig zusammenraufen, möchte aber auch alles noch akribischer kontrollieren“, hat sich Krawczyk vorgenommen. Jörg Burkert dazu: „Kommunikation ist alles. Wir müssen das bis zur Wahl zusammen durchziehen.“

Von Sebastian Fink

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