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Döbeln Ex-Bürgermeister Gerald Herbst: "Nach 25 Jahren zu gehen, ist angemessen"
Region Döbeln Ex-Bürgermeister Gerald Herbst: "Nach 25 Jahren zu gehen, ist angemessen"
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17:30 07.08.2015
Die Gartenbank bekam Gerald Herbst vom Kinderhaus Hartha geschenkt. Er hat sie an seinen Lieblingsplatz gerückt: Unter die schattige Pergola im Garten. Quelle: Steffi Robak
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Das Handy einfach klingeln zu lassen, fällt ihm sichtlich schwer. Mit der DAZ zieht Herbst ein Resümé über die Stadt Hartha und sich als ihr Bürgermeister.

14 Jahre Gerald Herbst Bürgermeister in Hartha - geht jetzt eine Epoche zu Ende?

Das würde ich nicht epochal nennen. Ich trete freiwillig in den Ruhestand. Einschließlich der Zeit für Gersdorf war ich 25 Jahre Bürgermeister. Ich wollte selbst bestimmen, wann ich gehe. Die 25-Jahre-Marke erscheint mir angemessen.

Womit hat Hartha in den vergangenen Jahren am meisten gewonnen?

Mit der Hartharena gelang der Stadtpolitik ein genialer Wurf, sowohl kulturell, sportlich und schulisch. Die Gewerbegebietsanbindungsstraße bindet Waldheim über Leisnig mit an die Autobahn A14 an. Die Harthaer Feuerwehr hat ein modernes Gerätehaus. Obwohl wir nie die reichste Kommune waren, konnten wir auch große Vorhaben realisieren.

Es ist kein Geheimnis, dass von allen drei Kandidaten der neue Bürgermeister Ronald Kunze derjenige ist, mit dem sie am besten auskommen. Werden Sie im Rathaus nun die graue Eminenz?

Nichts wäre schlimmer, als wenn ich noch immer überall hinein huste. Nein, Herr Kunze muss sich selbst der Bewährung stellen. Wenn er will, kann er fragen. Auf seinem Heimweg nach Langenau fährt er ja an Gersdorf vorbei.

Aber sie werden doch noch häufig angerufen?

Eigentlich eher selten und nur von Leuten, die wissen, dass ich mich in manchen Dingen auskenne. Ich entscheide nichts mehr.

Verdirbt der Wirbel um Ihren Parteiaustritt den Blick auf Ihr Wirken für die Kommunalpolitik?

Das wäre übertrieben. Die Auffassung, der CDU-Bürgermeisterkandidat hätte wegen angeblich schlechter Amtsführung des Bürgermeisters so wenig Stimmen bekommen, ist die Einzelmeinung von Henry Görlitz aus dem Harthaer CDU-Ortsverband. Dass alle anderen Mitglieder das widerspruchslos hinnahmen, ist schon sehr ärgerlich.

Sie hätten CDU-Mitglied bleiben und den Ortsverband wechseln können...

Es gab tatsächlich so eine Nachfrage. Aus welchem Verband, spielt keine Rolle. Ich möchte nur sagen: Es gibt CDU-Akteure, die meine Arbeit objektiv zu beurteilen wissen. Ich würde mich trotzdem nicht wohl fühlen, nur um noch Mitglied zu sein, den Leuten in einer anderen Stadt in ihre Probleme reinzureden.

Warum ist für Sie die Parteizugehörigkeit derart eng mit dem Heimatort verknüpft?

Ich stand aus familiären Gründen der Gersdorfer CDU nahe. Die war schon in der DDR stark, der Ort galt als tief schwarz. Mein Vater gehörte zu den aktiven Mitgliedern. Er starb wenige Tage, nach dem ich von der Armee zurück war. Kurz darauf trat ich in diese Partei ein. Ich habe es immer als väterliches Vermächtnis betrachtet, dort aktiv zu sein. Mit der Bürgermeistertätigkeit in Gersdorf hat sich das ein Stück erfüllt. Hartha war dann die konsequente Fortsetzung.

Im Wahlkampf hieß es, Herbst schaufelt sämtliches Geld nur in sein Gersdorf...

Das ist doch Irrsinn. Erst 2004 wurde Gersdorf nach Hartha eingemeindet. Davor, zur Zeit der Eigenständigkeit, wurde die Dorfstraße gebaut, 1998 wurde der Kindergarten in die Schule eingebaut. Auch der Allwettersportplatz entstand im eigenständigen Gersdorf. Das beeinträchtigte die Harthaer Stadtfinanzen gar nicht. In meinen 14 Jahren als Harthaer Bürgermeister wurden insgesamt 20 Millionen Euro in der Kommune Hartha investiert, davon sieben Millionen allein in die Umgehungsstraße. Nicht mal zwei Millionen gingen in die Ortsteile. Im Übrigen trifft nicht der Bürgermeister die Entscheidungen, sondern der Rat.

Das Dogma vom bevorzugten Gersdorf sitzt trotzdem fest in den Köpfen.

Schade, dass dieses Gift immer wieder reingemischt wird. Ich hoffe, das hört jetzt auf. Und vielleicht ist gerade deshalb ab jetzt ein bisschen der Dampf raus: Dadurch, dass ich weg bin.

Steffi Robak

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