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Döbeln Essen für Alle: Tafel Döbeln hat keine Probleme mit Ausländern
Region Döbeln Essen für Alle: Tafel Döbeln hat keine Probleme mit Ausländern
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Bei der Tafel Döbeln gibt es keine Unterschiede an der Ausgabe. Hier bekommen bedürftige Deutsche genauso ihre Lebensmittelpakete, wie Ausländer. Quelle: Sven Bartsch
Region Döbeln

Nix Essen ohne deutschen Pass bei der Tafel in Essen. In Essen würden sich die Ausländer unter den Tafel-Kunden unanständig benehmen, drängeln und schubsen. Bis auf drei Viertel sei der Anteil der Ausländer an den Tafelkunden in Essen angestiegen. Der Verein zog die Notbremse. In Döbeln ist das egal. Hier betreibt die Tafel Döbeln seit Anfang Februar an der Eichbergstraße ihre neue Ausgabestelle. Am Donnerstag-Mittag stand dort etwa eine handvoll Leute. Darunter ein Ausländer. Der ältere Herr war mit dem Fahrrad gekommen und winkte freundlich ab, wollte nicht mit der Zeitung reden.

Warten in der Kälte

An der Eichbergstraße geht es am Ausgabetag ruhig und gesittet ab. Etwa eine Viertel Stunde früher ist ein älteres Ehepaar aus Döbeln gekommen. Der Laden ist aber noch zu. Das Warten in der Kälte nehmen die Leute ohne großes Murren hin. „Hoffen wir doch, dass es nicht erst 12 Uhr 67 wird, wenn die Tür aufgeht“, sagt der Mann scherzhaft. Die Tafel entlastet das Budget der Leute, die mit kleinen Renten klarkommen müssen. 45 Jahre hat sie Friseurin gearbeitet und nun reicht die Rente geradeso zum leben, sagt die Frau. Ähnlich geht es einer weiteren Tafelkundin aus Döbeln. Sie spricht die Runde der Wartenden auf die Zustände in Essen an. Gegen Ausländer habe sie nichts – wenn sie sich benehmen.

Ausländeranteil nicht sehr hoch

Das scheinen die meisten ausländischen Kunden der Tafel Döbeln zu tun, wie beim Ausgabepersonal zu erfahren ist. Probleme gibt es keine und übermäßig viele Flüchtlinge kommen auch nicht zur Ausgabestelle an die Eichbergstraße. „Die Anzahl der Ausländer an unseren Ausgabestellen ist überschaubar“, sagt Anne Katrin Koch, geschäftsführende Vorstandsvorsitzende des Vereins Netzwerk Mittweida. Der hat die Döbelner Tafel vor zehn Monaten übernommen, weil sie die Awo Grimma nicht mehr wollte. Ausgabestellen hat die Tafel im Altkreis in Döbeln, Hartha, Waldheim und Roßwein. Es ist nicht geplant, Ausländern keine Lebensmittelspenden mehr zu geben, sagt Anne Katrin Koch. Sie schätzt den Migranten-Anteil unter den Tafelkunden auf 15 Prozent.

Kommentar: Alles muss ein Maß haben

Es ist ein Hilferuf. Anders lässt die Entscheidung der Essener Tafel nicht interpretieren, keine Ausländer mehr zu bedienen. Klar, dass jetzt viele Rassismus unterstellen. Aber das greift zu kurz. Denn wenn man das Problem sachlich durchdenkt, bleibt unterm Strich stehen, dass die Ressourcen und Kapazitäten für Integration endlich sind. Wenn es viele Ausländer in einer Stadt gibt, sind logischerweise auch viele Helfer notwendig, die denen auch beibringen, wie man sich hierzulande benimmt. Dass es zum Beispiel inakzeptabel ist, in der Schlange bei der Tafel das Großmütterchen beiseite zu stoßen. Endliche Ressourcen und Kapazitäten – dieses Problem stellt sich auch in Freiberg. Hier fluten die Kinder der Migranten die Schulklassen und Kindergartengruppen. Die Qualität der Bildung droht dabei auf der Strecke zu bleiben. Mehr Lehrer innen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher gibt es auch nicht über Nacht. Logisch, dass die mittelsächsische Kreisstadt da die Notbremse zieht. Essen und Freiberg – es sind Hilferufe nach einer Korrektur der Flüchtlingspolitik. Im Landkreis Mittelsachsen nach einer gerechteren Verteilung im Kreis. Das hat nichts mit Rassismus zu tun. Von diesem ist in der dinglichen Welt erstaunlich weniger zu spüren, als in den sozialen Netzwerken im Internet. Beispiel Tafel Döbeln. Hier gibt es keine Bedürftigen erster und zweiter Klasse, worüber die Herkunft bestimmt. Noch ist das so. und wird mindestens solange so bleiben, als sich die Zahl der Menschen, die sich bei der Tafel versorgen müssen, in einem überschaubaren Rahmen halten. Dirk Wurzel

In der Region Döbeln leben derzeit 380 Asylsuchende in Gemeinschaftsunterkünften und Wohnungen, die der Landkreis über seine Firma GSQ angemietet hat. Ein Asylbewerber bekommt laut Auskunft des Landkreissprechers André Kaiser 320 Euro im Monat. Sobald die Flüchtlinge Asyl bekommen haben, können sie Hartz-IV beziehen. Wie groß die Anzahl dieser Personengruppe im Altkreis Döbeln ist, teilt Kreissprecher Kaiser nicht mit. Auch diese Leute könnten wie die Flüchtlinge mit Asylbewerberstatus eine Bedürftigkeit nachweisen und damit bei der Tafel für kleines Geld Lebensmittel holen gehen. So wie deutsche Hartz-IV-Empfänger und deutsche Senioren mit kleinen Renten auch.

Verständnis für Essen

Netzwerk-Chefin Anne Katrin Koch hat Verständnis für die Entscheidung der Essener Tafel, keine Ausländer mehr zu nehmen. „Das hat mit Rassismus aber nichts zu tun“, stellt sie klar. Kapazitäten sind eben endlich. Das haben auch die Städte Freiberg und Pirmasens (Rheinland-Pfalz) erkannt, die anerkannten Flüchtlingen den Zuzug verweigern wollen. In der mittelsächsischen Kreisstadt hat das auch mit übervollen Kindertagesstätten und Schulklassen zu tun.

München ist auch eine Stadt mit hohem Ausländeranteil. Hier denkt die Tafel aber nicht daran, bedürftigen Migranten den Zugang zu verwehren, wie deren Sprecher Gregor Tschung erklärt.

Von Dirk Wurzel

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