Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Erinnerungen an alte Zeiten: Ein Streifzug durch Langenau bei Hartha
Region Döbeln Erinnerungen an alte Zeiten: Ein Streifzug durch Langenau bei Hartha
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:53 02.05.2017
Jörg Keul kennt als Ortschronist von Langenau jedes Fleckchen im Harthaer Ortsteil und engagiert sich dafür, dass die Erinnerungen an alte Zeiten nicht verloren gehen. Quelle: René Helm
Anzeige
Langenau

Knapp drei Kilometer lang erstreckt sich der Harthaer Ortsteil Langenau entlang des Mühlgrabens, weiter unten schließt sich der Auenbach an. Links und rechts der langen Straße haben sich über Jahrhunderte Häuser und Höfe angesiedelt. Dorfidylle, Weitblick und Raum zur Entfaltung sind Schlagworte, die einem beim ausgiebigen Spaziergang von oben nach unten in den Sinn kommen. Gemeinsam mit Jörg Keul, der selbst seit knapp 20 Jahren in Langenau lebt, und als Ortschronist so gut wie jeden Stein und jedes Fleckchen kennt, geht es auf Streifzug durch Langenau.

Zur Galerie
Knapp 200 Menschen leben derzeit im Harthaer Ortsteil Langenau. Jeder einzelne hat seine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Die Erinnerungen an lange Nächte im ehemaligen Gasthof sind genauso präsent wie die Geschichte des Dorfes, seine Anfänge und woher der Ortsname eigentlich kommt.

Erste Station: Dieter Bittners ehemaliger Imbiss. In der Mitte des Dorfes gelegen gilt er seit jeher als Anlaufziel für die Langenauer. Ob das Bierchen zum Feierabend oder eine deftige Mahlzeit am Wochenende – bei Bittners saß schon so manch einer in der Küche, leistete dem mittlerweile 65-Jährigen Gesellschaft, während der in den Töpfen wurschtelte. Das tut er heute noch, wenn auch nur zu besonderen Anlässen. Doch auch wenn der Imbiss schon seit drei Jahren nicht mehr gewerblich genutzt wird, auf ein Schwätzchen oder zu Film- und Bilderabenden treffen sich die Langenauer nach wie vor bei ihm. 1974 nahmen sich Dieter Bittner und seine Frau Sabine des alten Vierseitenhofs an. „Der war völlig kaputt“, erinnert sich Dieter Bittner. Erst wohnte das Paar zur Miete dort, 1979 wurde gekauft und schließlich Hand angelegt. „Zwölf Wochen lang hatten wir das Dach offen ohne einen einzigen Tropfen Regen abzubekommen“, erinnert sich der ehemalige Imbissbetreiber. Was ihn damals nach Langenau trieb? „Langenau hat mir schon als junger Kerl gefallen. Damals musste ich essen durch die Gegend fahren für meinen damaligen Arbeitgeber.“ Langenau passierte er dabei auch. „Die Mädels aus dem Ort warteten schon an einer Bank auf mich. Ich hatte immer kleine Fresspakete dabei“, lacht der 65-Jährige. 1998, am 1. April, eröffnete Dieter Bittner seinen Imbiss und Getränkehandel. Nebenbei bot er auch Hausschlachtungen an. Bis heute. „Hier war immer was los. Rentnertreffs, Schlachtefeste oder Ente- und Gänseessen“, sagt er. Seine Frau Sabine unterstützte ihn dabei, kümmerte sich nebenbei um die zwei Töchter.

Mit Personenschutz auf die Baustelle

Nur ein paar Schritte unterhalb von Dieter Bittners ehemaligem Imbiss, an der Buswendestelle gelegen, findet sich das alte Schulgebäude. Im Herbst 1910 wurde die Schule eröffnet. Der böhmische Architekt Adalbert Georg Erlebach kam damals zeitweise nur mit Personenschutz auf die Baustelle, weiß Ortschronist Jörg Keul. „Weil er damals die Bauaufträge statt in Langenau und der näheren Umgebung an überregionale Handwerker vergab, gab es Stunk.“ Ein zur Schulweihe am 5. September 1910 aufgestellter Stein ist noch heute fest im Boden verankert. Seit über 30 Jahren läutet es in Langenau nicht mehr zur Pause, denn nur bis 1965 wurden Kinder in der Schule unterrichtet. Als der Bedarf und die Schülerzahlen sanken, wurde die Schule geschlossen. Längst ist das einstige Schulgebäude in Privatbesitz.

