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Döbeln Epidemie: Alle Schulen heute geschlossen
Region Döbeln Epidemie: Alle Schulen heute geschlossen
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23:00 27.09.2012
Wolfgang Mauch nimmt es bei der Reinigung der Sanitäreinrichtungen im Döbelner Gymnasium in diesen Tagen besonders genau. Dem Noro-Virus ist nur mit einer speziellen Desinfektionslösung beizukommen. Quelle: Wolfgang Sens

Um die Infektionskette zu durchbrechen, fällt heute an fast allen Schulen in Döbeln der Unterricht aus. Die Stadt gilt als Schwerpunkt. Die Behörden informieren erst am späten Nachmittag.

Während am Vormittag die Lage entspannt war und das Gesundheitsamt von rückläufigen Neuerkrankungen sprach, hieß es am Nachmittag, dass der Unterricht heute flächendeckend ausfällt. Die Entscheidung der Bildungsagentur Chemnitz wurde gegen 17.40 Uhr bekannt. "Auf Anraten der Gesundheitsämter der Stadt Chemnitz und des Landkreises Mittelsachsen gelten für morgen (28. September 2012) folgende Festlegungen: Diese Schulen bleiben geschlossen", teilte Lutz Steinert, Pressereferent der Bildungsagentur mit. Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) hatte die Entscheidung der Bildungsagentur vorab präzisiert: "Alle Döbelner Schulen, bis auf das Berufsschulzentrum, werden am Freitag ihren Unterricht aussetzen", sagte Egerer.

Außergewöhnlich an dem Verlauf der Epidemie ist das Tempo, mit dem sie sich ausbreitet. Der Döbelner Kinderarzt Dr. Eckhard Erdmann: "Es ist auffällig, dass die Erkrankung in einem ungewöhnlichen Ausmaß an Stellen auftritt, wo man das sonst nicht gewohnt ist. Schulen, wo ein anderes Hygienempfinden herrscht, als in Seniorenheimen oder Kindergärten, sind für gewöhnlich nicht der Ort, an denen sich Viruserkrankungen derart schnell und großflächig ausbreiten." Ihm ist noch nicht bekannt, um welche spezifische Art des Virus es sich überhaupt handelt. "Wir sind als Ärzte in die Untersuchungen der Gesundheitsämter nicht eingebunden. Wir sollen nur Meldungen machen", erklärte Erdmann.

Mittlerweile verdichten sich die Hinweise, dass eine zentrale Quelle Ursache für die Viruserkrankung sein könnte. Die betroffenen Einrichtungen werden alle vom gleichen, mit Filialen in ganz Deutschland vertretenen Essensanbieter beliefert.

Erst gestern Nachmittag ist Michael Höhme, Leiter des Lessing-Gymnasiums Döbeln, über den angeordneten Unterrichtsausfall informiert worden. "Ich habe 15.30 Uhr einen Anruf erhalten. Nun ist alles ziemlich kurzfristig, doch ich versuche über die Klassenleiter noch so viele Schüler wie möglich zu erreichen. Es sollten so wenig wie möglich Schüler in die Einrichtung kommen", erklärte Höhme. Wer nicht erreicht wurde und heute in Unwissenheit zur Schule kommt, werde aber nicht vor verschlossenen Türen stehen. Der Schulleiter: "Die Lehrer sind da und werden eine Notbetreuung absichern."

Rund 60 Schüler des Gymnasiums sind laut Höhme bislang erkrankt. "Die Zahl ist gestern nicht dramatisch angestiegen, es gab aber weitere Neuerkrankungen. Um die Kette der Neuinfektionen zu unterbrechen, ist offensichtlich die Entscheidung der Schulschließungen getroffen worden", sagt der Schulleiter. Auf der Internetseite des Gymnasiums wurde sofort ein Hinweis zum Unterrichtsausfall veröffentlicht. Nach bisherigem Stand soll am Montag der Unterricht normal weitergehen.

Überhaupt hörten sich bis gestern Mittag die Aussagen von Behörden und Ämtern noch recht entspannt an. Die Zahl der im Landkreis an Brech-Durchfall erkrankten Kinder, bei denen Noroviren nachgewiesen wurden, ist laut Gesundheitsamt Mittelsachsen auf sechs angestiegen. Im Vergleich zum Mittwoch, bis zu dem über 200 kranke Personen mit den Symptomen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall gemeldet wurden, sei gestern ein "deutlicher Rückgang der Neuerkrankungen" zu verzeichnen gewesen. Die Untersuchungen laufen noch, über den Infektionsherd liegen noch keine Informationen vor. Ob bei allen Erkrankten die Ursache Noroviren sind, steht noch nicht fest, informierte die Gesundheitsbehörde. Betroffen sind vorwiegend Kinder, sowohl Kindergartenkinder als auch Schulkinder aller Schularten, vor allem aber Grund- und Förderschüler.

An der Döbelner Schlossbergschule sind gestern sechs Neuerkrankungen hinzugekommen, die Gesamtzahl betrug damit 35, so eine Mitarbeiterin. "Die städtischen Kindereinrichtungen sind alle mehr oder weniger betroffen. Seit Dienstag sind Fälle aufgetreten", sagte gestern Thomas Mettcher, Pressesprecher der Stadt Döbeln. In den Kindertagesstätten Rößchengrund und Döbeln-Ost sei die Zahl der Erkrankungen relativ hoch und betrage rund 15 Prozent der Gesamtkinderzahl. In anderen Einrichtungen gebe es nur wenige Fälle. "Obwohl auch einige Erzieherinnen krank sind, bestehen keine Probleme, die Abläufe zu organisieren", erklärte Mettcher. Sowohl die Reinigungsfirmen als auch die städtischen Reinigungskräfte seien angewiesen, verstärkten Hygieneschutz zu betreiben. Dazu gehört zum Beispiel das tägliche Säubern von Türklinken und Handläufen sowie der zusätzliche Einsatz von Desinfektionsmitteln.

Olaf Büchel, Thomas Lieb

-Kommentar

Folgende Verhaltensregeln sollten beachtet werden:

durch Erbrochenes oder Stuhl kontaminierte Gegenstände und Flächen gründlich reinigen, dabei Schutzhandschuhe (Haushalthandschuhe) tragen;

gründliche Hände- und Toilettenhygiene;

Hygieneartikel (zum Beispiel Handtücher) sind personenbezogen zu benutzen;

Leib- und Bettwäsche sowie Handtücher sollten mit einem Vollwaschmittel bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden;

bei Abklingen der klinischen Symptomatik kann das Virus noch bis zu zwei Wochen ausgeschieden werden, deshalb sind für diese Zeit weiterhin Hygieneregeln beim Händewaschen und Toilettengang zu beachten;

vor allem bei Erkrankungen von Säuglingen, Kleinkindern, Senioren und Menschen mit schweren Grundleiden sollte rechtzeitig ein Arzt kontaktiert werden; durch den raschen und massiven Flüssigkeitsverlust sind diese besonders gefährdet.

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