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Englisch geträumt und in Döbeln praktiziert

Englisch geträumt und in Döbeln praktiziert

Döbeln "Eine Sprache kann man nur beherrschen, wenn man sie praktiziert. Dann träumt man auch englisch", sagt Dieter Winkler. Der 65-Jährige muss es wissen.

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Dieter Winkler war 42 Jahre lang Englischlehrer. Er organisierte den Englisch-Unterricht im Kreis und am Lessing-Gymnasium. Zudem gilt er als Vater einer langjährigen Schulpartnerschaft ins amerikanische Seattle. Jetzt geht er in Rente. Doch England und besonders Irland bleibt er nicht nur auf der Landkarte treu.

Quelle: W. Sens

Dieter Winkler sagt von sich: "Ich war jeden Tag gern Lehrer und würde mich wieder für den Beruf entscheiden." Seit 1971 ist er Lehrer. Und da wo er 1966 seine Abiturprüfung schrieb, beendet er nun seine berufliche Laufbahn. So ganz wird ihn das Schulhaus auch im Ruhestand nicht los lassen. Dieter Winkler musste sich nicht lange breitschlagen lassen, auch künftig einmal pro Woche Schüler des Gymnasiums auf die anspruchsvollen Cambridge-Certificate-Prüfungen vorzubereiten. Auch mit ein paar Erwachsenen-Kursen an der Volkshochschule oder in Betrieben der Region will er sich den Ausstieg aus dem Berufsleben erleichtern. "Ich freue mich aber auch, jetzt mehr Zeit zu haben. Ich kann künftig morgens noch liegen bleiben und der Druck, etwas zu müssen, wird weg sein", gesteht er. Aber Dieter Winkler kann von sich sagen, in all den Jahren keinen Termin verpasst zu haben.

Von Kind an sprachbegeistert

Die Begeisterung für Sprachen hat er von Kindesbeinen an. An der Schlossbergschule in Döbeln hatte er seit der dritten Klasse erweiterten Russischunterricht. Im Gegensatz zu den anderen DDR-Oberschulen, wo Russisch Pflichtfach und Englisch fakultativ war, war ab der siebenten Klasse an dieser Schule auch Englisch obligatorisch. "Ich mochte sowohl Russisch als auch Englisch sehr gern", sagt Dieter Winkler. Wenngleich ihm später als junger Lehrer und Kreisfachberater ganz lieb war, dass Englisch sein Hauptfach wurde. Doch der Preis war, dass sein Russisch ins Hintertreffen geriet und bis heute ein wenig verkümmerte. Er gesteht das etwas nachdenklich. "Als Lehrer war es damals schon schwerer, den Schülern Russisch nahe zubringen. Es war Pflichtfach. Viele betrachteten es als Zwang. Dagegen sind 95 Prozent aller weltweit auf Computern gespeicherten Informationen in englischer Sprache. Englisch spielt in unserem Alltagsleben einfach täglich eine Rolle. Das Anwenden und Auffrischen ist so leichter", versucht er zu begründen. Zudem klinge die Sprache einfach gut und sei grammatisch beherrschbar.

Seiner Sprachbegeisterung folgend, studiert Dieter Winkler nach dem Abitur an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Russisch und Englisch. Er erwirbt die Lehrbefähigung bis zur Abiturstufe gleich mit. Seine erste Stelle führt den Junglehrer nach Wansleben in der Börde. Dort übernimmt er eine fünfte Klasse in Russisch und hält den Englischunterricht für die Klassen sieben bis zwölf. Ein Versetzungsantrag bringt ihn schließlich nach Döbeln zurück an die Rosa-Luxemburg-Oberschule, im Gebäude der heutigen Stadtbibliothek. Es folgt die Einberufung zum Grundwehrdienst. Nach seiner Rückkehr wird er Fachberater für Englisch und damit zuständig für den gesamten Englischunterricht im damaligen Kreis Döbeln. Eine Vertretung bringt ihn 1979 schließlich ans Lessing-Gymnasium, wo er die neunten bis 12. Klassen unterrichtet. Besonders die Nachwendezeit bleibt im Gedächtnis. Zeitweise führte er am damals proppevollen Gymnasium zwei Englisch-Leistungskurse bis zum Abitur. Einen als Tutor, wie der Klassenleiter in den Kursen der elften und zwölften Klasse genannt wird. Einen zweiten Kurs als Fachlehrer. "Es war viel im Umbruch", erinnert er sich. Als Fachkonferenzleiter hatte er viele Jahre für den Englischunterricht am Lessing-Gymnasium den Hut auf. Auch die Tochter (28) und die beiden Söhne (26 und 25) durchlaufen das Gymnasium. Sie studierten Ernährungswissenschaften, Sport beziehungsweise Betriebswirtschaftslehre. Mit dem Jüngsten, der beim Chemnitzer FC als Assistent der Geschäftsführung arbeitet, teilt der Vater die Fußballleidenschaft, ob im Stadion in Chemnitz oder beim VfL Wolfsburg in der ersten Bundesliga.

Intensive Zeit des Schüleraustauschs

Ab 1993 kommt die intensivste Zeit für den Lehrer Dieter Winkler. Über eine amerikanische Schüleraustauschorganisation, die in Döbelns Partnerstadt Unna weilte, kommt der Kontakt zur Seattle Preparatory School im nordamerikanischen Seattle zustande. Die Amerikaner suchten eine Partnerschule in den neuen Bundesländern. Dieter Winkler nimmt die Sache fest in die Hand und lässt diese Schulpartnerschaft zwischen Döbeln und Seattle 15 Jahre lang nicht los. 1993 kommt die erste Gruppe aus Seattle mit ihren Begleitern nach Döbeln. Linda, die studierte Germanistin und Deutschlehrerin, und ihr Mann Mike, ebenfalls ein Germanist, werden zu guten Freunden der Familie Winkler. Gemeinsam organisieren sie den Schüleraustausch über den "großen Teich". Dieter Winkler bucht Flüge, Zubringer und gemeinsam mit den beiden Amerikanern ein Programm vor Ort. Das Paar finanziert vieles in Seattle vertrauensvoll vor, etwa den Bus für eine Drei-Tages-Tour nach Vancouver. 15 Jahre läuft der Austausch perfekt. 2008 wird an der Schule in Seattle das Fach Deutsch durch Mandarin-Chinesisch ersetzt. Das tolle Kapitel endet. Linda und Mike sind mittlerweile im Ruhestand. Doch man trifft sich jedes Jahr ganz in Familie, in Deutschland, England oder Irland. Die grüne Insel haben Dieter Winkler und seine Familie als ihr Paradies entdeckt, in das sie oft bis zu vier Wochen im Jahr verreisen. "Jetzt können wir auch mal zu anderen Zeiten, als in den Schulferien nach Irland fliegen", freut sich Dieter Winkler. Reisen, das Haus und der Garten in Gärtitz, das Lesen englischsprachiger Autoren und das Schneiden liegengebliebener Filme aus den letzten Jahren hat sich Dieter Winkler nun vorgenommen. Dann gibt es da noch die drei Englischen Cocker-Spaniel, für die das Herrchen jetzt bald mehr Zeit hat. Und ein paar Instrumente stehen auch im Haus. Denn Dieter Winkler spielte heute für den Hausgebrauch und früher unter anderem im Staupitzbad Döbeln in einem Duo Keyboard. Vor seiner Wehrdienstzeit war er zudem der Bassist der in Döbeln legendären Band Taifun, für die er auch vom Tonband die englischen Texte mitschrieb. Aber das ist eine andere Geschichte.

Thomas Sparrer

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