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"Euthanasie" im Altkreis Döbeln

"Euthanasie" im Altkreis Döbeln

Die Arbeitsgruppe Geschichte des Treibhaus-Vereins ging jüngst auf Spurensuche: Innerhalb des Projektes "Geschichtswerkstatt Döbeln" recherchierten junge Leute zum Thema "Euthanasie" im Altkreis.

Ganz am Ende könnte eine Ausstellung über Naziverbrechen stehen, erklärt Stephan Conrad. Der Jugendarbeiter leitet die AG in seiner Freizeit, unterstützt wird er von Sozialarbeiterin Sophie Spitz.

Die Tour der geschichtsinteressierten Jugendlichen begann in der Gedenkstätte Pirna-Sonnenschein. "In der für ihre humanistische Tradition berühmten ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt ermordeten die Nationalsozialisten in den Jahren 1940 und 1941 13 720 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen. Sie wurden im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde, der sogenannten Aktion T4, in einer Gaskammer umgebracht", heißt es auf der Internetseite der Gedenkstätte.

Die Tour führte die Gruppe auch auf das Klinikgelände in Hochweitzschen. "Wir wollten den Ort wahrnehmen, das Gelände erkunden. Eine Tötungsanstalt hatte die damalige Heilanstalt selbst nicht. Wir waren also nicht wirklich am Ort des Verbrechens", so Conrad. Es habe aber zwei Opfergruppen gegeben: Patienten, die durch "Übersterblichkeit" (Mangelernährung und Medikamentengabe) und andere, die durch Deportation ins Gas (Kohlenmonoxid) nach Pirna-Sonnenstein getötet wurden.

Patienten deportiert

Insgesamt wurde 1905 Hochweitzschener Patienten das Leben genommen; davon 1238 Menschen in Sammeltransporten nach Pirna verbracht. Über diesen Teil der Geschichte des heutigen Fachkrankenhauses Bethanien gibt die Internetseite Auskunft. Unter "Geschichte" geht Dr. Rudolf Wilhelm Lehle im Detail auf das Thema ein. Der ärztliche Leiter des Krankenhauses publizierte dazu unter dem Titel "Die Geschichte des Krankenhauses Hochweitzschen in Mittelsachsen". In seinem Buch beleuchtet Lehle den Weg der "ursprünglichen Irrensiechenanstalt zur ersten staatlichen Heil- und Pflegeanstalt für Epilepsie-Kranke im deutschen Sprachraum, vom psychiatrischen Großkrankenhaus zum kleineren Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie" von 1874 bis 2002.

Der Autor geht auf die nachweislich sinkenden Kostensätze ab 1937 (60 Reichspfennige) bis Herbst 1939 (18 Reichspfennige) und die daraus resultierende Übersterblichkeit ein: "Durch diese völlig unzureichende Ernährung erhöhte sich die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten mit sehr stark ansteigender Sterblichkeit ab September 1939 weiter rasant. Für die Periode 1939-1945 ergibt sich eine Übersterblichkeit von soweit bekannt etwa 667 Menschen."

Gedenktafel seit 1998

Im Rahmen der nationalsozialistischen Krankentötungsaktion T4 habe die sogenannte "Gemeinnützige Transport-GmbH" Patienten auch aus der Landesanstalt Hochweitzschen in Sammeltransporten per Autobus abzutransportieren begonnen. "Von dieser Aktion waren grundsätzlich alle Anstalten im Deutschen Reich betroffen", so Dr. Lehle: "Der Krankenmord wurde von den Nationalsozialisten 'Vernichtung lebensunwerten Lebens' genannt oder mit dem Wort 'Euthanasie' verschleiert."

Das Krankenhaus habe in Erinnerung an die Opfer im Mai 1998 eine Gedenktafel im Flur, neben Dr. Lehles Arbeitszimmer, mit der Aufschrift "Hochweitzschen Waldheim Sonnenstein 1940-1941 Zum Gedenken an die Patienten, die der nationalsozialistischen Mordaktion T4 zum Opfer fielen" enthüllt.

 

 

"Euthanasie": systematische Morde zur Zeit des Nationalsozialismus als Teil der "Rassenhygiene".

Aktion T4 - nach der Verwaltungszentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4 - erste Phase der NS-Euthanasie.

In Pirna-Sonnenstein tötete man 13 720 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen im Rahmen der NS-Krankenmorde.

Ab September 1939 wird der Kostensatz der Landesanstalt LA Hochweitzschen auf 18 Reichspfennig pro Person und Tag gesenkt: Die völlig unzureichende Ernährung führt zu erhöhter Anfälligkeit für Infektionen und stark steigender Sterblichkeit. Durch die "Übersterblichkeit" kommen in Hochweitzschen annähernd 667 Patienten ums Leben.

1238 Patienten werden in Sammeltransporten deportiert und durch Gas in Pirna getötet. Insgesamt 1905 Patienten der LA wurden ermordet.

Seit Mai 1989 erinnert eine Gedenktafel im Fachkrankenhaus Bethanien an die T4-Opfer.

Natasha G. Allner

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