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Döbeln Erst Täter – dann Opfer: Döbelner Crystal-Schmuggler muss nicht in Haft
Region Döbeln Erst Täter – dann Opfer: Döbelner Crystal-Schmuggler muss nicht in Haft
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Wegen Drogenschmuggels hat ein Schöffengericht des Amtsgerichtes Döbeln einen 27-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Quelle: Wolfgang Sens (LVZ/DAZ)
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Döbeln

In der Döbelner Crystal-Szene sind die Rollen Opfer zum Täter austauschbar. Das zeigte sich neulich in einem Prozess am Amtsgericht Döbeln gegen einen jungen Mann, der dem Folterer von Döbeln zum Opfer fiel und üble Misshandlungen erlitten hat (die DAZ berichtete).

Die Staatsanwaltschaft hatte den Döbelner nun vor einem Schöffengericht der viermaligen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen angeklagt. Er soll bei vier Fahrten nach Tschechien sechs, zwölf, 24 und 48 Gramm Methamphetamin für die ehemalige Döbelner Crystal-Queen Daniela W. mitgebracht haben.

„Ich war dort, aber es war nicht soviel“, gab der Deutsche die Tatvorwürfe im Grunde zu. Nach der letzten Fahrt habe er weitere Kurierfahrten abgelehnt. „Das wurde mir von der Menge her zuviel.“ Geld für den Schmuggel habe nicht bekommen. Derzeit nimmt er laut eigenem Bekunden keine Drogen mehr. Zudem geht er einer geregelten Arbeit nach und plant, aus Döbeln wegzuziehen. Um auch räumlich von der Szene wegzukommen.

Nicht so heiß gegessen, wie gekocht

Die angeblich immer um den Faktor zwei gesteigerten Mengen des illegalen Crystal-Imports ließ sich im Prozess nicht nachweisen. Hauptbelastungszeugin Daniela W. reiste wieder aus dem Chemnitzer Frauengefängnis an. „Das waren zweimal um die sechs Gramm, beim dritten Mal etwas mehr, so zehn oder 15 Gramm“, sagte Daniela W. nun aus. Auch den Tatzeitraum gab sie anders an, als es in der Anklage steht. „Das ist nicht verwunderlich bei Crystal-Abhängigen, diese Erinnerungsschwächen“, sagte dazu Hauptkommissar Carsten R., Elas Vernehmungsbeamter.

Das Schöffengericht gab daraufhin den rechtlichen Hinweis, den Tatzeitraum zu ändern und auch „nur“ eine unerlaubte Einfuhr von geringen Mengen Betäubungsmitteln anzunehmen. Zumal auch nicht klar war, rein das importierte Crystal war. Das Gericht stützte sich auf Untersuchungen anderer, sichergestellter Mengen Crystals. Das hatte einen Reinheitsgehalt von 47 Prozent. Der Unterschied zwischen den Delikten liegt im Strafmaß. Angeklagt waren Verbrechen, also eine Straftaten, auf die mindestens ein Jahr Haft steht, im konkreten Fall beginnt der Strafrahmen bei zwei Jahren Haft. Selbst wenn sich die Tatvorwürfe so wie in der Anklage bewahrheitet hätten, wäre der Mann nicht für acht Jahre eingefahren. Das Gericht hätte eine Gesamtstrafe bilden müssen, die dann zwischen zwei und vier Jahren Haft gelegen hätte. Mehr als vier Jahre Gefängnis dürfen Schöffengerichte an Amtsgerichten nämlich gar nicht verhängen.

Das Schöffengericht verurteilte den 27-Jährigen letztlich aber wegen Vergehen nach Paragraf 29 Betäubungsmittelgesetz zu 14 Monaten Haft mit Bewährung. „Wir hatten hier den Fall, dass sich der genaue Sachverhalt erst in der Hauptverhandlung ergibt“, war dazu vom Gericht zur Begründung zu hören. Das ging auch nur von drei Fällen aus. „Sie haben erkannt, dass das verschwendete Lebenszeit war. Wir hoffen, dass Sie auf dem Weg weitergehen, den sie eingeschlagen haben.“

Als Vorstrafen brachte der junge Mann eine ganze Menge mit, überwiegend wegen Drogendelikten. Allerdings verurteilten ihn die Gerichte bisher nur zu Geldstrafen. Aus der Art schlägt ein Urteil wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen – ein typisches Nazivergehen. „Den Hitlergruß gezeigt oder irgendwelche Runen gemalt“, war dazu von Seiten des Gerichtes zu hören. Der Angeklagte sagte dazu nichts.

Dealerin wartet auf Prozess

Diejenige, für die Döbelner den Stoff aus Tschechien geholt hat, sitzt derzeit – unter anderem wegen eines Mopeddiebstahls in Hartha – in der JVA Chemnitz und wartet auf ihren eigenen Prozess wegen Drogenverbrechen. Denn sie fuhr auch selber nach Tschechien und holte Crystal, bis sie der Polizei in die Fänge geriet. Und mit einer umfassenden Aussage für über 150 weitere Drogenverfahren gegen ihre Abnehmer sorgte. An der 6. Großen Strafkammer des Landgerichtes Chemnitz ist mittlerweile die Anklage eingegangen. Ein Termin zur Hauptverhandlung steht aber noch nicht fest. Das Gericht holt noch ein Gutachten über Daniela W. und ihre Drogensucht ein, war dazu am Landgericht zu erfahren.

Von Dirk Wurzel

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