„Jeder soll seinen Platz im Dorf haben“

Für mehr Kinder in Langenau, sorgen junge Familien, die in den letzten Jahren den Weg ins Dorf fanden. Eine dieser Familien lebt seit 2011 hier. Anja Dörmer (30) und Robert Zimmermann (36) wohnen im ehemaligen Konsum. Nur das der schon lange nicht mehr aussieht, wie einst. Aus dem Flachgebäude mit der Telefonzelle davor, ist ein mittlerweile gelbes Einfamilienhaus geworden. Niemand kauft dort noch Milch, Eier oder Wurst. Stattdessen tobt der vierjährige Sprössling Finnlay durch den kleinen Garten. „Ich stamme ursprünglich aus Hartha, Robert aus Geringswalde. Bevor wir nach Langenau gezogen sind, haben wir in Gersdorf gewohnt. Das Dorfleben hat uns gefallen“, erklärt Anja Dörmer. Die Suche nach einem Haus, brachten die Altenpflegerin und den Maler nach Langenau. An den traditionellen Veranstaltungen wie beispielsweise der Neujahrswanderung oder der Fahrradausfahrt beteiligt sich die junge Familie gern. Ab und an wird am Vereinshaus am Sportplatz gegrillt. Dann kommen Nachbarn zusammen, um gemeinsam eine gemütliche Zeit zu haben. Das Miteinander der Langenauer, das soll auch künftig erhalten bleiben. Dafür setzt sich Ortschronist Jörg Keul ein. „Jeder soll seinen Platz im Dorf haben, jeder gehört dazu“, sagt er. Seine sogenannten Dorfpartien, bei denen er zum Bildervortrag lädt, sind mehr als gut besucht. Mehrere Durchgänge muss er abhalten, denn niemand soll darauf verzichten müssen. Dabei geht es um viel mehr als das reine Bilder ansehen. „Es ist eine Möglichkeit, sich mal wieder auszutauschen, mal wieder miteinander ins Gespräch zu kommen“, so Keul.

Muntermacher gegen Lampenfieber

Einst brachte auch der seit etwa acht Jahren nicht mehr existierende Faschingsclub die Leute in Langenau zusammen. Ralf Hopke, damaliger Vorsitzender des zwar nicht eingetragenen, dafür aber dem Feuerwehrverein angeschlossenen Vereins, erinnert sich noch gut an die Zeit. „Das muss so um 1995 herum gewesen sein. Ein paar Leute schlossen sich zusammen, um ein paar Sketche auf die Bühne zu bringen“, sagt er. Dreh- und Angelpunkt war damals der Gasthof in der Dorfmitte. Den gibt es seit 1997 nicht mehr. Doch bis dahin nahmen die Faschingsclub-Mitstreiter den Saal in Beschlag. „Es gab sogar eine Funkengarde, wo die jungen Mädels tanzten“, erinnert sich Hopke, der selbst seit 1993 in Langenau lebt. Die Männer und Frauen stellten ein jedes Jahr wechselndes Programm auf die Beine. „Märchenwald“ oder „Olsenbande“ gehörten zu den in Erinnerung gebliebenen Mottos. „Wir sind nach und nach gewachsen und entwickelten die Programme weiter.“ Die Kostüme schneiderten die Karnevalisten teilweise selbst, teilweise ließen sie sie in Geringswalde anfertigen. Und auch an das Lampenfieber erinnert sich Ralf Hopke nur all zu gut. „Manche brauchten einen Muntermacher, dann lief es wie geschmiert“, schmunzelt er. Als der Gasthof in Langenau geschlossen wurde, mussten sich die Faschingsclub-Mitstreiter ein anderes Domizil für ihre drei Veranstaltungen pro Saison suchen. Zuerst ging es nach Nauhain in den „Kugelhupf“, später in die „Linde“ nach Minkwitz, zuletzt in den Gasthof Simselwitz. „Unsere Veranstaltungen waren immer ausverkauft. Die Resonanz war gut“, so Ralf Hopke weiter. Geprobt wurde zum Teil im damaligen Jugendclub, dem heutigen Vereinshaus. Für die Generalproben musste man dann aber doch in die gerade aktuellen Säle wechseln. „Man musste ja sehen, wie das Bühnenbild wirkt und wie wir damit arbeiten können. Das ging nur am richtigen Veranstaltungsort.“ Irgendwann fehlte der Nachwuchs. Hopke zog 2002 den Hut, ein paar Jahre später war Schluss mit Fasching in Langenau.

