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Erinnerungen einer Mutter: Schlechtes Essen mit Maden im Gesinderaum

Erinnerungen einer Mutter: Schlechtes Essen mit Maden im Gesinderaum

Karl-Heinz Zingler aus Oschatz verfasste 1938 bis 1945 Ausschnitte aus dem Leben seiner Mutter. Sie, Eleonore Franziska Zingler, geb. Grahl wurde am 16. Februar 1924 in Oschatz geboren und lebt seit 2005 wieder in Oschatz.

Neu aufgeschrieben und verfasst wurden die Zeilen von Wolfgang Zingler.

1938 habe ich mit 14 Jahren die Schule verlassen und wollte eine Lehre zur Schneiderin oder Frisörin beginnen. Die Ausbildung sollte 50 Reichsmark im Monat kosten, das konnten sich meine Eltern nicht leisten und so musste ich zum Bauern arbeiten gehen. Für 15 Reichsmark im Monat musste ich ab 4 Uhr morgens im Stall und je nach Jahreszeit auf dem Feld arbeiten. Zu meinen Aufgaben gehörte es, die Kühe zu melken, die Schweine zu füttern, Rüben zu pflanzen, verziehn, hacken und zu ernten. Getreide zu Garben zu binden und aufzustellen. Im Winter wurde das Getreide in der Scheune mit einer großen Maschine gedroschen. Das war die einzige Maschine, sonst war alles schwere Handarbeit.

Zum Feld ging es zu Fuß oder mit dem Pferdewagen. Es war einmal beim Rübenpflanzen sehr kalt und ich habe mir Handschuhe aufgesetzt, das hat der Bauer gesehen und geschimpft und ich musste die Handschuhe wieder ausziehen. Der Bauer war oft betrunken, dann mussten wir auf unser Essen warten. Es gab einen Gesinderaum mit Tisch und Bänken. Dort haben wir gegessen und uns aufgehalten. Eine Wirtschafterin kochte für uns alle. Es gab wenig und schlechtes Essen, manchmal waren auch Maden in der Wurst aus der Speisekammer.

Geschlafen habe ich in einem Raum mit Gittern an den Fenstern und auf einem einfachen Stahlbett. Ich erinnere mich noch, dass ein Zug (von Mügeln nach Döbeln) in der Nähe fuhr. Manchmal habe ich auch zu Hause geschlafen, dann bin ich die zwei Kilometer nach Hause gelaufen. Gewaschen habe ich mich in einer Waschschüssel im Schweinestall, ein Bad gab es für uns nicht. Da ich stark an Gewicht verloren hatte, wurde ich mit einer Aussteuer, Handtücher aus Frottee, diese habe ich heute noch, und einem Kuchen im Oktober 1939 nach Hause geschickt.

Ich lebte mit meinen Eltern und meiner Schwester in Mügeln, Mühlgasse 1. Dort habe ich ein wenig Geld verdient mit Zeitungenaustragen, in drei Tagen habe ich 2,50 Reichsmark verdient. Dafür musste ich hundert Kilometer mit dem Fahrrad fahren. Mein Vater war Tapezierer und Dekorateur. Früher verstand man auch darunter diejenigen Handwerker, die das Polstern von Satocmöbeln und die Herstellung von Matratzen übernahmen. Er fertigte zusammen mit mir und meiner Mutter die Ledergriffe für Munitionskisten für das Militär. Sie hat Leder über Nacht abgeschnitten und poliert. Mein Vater stach elf Löcher mit einer Ahle vor und nähte mit dickem Faden und zwei Nadeln. Ich habe da auch mitgenäht. Die Arbeit wurde als Heimarbeit in die Wohnung gebracht und wieder abgeholt.

Ein Verwandter meines Vaters vermittelte mir eine Stelle in der Konditorei "Ritter" in Leipzig. Der Lohn betrug 20 Reichsmark im Monat. Nachdem ich mir ein Fahrrad zusammengespart hatte, war mein Weg nicht mehr so lang. So konnte ich mit dem Zug und dem Rad fahren.

Danach vermittelte mir ein Nachbar (Förster Golis) eine Stelle als Verkäuferin in einer Fleischerei. Dort verdiente ich 25 Reichsmark im Monat. Wir waren auch für das Trocknen der Bratwürste zuständig. Bei dieser Arbeit waren wir unbeobachtet und weil wir immer Hunger hatten, mopsten wir uns eine Wurst und machten sie in einem Topf warm.

Fortsetzung folgt

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