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Döbeln Extrawurst für Maisbomber: Imbiss-Leuteärgern sich über Straßenbau in Döbeln-Ost
Region Döbeln Extrawurst für Maisbomber: Imbiss-Leuteärgern sich über Straßenbau in Döbeln-Ost
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00:34 02.10.2015
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Wegen der Bauarbeiten an der ehemaligen Bundesstraße 175, die jetzt auf den Namen Kreisstraße 7521 hört, ist auch die Abfahrt Döbeln-Ost dicht. Der Imbissbetreiber hat dadurch etwa 50 Prozent Umsatzverlust, musste seine Öffnungszeiten kürzen. Gestern saß eine handvoll Gäste in der "Kantine". Sonst sei es hier aber proppevoll, sagt Sandra Krause, Reinhard Wustmanns Tochter und Mitarbeiterin im Imbiss. Normalerweise bewältigen drei Leute den Betrieb, derzeit seien sie zu zweit und manchmal schaffe es auch einer allein.

Unverständlich für Reinhard Wustmann - und auch für alle anderen, die vor der Sperrscheibe kurz vor der Autobahnunterführung stehen - ist der Grund für die Sperrung. Denn den gibt es eigentlich gar nicht. Frischer Asphalt und neue Straßenmarkierungen signalisieren eigentlich: Hier hast Du freie Fahrt, lieber Autofahrer. Eigentlich freie Fahrt und Isabel Siebert vom Sächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) erläutert das absurd erscheinende Bild einer neuen aber gesperrten Straße: "Es sind noch erhebliche Leistungen neben der befestigten Fahrbahn erforderlich, etwa die Bankettherstellung auf 1,2 Kilometern Strecke sowie Grabenprofilierungen, Zufahrten und Beschilderungsarbeiten." Reinhard Wustmann indes fragt sich, wieso das Lasuv keine Ampel aufgestellt hat, um wenigstens einen Fahrstreifen befahrbar zu halten. Geht angeblich auch nicht und laut Lasuv-Sprecherin Siebert deswegen: "Für die genannten Leistungen stehen Bau- und Lieferfahrzeuge auf der Fahrbahn. Auf Grund arbeitsschutzrechtlicher Vorschriften ist eine halbseitige Bauweise hier nicht zulässig." Eine Extrawurst macht das Lasuv aber für Fahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft. Diese dürfen über die neue aber gesperrte Kreisstraße 7521 fahren, wovon die Sperrschilder künden. "Vor Beginn der Arbeiten gab es erheblichen Abstimmungsbedarf hinsichtlich der Bauzeit wegen einer parallel laufenden Erntekampagne", sagt die Lasuv-Sprecherin. Um die Silos der Biogasanlage der Drewag mit Mais zu füllen, ist laut Isabel Siebert der Transport von 47 000 Tonnen Silomais innerhalb von nur drei Wochen notwendig. Die Maisbomber müssen über die Baustrecke rollen, anders kommt man nicht zur Biogasanlage. "Ursprünglich haben sich die Bauzeit für den Straßenbau und die Erntekampagne überschnitten. Es wurde sich auf einen Kompromiss geeinigt. Die eigentliche Fahrbahn der B 175 mussten wir demnach bis zum 26. September fertiggestellt haben. Die Erntefahrzeuge dürfen seitdem das Baufeld passieren", sagt Isabel Siebert. Mitte Oktober soll die Sanierung der ehemaligen B 175 abgeschlossen sein. Das Lasuv musste sie erneuern lassen, weil sie jetzt zwischen Autobahnanschlussstelle Döbeln-Ost und Nossen eine Kreisstraße ist und der Landkreis Mittelsachsen keine Buckelpiste erben sollte. Denn künftig muss sich der Kreis um die Straße kümmern. Ebenfalls fertig aber gesperrt ist die Staatsstraße 39, die gleich an der Autobahnanschlussstelle Döbeln-Ost nach Roßwein abzweigt. Wer dort gestern mal lang gefahren ist, sah die "Straßenmaler" die Markierungen aufbringen. "Die S 39 soll zum 23. Oktober für den öffentlichen Verkehr wieder freigegeben werden. Das ist bereits eine Woche früher als der vertragliche Endtermin", sagt Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert. Keine gute Idee ist es übrigens, über die gesperrten Straßen zu fahren. 25 Euro Verwarngeld bezahlt, wen die Polizei dabei erwischt. Außerdem können einen die Beamten wieder zurückschicken.

Auf Unverständnis stoßen die vielen Straßenbaustellen in der Region Döbeln auch bei der Roßweiner Bürgerinitiative "Neue Richtung", deren Sprecher der Döbelner Linken-Stadtrat Kay Hanisch ist. "Sowohl mehrere Mitglieder, als auch Bürgerinnen und Bürger, die uns angesprochen haben, halten die Verkehrssituation in Döbeln, Roßwein und der Gemeinde Mochau für chaotisch und schlecht abgestimmt. Umleitungen sind schlecht ausgeschildert oder teilweise gar nicht vorhanden", sagt Kay Hanisch. Die Bauvorhaben unterschiedlicher Träger wie Freistaat und Kommunen seien schlecht koordiniert. "Hinzu kommt das Chaos durch die zahlreichen Baumaßnahmen, die alle zum gleichen Zeitpunkt stattfinden müssen und an den Nerven der Bürgerinnen und Bürger zerren", so Kay Hanisch. Die Neue Richtung fordert daher, die Bauvorhaben besser abzustimmen. "Dazu bedarf es auch Druck aus der Bevölkerung!" © Kommentar

Aus der Döbelner Allgemeinen Zeitung vom 30.09.2015

Dirk Wurzel

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