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Döbeln Ex-Gasthof bis Bogenbrücke: Zehn Abrisse im Raum Döbeln genehmigt
Region Döbeln Ex-Gasthof bis Bogenbrücke: Zehn Abrisse im Raum Döbeln genehmigt
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10:29 10.10.2015
Diese Bauwerke in der Döbelner Region stehen auf der Abriss-Liste des Landkreises (siehe dazu auch den Infokasten unten). Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Das betrifft unter anderem den ehemaligen Wetterwitzer Gasthof, das Herrenhaus in Obersteina, ein früheres Mühlengebäude in Grunau und eine Bogenbrücke über die Jahna in Zschaitz-Ottewig. Für weitere vier Objekte in der Döbelner Region gibt es Abriss-Anträge. Im gesamten Landkreis wurden seit dem Jahr 2000 mehr als 450 Baudenkmale abgebrochen und zudem seit 2005 insgesamt 95 Kulturdenkmale aus der Denkmal-Liste gestrichen. Wolfram Günther, Sprecher für Denkmalschutz der Grünen-Fraktion im Sächsischen Landtag, recherchierte diese Zahlen und klagt: „Die Größenordnung dieses unwiederbringlichen Verlusts an gebauter Kultur und Heimat ist erschreckend. Die Städte und Gemeinden im Landkreis haben bereits ein gewaltiges Entwicklungspotenzial verloren. Günther fordert deshalb eine bessere finanzielle Förderung: „Vor allem engagierte private Denkmaleigentümer werden mangels ausreichender Förderung allein gelassen. Wenn aber weder saniert noch gesichert werden kann, drohen Verfall und Abriss.“

Weder erschreckend noch normal sind die vorgelegten Zahlen, sagt Jörg Liebig von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises auf Anfrage. „Tatsache ist, dass es zu keiner Zeit gelingen wird, alle Denkmale als solche zu erhalten. Trotzdem ist jeder Abbruch eines Denkmals ein Verlust! Deshalb ist es eben nicht normal, wenn ein Denkmal verschwindet“, erklärt Liebig. Trotzdem sei die genannte Größenordnung eher als normal einzustufen.

Die Abbruchgründe seien so unterschiedlich wie die Denkmallandschaft in der Region. Dazu gehörten Perspektivlosigkeit des Baukörpers, was beispielsweise bei mehrgeschossigen Industriebauten zutreffe, eine fehlende zeitgemäße Nutzungsmöglichkeit, schlechter Bauzustand, schwer kalkulierbare Kosten und Realisierungszeiträume oder fehlende Bauherren. Misslungene Baumaßnahmen könnten ein Grund dafür sein, dass ein Objekt seine Denkmaleigenschaft verloren hat und es deshalb von der Denkmalliste gestrichen wurde.

Zur Forderung der Grünen nach mehr finanziellen Mitteln für den Denkmalschutz schätzt Liebig ein, „dass Geld allein nicht automatisch eine Lösung darstellt. Der Erhalt eines Denkmals um seiner selbst willen ist keine Lösung, kann als Zwischenetappe im Einzelfall aber durchaus legitim sein. Nur die Nutzung eines Objektes wird dieses dauerhaft erhalten können“.

Abriss-Denkmal-Objekte im Altkreis Döbeln

Kulturdenkmale im Altkreis Döbeln, für die derzeit Abriss- oder Teilabrissgenehmigungen vorliegen:

- Wohnhaus, Großweitzschen, Untere Straße 1
- Wohnstallhaus und Gesindehaus in Theeschütz 10
- Fachwerk-Wohnhaus und Gasthof mit Saalanbau in Wetterwitz 24
- Herrenhaus in Obersteina, Am Kalkofen 6
- Häusleranwesen in Fachwerkbauweise mit Nebengebäuden in Ostrau, Zum Spitzen 17
- Beigut (Meierei) der Klinik Hochweitzschen, Am Bäckerberg 79
- Mühle/Wohnstallhaus in Grunau, Talstr. 53
- Bogenbrücke über die Jahna in Zschaitz-Ottewig, Zum Stausee
- Justizvollzugsanstalt, Haus 5, in Waldheim, Dresdener Straße 1
- Fabrikgebäude in Döbeln , Mastener Straße 4-6

Kulturdenkmale im Altkreis Döbeln, für die derzeit Anträge zum Abriss- oder Teilabriss vorliegen:

- Gärtneranwesen Mochau, An der Linde
- Hinterhaus in Döbeln, Mastener Str. 4-6
- Stadtgut in Hartha, Leisniger Straße 1
- Fachwerkhaus in Waldheim, Voigtstr. 19

Kulturdenkmale im Altkreis Döbeln, die 2013, 2014 und 2015 vollständig abgerissen wurden:

- Wohnhaus, Mitropa, Wartehalle des Bahnhofes in Waldheim
- Wohnstallhaus in Brösen, Nummer 7

Wie viele Kulturdenkmale wurden in den vergangenen Jahren im Landkreis Mittelsachsen neu in die amtliche Denkmalliste des Landes aufgenommen und wie viele gestrichen?

- Neu: 44 Kulturdenkmale (Recherche erst ab 2011 möglich. Die Struktur der Datenbank lässt eine Recherche nach neu erfassten Kulturdenkmalen nur bedingt zu, da bei der betroffenen statistischen Suchanfrage nicht unterschieden werden kann, ob es sich tatsächlich um ein neu erkanntes oder nur (infolge der laufenden Listenrevision) neu beschriebenes Denkmal handelt, das zuvor aber schon geschützt war.)
- Gestrichen: 95 Kulturdenkmale (im Zeitraum von 2005 bis 2015)

 

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