Altes Gästebuch aufgetaucht

Der alte Gasthof, der schon im Jahr 1690 gebaut wurde, bröckelt mittlerweile vor sich hin. Ortschronist Jörg Keul, der als Schulleiter die Geschicke der Gersdorfer Grundschule leitet, stieß vor einiger Zeit auf ein Relikt aus alten Tagen. „Ich habe ein Gästebuch des Gasthofes gefunden. Das wurde von 1925 bis 1953 geführt“, erklärt er. Darin finden sich Einträge, darunter auch ein Gedicht von Emil R. R. Langheinrich. Quasi eine Liebeserklärung an das Örtchen – und den ehemaligen Gastwirt August Simmchen. Der legendäre Langenauer Tanz, zu dem regelmäßig in den Gasthof geladen wurde, ist bis heute fester Bestandteil in der Erinnerung derjenigen, die sich dort die Nächte um die Ohren schlugen und in den Räumlichkeiten erste wenn auch zaghafte verliebte Blicke austauschten.

Der Streifzug durch den Harthaer Ortsteil nähert sich dem Ende. Jörg Keul ist auf dem Sprung, hat noch einiges auf der Agenda. Ein großes Jubiläum steht an: 775 Jahre Langenau. 2020 wird groß gefeiert. Die Vorbereitungen laufen bereits. In der Geschichte Langenaus wird Keul auch weiterhin stöbern. Zu entdecken gibt es genug, das beweist das Örtchen immer wieder aufs neue.

Zahlen & Fakten

Die erste urkundliche Erwähnung fand der Ort im Jahr 1245 in einem von Kaiser Friedrich II. bestätigtem Kauf. Wahrscheinlich durch einen Tausch im Jahr 1261 ist das Dorf aber bald an das Kloster Geringswalde gefallen.

Damals als „Langenowe“ notiert, leitete sich der Ortsname vermutlich vom Begriff „lange Aue“ ab.

Erste Einwohnerzahlen wurden im Jahr 1587 niedergeschrieben. Demnach lebten 15 besessene Mann, 13 Häusler und siebeneinhalb Hufen im Ort. So viele wie nie wurden hingegen 1843 gezählt. 1926 zählte man 319 Einwohner, im Jahr 2011 waren es 193.

Die Pest wütete im Jahr 1633 im Dorf, nahm 30 Menschen das Leben. Vier beziehungsweise sechs Jahre später brach die Pest erneut aus und forderte erneut 20 Opfer.

Seit 2004 ist Langenau ein Ortsteil von Hartha.

Der derzeit amtierende und parteilose Bürgermeister von Hartha, Ronald Kunze, lebt in Langenau. Er ging im Juni 2015 aus dem zweiten Gang der Harthaer Bürgermeisterwahlen mit 58,8 Prozent der Stimmen als klarer Sieger hervor.

Von Stephanie Helm

Döbeln Kostenschätzung für Großweitzschen, Ostrau und Zschaitz-Ottewig liegt vor - Breitband: „Die Kosten sind erschreckend hoch“

Rund eine Million Euro: So viel müssten Großweitzschen und die Verwaltungsgemeinschaft Ostrau/Zschaitz-Ottewig für den Breitbandausbau auf 100 MBit zuschießen. Für 30 bis 50 MBit wären es noch 700 000 Euro. Das sorgt für erhebliche Kritik der Bürgermeister.

01.05.2017

Von 22 Roßweiner Stadträten waren Donnerstagabend nur 13 anwesend. Das Gremium konnte dennoch den Doppelhaushaltsplan für die Jahre 2017/2018 mehrheitlich beschließen. Die im Etat eine Rolle spielende städtebauliche Sanierung birgt einen Lichtblick, was das brachliegende Ex-Hotel Herkules am Marktplatz betrifft.

28.04.2017

Um es mal richtig krachen zu lassen, hatte sich ein Mittdreißiger aus Waldheim Pyrotechnik aus Polen kommen lassen. Aber der Zoll hatte den Internethandel aus dem Nachbarland im Visier – vor allem dessen Kundschaft.

Anzeige